Yslaire: Der XX.Himmel

Der Comiczeichner Yslaire (‚Sambre’) startet mit der zweibändigen Geschichte ‚Der XX.Himmel’ den Versuch, den Comic ins Computerzeitalter zu katapultieren. Nicht mit am Computer gezeichneten Bildern, nicht durch die Publikation im Internet, sondern mit einer spezifischen Erzählweise: die Geschichte wird weitgehend an Hand von E-Mails, die anonym (von @nonymous) an die Protagonistin Eva Stern (evastern@yslaire.de), eine steinalte, jüdische Psychoanalytikerin, gesendet werden, erzählt.

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@nonymous schickt ihr Bilder und Filme, die zwar ihr eigenes Leben betreffen, insgesamt aber auch ein Bild der düsteren Seite des 20.Jahrhunderts liefern. Die Panels sind in einem klassischen, malerischen Stil gehalten (vergleichbar mit Bilal), Yslaire hat dadurch aber seine eigene Erzähltechnik nicht immer ganz im Griff: das malerische kollidiert mit dem neuen Kommunikationsmedium – die Software mit der Hardware. Trotzdem ein schöner, poetischer Comic eines französischen Altmeisters.
(2 Bände, Carlsen, 2001/2)