September 10, 2001 at 23:32 · Filed under Musik
Roman Flügel und Jörn Elling Wuttke aka Alter Ego vermitteln zwischen Härte und Humor.
Gestern war Krieg in den USA! In der folgenden Nacht setzten sintflutartige Regenfälle ein, die bis in den Morgen andauerten. Jetzt hat sich das Wetter etwas beruhigt. Leichte Weltuntergangsstimmung liegt trotzdem über dem Szenario, als wir uns mit Roman Flügel und Jörn Elling Wuttke, die zusammen das Produzentenduo Alter Ego bilden (ihr anderes Ego ist Sensorama) in den Räumen der intro-Redaktion treffen. Die Wartezeit bis zum Beginn des Fotoshootings (sämtliche Verspätungen und Pannen werden zur Zeit auf die Terroranschläge geschoben) überbrücken wir naheliegenderweise mit Gesprächen über die Ereignisse in den USA. Die Stimmung schwankt zwischen Besorgnis und hilflosem Rumalbern. Als die Fotosession beginnt, ist der Himmel immer noch tief bedeckt. Während Jörn eher Schlichtes bevorzugt und sich tapfer, aber letztendlich erfolglos gegen Pullunder wehrt, sucht sich Roman kontrastierend zur gedämpften Tagesstimmung einen schreiend-knalligen Pullunder aus dem Kleiderfundus aus: „Wo’s richtig weh tut fängt’s an Spaß zu machen.“
Vom Missverständnis zum Clubhit
Wenn das auch die Losung für „Betty Ford“, den viel gefeierten letztjährigen Clubhit von Alter Ego war, dann scheint sie gut zu funktionieren. „Betty Ford”, ein mächtig schiebender Technotrack, erschien Ende 1999 als 4-Track-EP auf Klang Elektronik, „ist aber 2000 erst richtig durchgebrochen“(Roman). Denn eigentlich war der Track auch nur eines der beiden B-Seiten Stücke. Nach anfänglicher Verwunderung hat sich dann aber nach und nach dieses Stück als der Clubtrack der EP durchgesetzt, und schnell kursierte die EP inoffiziell unter dem Titel „Betty Ford“.
Dabei ist Betty Ford für die Verhältnisse von Alter Ego ein ungewöhnlich hartes Stück. Denn Alter Ego wurde ursprünglich als das Ambient-Projekt der beiden gestartet, „seitdem hat sich das aber immer mehr verhärtet, und jetzt sind wir an diesem Punkt angelangt (Roman).“ ‚Diesen Punkt’ könnte man auch ‚Schrantz’ nennen, jenen harten Loop-Techno vornehmlich Frankfurter Provenienz. Jörn:“Es ist schon eine Schrantz-Hymne, das kann man so sagen. Aber den Begriff gab es zu der Zeit ja noch gar nicht.“ Der Track, der nach einem hochtourig laufenden Maschinenmotor mit kleinen Aussetzern klingt, bedient in der Tat das Schrantz-Publikum. Allerdings – und hier setzt ein Reihe von Missverständnissen und lustigen Zufällen ein – kann man im Stück noch einiges mehr hören – die stumpfen Momente sind doch eher vordergründig.
Digitaler Hardcore-Humor
Roman: „Die Idee ist völlig over-the-top, da sind vollkommen absurde Momente drin. Der Basslauf z.B.: schlimmer geht’s nimmer! Da gibt es wirklich stumpfe Elemente. Man muss die eben nur so einsetzen, dass es nicht peinlich wird.“
Jörn: „Es ist wie eine Achterbahnfahrt die über Höhen und Tiefen geht. Das gibt es im Augenblick selten. Die Stücke sind zur Zeit oft sehr eindimensional – DJ-Tools eben. „Betty Ford“ hingegen ist extra so gemacht, dass es aus dem DJ-Set herausragt. Es will sich in den Vordergrund spielen. Nicht ohne Grund hören so eine Platte auch ganz andere Leute: viele Ältere, viele Künstler, viele Studenten und viele Indie-Leute. Die gehen dazu aber nicht Techno tanzen, sondern finden das einfach gut, weil es so bizarr und absurd ist.“
Roman: „Das Stück nimmt eine gewisse Ernsthaftigkeit raus, die in vielen härteren Techno-Stücken ist. Es schwingt ein Quäntchen Wahnsinn mit, und das macht es etwas außergewöhnlich.“
Der Wahnsinn hat Methode
Deswegen auch der etwas verwirrende Titel: Betty Ford, die Frau von Henry Ford, hat eine Klinik für Suchtkranke Weltstars gegründet. Roman: „Weil der Wahnsinn einfach in der Luft lag, dachten wir, muss das auch im Titel erkennbar sein.“ Dass man bei dem Track auch an Motoren von z.B. Ford-Autos denken kann, ist hingegen nur eine weitere, willkommene Assoziation.
