Art Cologne 2001

Zwischen den Orten

Nachdem die Relevanz der Art Cologne in den letzten Jahren zunehmend angezweifelt wurde (obwohl der Kontrahent in Berlin sich auch nicht durchsetzen konnte), wird dieses Jahr mit dem Slogan ‚The Artpole of the world’ diese Relevanz schlicht wieder behauptet. So kann man’s auch machen…

Auf der ewigen Suche nach Neuem wird man dieses Jahr zumindest nicht großartig fündig. Die Förderkojen sind unspektakulär wie lange nicht mehr. Nach herausragenden Künstlern oder Ausstellungsstücken sucht man vergebens – die Künstler, deren Arbeiten positiv auffallen, sind bereits aus den Vorjahren bekannt.

Neben dem Großthema Identität mit allen Unterabteilungen von Gender bis Race (in Bettina Flitners Arbeit ‚Ich bin stolz ein Rechter zu sein’ kommen diejenigen zu Wort, die mit diesen Diskursen am wenigsten zu tun haben, bei Stefan Banz ‚The Muhammad Ali’s dürfen alle Betroffenen freudig zurückschlagen) wird natürlich nach wie vor auch der Ort verhandelt. Auch hier finden sich zahlreiche Unterabteilungen, der Ort als Un-Ort ist allerdings der bei weiten am häufigsten auftretende Fokus. Die Altmeister Anne und Patrick Poirier sind mit ihren Modellbau-Mythologien versunkener Welten in der Jetztzeit angelangt und bauen eine Stadtlandschaft nach, die komplett schwarz eingefärbt ist, an deren Oberfläche aber mit Moos schon wieder eine neue Kultur die alte – ‚Danger Zone’ – überwuchert.
Einen anderen Un-Ort, den der Peripherie, bildet Josef Schulz mit seinen digital aneinandergefügten Ansichten von französischen Gewerbegebiet-Wellblecharchitektur ab. Lange bahnen kompletter Ödnis mit Reklametafeln als Verzierung ergibt das. Ähnliches bildet auch Frank Breuer ab, nur das er, der Becher-Schule entstammend, seinen Lagerhäusern mit seinem geradlinigen Bildaufbau einen ästhetischen Wert abringt.
Bei Naoya Hatakeyama wähnt man sich vor stark digital bearbeiteten Fotografien im Stil von Andreas Gursky von urbanen japanischen Landschaften. Man kann sich aber versichern lassen, dass die abgebildeten Absurditäten zwischen Einkaufsviertel und Vergnügungspark wirklich existieren.
Das hingegen sollte man bei Edwin Zwakman nicht glauben, obwohl seine abfotografierten Modelle größter Wohnhaus-Tristesse (vergleichbar mit Oliver Bobergs Fotografien, jedoch weniger Theaterkulisse, dafür mehr ‚Eisenbahnlandschaft’) täuschend echt aussieht. In Wirklichkeit ist sie aber ‚echter’ als echt – die Essenz derartiger Depression!

Zuerst erschienen in De:Bug 12/01