Verglichen mit Schrantz-Tools klingt „Betty Ford“ aber nicht wirklich hart. Dem Hörer schlägt nicht eine undynamisch permanent auf höchstem Level angesiedelte strukturelle Dichte entgegen, die einem rhythmisch gleichförmig spitze Sounds entgegenschleudert. „Betty Ford“ ist eher übersichtlich, mit fettem Bass produziert und konzeptuell Angelegt. Das ist so ziemlich das Gegenteil von Stumpf und liegt direkt in der Nachbarschaft eines Wolfgang Voigt, der mit seinen Projekten „Auftrieb“ und „Freiland“ ähnliche Felder beackert. So war bei der Frage nach den Kandidaten für die längst überfälligen Remixe schnell klar, dass Voigt aka Wassermann mit von der Partie sein wird (auch eine Revanche dafür, dass Alter Ego zusammen mit Sven Väth dessen programmatische Technohymne „W.I.R.“ zerbröselt haben). Auf der kommenden Remix Platte findet sich – neben Versionen von Justin Berkovi und DJ Rush – auch ein Remix von März. Der ist zuständig für den bislang letzten Zufall in dieser Geschichte: März alias Ekkhard Ehlers kam zur rechten Zeit ins richtige Büro und wollte kurzer Hand auch einen Mix beisteuern. Roman:“Wir dachten: ‚Ok, dass kann eigentlich nur absurd werden, lassen wir den ruhig mal ran’.
Christian Meyer
Zuerst erschienen in: intro, 10/2001
Die Remixe von Betty Ford erscheinen als CD bei Zomba, als Vinyl-Maxis weiterhin bei Klang Elektronik
September 9, 2001 at 17:22 · Filed under Musik
Electro-Pop-Chansons
Das Brüsseler Duo kann sich einfach nicht entscheiden:, Elektronik oder Pop, lustig oder traurig, Kraftwerk oder Telex, Innen oder Außen. Mit Ming zwischen allen Stühlen!
Text: Christian Meyer
Da stellte sich doch leichte Verwirrung ein, als ich kurz nach dem Interview mit dem Belgischen Electro-Pop Duo Ming eine Anzeige für das neue Album von Ming in einem Fachmagazin erblickte. Demnach heißt das überraschenderweise gerade erschienene Debutalbum des anscheinend Britischen Duos nicht ‚Intérieur/Extérieur’, sondern ‚Red’. Des Rätsels Lösung: es gibt zwei Mings und voraussichtlich bald auch den üblichen Namensstreit. Den werden hoffentlich die Belgischen Ming für sich entscheiden können: zum einen, weil sie zuerst da waren, und wer zuerst nennt, heißt schließlich auch zuerst! Zum anderen, weil man von diesen beiden äußerst sympathischen und sensiblen Menschen am liebsten alle Probleme dieser Welt fernhalten möchte. Irgendwie kann man bei ihrem Anblick nicht glauben, dass sie dem standhalten würden (was mit Sicherheit überhaupt nicht stimmt!). Ich treffe Frédérique (kurz Fred) und Nicolas am Rande des Electro Bunker Open-Airs in Köln am Rhein, genauer am Strand des Rheins, wovon die unterschiedlichsten Schiffsmotorengeräusche auf der MD ein munteres Liedchen brummen und die sowieso in lustigem Englisch Sinn zerbröselnden O-Töne verschlucken. Wir befinden uns jedenfalls (dr)außen…
De:Bug: Wie kann man den Albumtitel Intérieur/Exterieur verstehen?
Fred: Einige Songs erzählen die Innenansicht, einige die Außenansicht.
De:Bug: Das müsst ihr genauer erklären, ich verstehe fast kein französisch. Wovon redet ihr in den Texten, beziehungsweise wer von Euch schreibt sie überhaupt?
Nicolas: Manche Texte schreiben wir gemeinsam, manche alleine, das hängt davon ab, wer die Musik geschrieben hat. Ein Text ist auch von dem Dichter Arthur Rimbaud. Die Sprache, die wir benutzen, ist ähnlich poetisch. Wir beschreiben keine Alltagsdinge und benutzen auch keine Alltagssprache. Manchmal sind die Texte sehr abstrakt, manchmal sehr materiell. Fred hat dazu ein Stück geschrieben – Sentir et Analyser – das von beidem, vom Fühlen und Analysieren, handelt.
Fred: Im Französischen Chanson – in bestimmter Weise beziehen wir uns darauf, wenn auch nicht bewusst (alleine dadurch, das der Chanson in Belgien sehr präsent ist und sie in Französisch singen/Anm. CM) – gibt es etwas sehr affektiertes…
Für dieses Album habe ich versucht, nicht zu realistisch zu sein, sondern einen neuen Weg in der Poesie zu gehen. Zwei oder drei Stücke sind aber trotzdem ‚exterieur’, nicht metaphorisch, sondern sehr präzise, technische Beschreibungen von Dingen.
De:Bug: Passt dazu Euer Fassbinder Zitat „Liebe ist kälter als der Tod“?
Nicolas: Das ist als Hommage an Fassbinder gemeint. Er hat auch Musik mit kalten Texten und lustiger Variete Musik gemacht. (hat er das wirklich gesagt, oder versuchen mir hier die Interferenzen eines Schiffsmotors unterzujubeln, Fassbinder hätte auch Musik gemacht?). Der Intérieur-Part tritt bei Rimbaud hervor: er beschreibt einen Zeitgeist, der sehr aktuell erscheint. Das Leben in der Großstadt, die Situation der Jugend, die Opfer der Zeit sind – aber sie unternehmen nichts dagegen.
De:Bug: Musikalisch versuche ich Euch jetzt mal ganz platt mit anderen Brüssler Bands in einen Topf zu schmeißen: Die New Wave Band Honeymoon Killers war ähnlich wie ihr melancholisch und lustig zugleich. Was von beidem ist für Euch bedeutender?
Fred: Es ist einfach beides da!
Nicolas: Ich weiß nicht warum, aber für mich hat Musik immer etwas mit Melancholie zu tun. Aber auch wenn man so etwas Ernstes macht wie Musik, kann man nicht… ich bin nicht Stockhausen! Wir mögen es zu spielen, und es ist eben auch so etwas wie ein Spiel. Zur selben Zeit ist es aber auch wieder so ernst – wir hängen tatsächlich immer zwischen diesen beiden Aspekten.
De:Bug: Der Promozettel redet von starkem Kraftwerk-Einfluß in Eurer Musik. Ich denke eher an Telex, die ja ebenfalls aus Brüssel kommen: die waren weniger Streng, oft spaßig und sehr verspielt.
Nicolas: Dazu können wir nichts sagen. Telex ist uns zu nahe. Die waren soo belgisch. Die kommen aus unserer Parallelstraße. Die Leute machen über diese Nähe schon Witze.
De:Bug: Ihr werdet also oft mit ihnen verglichen?
Nicolas: Nein, und wir sind auch tatsächlich mehr von Kraftwerk beeinflusst. Wenn wir Telex hören, müssen wir immer lachen. Die machen ja ständig nur Witze. Sie haben z.B. 1980 das Stück ‚Eurovision’ auf dem Album Neurovision für den Grand Prix gemacht (wo übrigens auch das sehr schöne ‚Tour de France’ zu finden ist – soviel zum Telex/Kraftwerk-Vergleich!/Anm.CM).
De:Bug: Euer erstes Album Miso-Mix ist noch rauer als die neue Platte! Jetzt klingt alles reifer, erwachsener! Nicolas erzählte mir vorhin, dass ihr neues Equipment habt. Ist das der Grund für den neuen Sound.
Nicolas: Die Musik wird einfach immer wichtiger für uns. Früher haben wir den Schwerpunkt darauf gesetzt, kleine, lustige Melodien mit dem Synthesizer zu spielen. Jetzt versuchen wir Musik zu machen, die alle Möglichkeiten ausschöpft, die uns die Maschinen bieten. Wir sind darin allerdings keine Spezialisten, wir befinden uns eher auf Entdeckungsfahrt. Wir experimentieren, weil wir nicht genau wissen, was dies ist und wie jenes funktioniert.
Fred: Der Prozess des Suchens ist wahrscheinlich auch interessanter als der Moment des Findens.
De:Bug: Fühlt ihr euch der Elektronik-Szene nahe, oder seht ihr Euch eher einfach als Popmusiker? Denkt ihr darüber überhaupt nach?
Fred: (lacht) Wir reden tatsächlich sehr viel darüber. Es ist nicht so eindeutig
Nicolas: Nein, im Moment ist das nicht sehr klar… Vor zwei Jahren wollten wir nur noch elektronische Musik machen, keine Chansons mehr, keine Texte, nur herumexperimentieren. Jetzt wissen wir, dass wir auch andere Dinge machen müssen. Der Pop ist jetzt wieder zurückgekehrt.
De.Bug: Kein Gespräch ohne 80er Retro-Debatte: ihr covert Subculture von New Order. Ist das Eure Jugend?
Nicolas: Die Bassline ist so simple. Ich habe irgendeine Bassline gespielt, und merkte dann, das es von Subculture ist. Das ist alles!
Fred: Es sollte eigentlich etwas anderes werden, aber plötzlich war es New Order.
Für mich sind die 80er kein Jahrzehnt, bei dem man melancholisch werden kann, es war einfach eine lächerliche Zeit.
Nicolas: Eine wirklich schlechte Zeit!
Fred: Wenn das so weiter geht mit diesen Retrophänomen, kann ich das nicht mehr ernst nehmen. Das sind eben Modeerscheinungen.
Nicolas: Das ganze ist einfach nicht sonderlich interessant. Wir ziehen es vor, uns Gedanken über die Gegenwart und Zukunft zu machen. Viele Künstler sind anscheinend nicht fähig, über die Zukunft zu reden – und sie wissen auch nichts von der Gegenwart. Wenn man viel über die Zukunft nachdenkt, merkt man, dass das die totale Katastrophe ist, das Ende, das ist klar… aber ich will jetzt nicht zu negativ werden (lacht). Es ist ganz einfach diese Bassline zu spielen: dumm dum dumm dum.., und dieses 80er Zeug. Das könnten wir…
Fred: …1000 Jahre lang machen (große Belustigung allerseits)!
Nicolas: Wir machen auch so was, aber es ist eigentlich nicht unser Thema! Wir sind in den 80ern Groß geworden, und kennen deshalb die Musik genau, das ist alles.
Zuerst erschienen in De:Bug 10/01
September 2, 2001 at 23:28 · Filed under Musik
Wühlen im Schlamm der gegenwärtigen Vergangenheit
Niedlich! Nie-dlich!! NIE-DLICH!!! So, das war schon mal vorab die übliche Portion ‚niedlich’ pro Schlammpeitziger-Artikel. Dann kann ich mich jetzt ja wohl einer weniger festgelegten Auseinandersetzung mit der Musik von Jo Zimmermann, wie sich Schlammpeitziger bürgerlich nennt, widmen. Denn er selbst gibt zwar einige steile Vorlagen, die den Gebrauch dieses Adjektivs fördert, aber eine Beschäftigung mit seiner Musik kann auch ganz anders gehen – und zwar so (im wirren Intuitions-Mix):
Die Schlamm-Kosmologie
Schmeißt man all sein Schlammpeitziger-Wissen in einen Topf, drängt sich einem unweigerlich die Vorstellung eines eigenen, kleinen Schlammpeitziger-Kosmos auf: da sind die in einem Paralleluniversum, unabhängig von der Musik entstehenden Coverzeichnungen, die aus einem großen Fundus über die Jahre angehäufter Zeichnungen ausgewählt werden. Da ist dieses eine, die gesamte Musik mit seinem Sound prägende Gerät (ein Casio Digital-Synthesizer, den er nach all den Jahren wie seine Westentasche kennt), mit dem bis vor kurzem die komplette Musik gemacht wurde (erst kürzlich sind ein Sampler und einige andere Geräte hinzugekommen). Da ist die freundschaftliche Zugehörigkeit zum Kosmos von A-Musik, in den er aber doch mit seiner unakademischen, intuitiven Musik nicht ganz hineinzupassen scheint.
Glücksrad-Musik
Vor allem Letzteres bestätigt sich beim Gespräch mit dem Künstler: Musik machen ist bei Schlammpeitziger sehr vom Zufall abhängig: nicht geplant, und auch nicht von technischem, musikwissenschaftlichem oder musikhistorischem Wissen abgeleitet. In der Musik prallen die verschiedensten Einflüsse aufeinander, ohne dass es theoretisierend knallt: es passiert einfach! Der als erstes vom Schlammpeitziger unverhohlen zugegebene und nachvollziehbare musikalische Einfluss kommt von New Wave-Elektronik à la Residents, Der Plan u.ä. Aber wie lassen sich all die anderen in die Textur der Stücke reingerutschten Elemente erklären? Vielleicht gar nicht künstlerisch, wie bei den orientalisch klingenden Sounds und Melodien seiner Fantasiefolklore: „Das passiert immer automatisch, wenn ich die schwarzen Tasten benutze“. Oder nur mit der zufälligen Koexistenz von musikalischen Ideen zu verschiedenen Zeiten, wie bei den deutlichen Anleihen beim Krautrock. Denn das hat Jo Zimmermann nie sonderlich bewusst in sich aufgenommen: „Als ich Frank Dommert kennenlernte (A-Musik; Entenpfuhl usw.), hat der mir von Harmonia erzählt. Vorher kannte ich so etwas nicht. Das ist dieses Phänomen von der gleichen Idee von Musik, die unabhängig voneinander und zu einer anderen Zeit entsteht“. Und jetzt, in anderen Zusammenhängen auch wieder funktioniert – anders funktioniert! Auch in produktionstechnischen Fragen ist das Ergebnis auf ähnliche Art dem Zufall ausgeliefert. Neugieriger Reporter: „ Wie wissen Sie, wann Sie die Arbeit an einem Stück beenden müssen, wann ist der Track fertig, wie schützten Sie sich davor, solange Ideen aufeinanderzustapeln bis das Ganze umkippt?“ Antwort des Künstlers:“Das bedingt die Technik, ich habe ja nur 8 Spuren! Wenn die voll sind, sind sie eben voll!“ Ja, so einfach kann das sein. Naiv könnte man das nennen, wenn das einerseits nicht negativ behaftet wäre, sich andererseits dadurch nicht wieder eine so gefährliche Nähe zu diesem anderen Adjektiv mit ‚n’ in the begining einstellen würde. Gefährliches Fahrwasser…
Jetzt Welterfolg, bitte!
Zu den Fakten: Die gerade erschienene erste Compilation ‚Collected Simple Songs Of My Temporary Past’ versammelt Lieblingslieder der bisherigen Veröffentlichungen, ausgesucht vom Musiker mit beratender Unterstützung von Freunden der A-Musik. Mit der CD soll der große Erfolg in GB und den USA, der bislang ausblieb, forciert werden. „Das wäre schon komisch, aber auch gut: Schlammpeitziger in den USA!“. Mit dem neuen Label Domino im Rücken wäre das sicherlich möglich und ein entscheidender Schritt nach vorne (ein Mixauftrag von Depeche Mode ist auch schon eingetrudelt). Leben kann er zwar schon seit zwei Jahren von der Musik (was ihn allerdings immer noch wundert!), besser leben wäre aber natürlich besser! Außerdem geht von den derzeitigen Entwicklungen ein neuer Motivationsschub aus, der zu neuem anspornt: Live werden jetzt nicht mehr nur die Melodien nachgespielt, wie bisher, sondern die Stücke auch lustvoll zerlegt (ha, gar nicht niedlich und auch nicht naiv!). À propos Melodien (die Dinger, weswegen ihm das Prädikat ‚niedlich’ so sehr anhängt): die wurden von vielen Hörern schon beim letzten Album vermisst, in Zukunft sollen die Stücke zusätzlich noch brüchiger werden und deutlich mehr nach vorne gehen. Die den meisten Tracks ihhärente sehnsüchtige Melancholie darf aber bleiben. Und er möchte auch nach wie vor seine Platten am liebsten im A-Musik-Fach wiederfinden. Soviel zur gegenwärtigen Vergangenheit inklusive besagter Compilation. Warten wir jetzt mal ab, was die vergangene Zukunft gebracht haben wird.
Zuerst erschienen in De.Bug 10/01