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Archive for März, 2003

“After Life” von KORE-EDA Hirokazu

Ein kleines Grüppchen wird in einem Gebäude empfangen und zu ihrem schönsten Erlebnis befragt. Die Personen sind gerade gestorben und sollen den Moment ihres Lebens aussuchen, den sie als einzige Erinnerung mit ins Jenseits nehmen.

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Man merkt schon wenige Minuten nach beginn des Films, wie wörtlich man den Titel des zweiten Spielfilms von KORE-EDA Hirokazu nehmen muss: Alle Figuren des Films sind bereits tot! Die einen – in Beamtentätigkeit zwischen Leben und Tod beschäftigt – schon etwas länger, andere – für eine Woche in den bürokratischen Prozess des Übertritts ins Jenseits involviert – noch ganz frisch. Die Beamten mit Beraterfunktion helfen den Neuankömmlingen, sich innerhalb einer Woche in intensiven Gesprächen und in schwereren Fällen auch mittels Videoaufnahmen des jeweiligen Lebens für die wichtigste oder schönste Erinnerung zu entscheiden. Einige tun sich damit sehr leicht, andere können sich nicht erinnern, wieder andere können sich nicht entscheiden und ein Neuankömmling will sich nicht entscheiden.
Mit dieser sehr witzig klingenden Konstellation bietet uns KORE-EDA allerdings keine leichte Komödie, sondern ihm gelingt eine erstaunlich umfassende Reflexion über das Leben, die Erinnerung und die darin enthaltenen Verschiebungen zur Wirklichkeit (mit all den damit verbundenen Funktionen, die das Erinnern erfüllen kann). Das Geschehen in dem Amtsgebäude und dem umliegenden Garten zeigt KORE-EDA in ruhigen Bildern und einem diese Grundstimmung weitertragenden, fast zärtlichen Bemühen der Berater um die Neugestorbenen. Die ‚Sitzungen’ haben einen therapeutischen Charakter und führen dazu, dass sich die Menschen mit dem hinter ihnen liegenden Leben auf unterschiedlichste Art auseinandersetzen.
Am Ende der Woche sollen sich alle entscheiden, die gewählten Erinnerungen werden dann detailgenau Verfilmt und im eigenen Kinosaal vorgeführt – schließlich werden die Toten ins Jenseits entlassen. Mit dem Aspekt der abschließenden Verfilmung der Erinnerung der Gestorbenen liefert KORE-EDA schließlich auch noch eine Reflexion über das Kino, das ja immer auch Leben nachstellt – erfindet oder erinnert.
(Bundesstart: 10.4.03)

Zuerst erschienen in choices 04/03

Lewis Trondheim: Mein Freund der Rechner / Nicht ohne meine Konsole
Lewis Trondheim & M. Larcenet: Die Kosmonauten der Zukunft 1 & 2

Lewis Trondheim, Comicautor, Zeichner und Freund der absurden Wendung, hat in nur wenigen Jahren als Einzelhefte und in diversen Serien, alleine oder im Duo mit anderen Zeichnern bereits über 30 Alben veröffentlicht. Dass bei diesem mörderischen Arbeitstempo die Qualität auch mal schwankt, verwundert nicht. Das kann man auch bei seinen nur locker verbundenen Geschichten rund um Computer und Videospiele, feststellen.

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Mit 1-4 Seitigen Kurzgeschichten greift Trondheim in „Mein Freund der Rechner“ die reichlich vorhandenen Absurditäten der digitalen Lebensaspekte auf – die Pointen zünden allerdings nicht immer! In der letzten Geschichte lernen sich dann die Protagonisten des zweiten Bandes „Nicht ohne meine Konsole“ kennen. Dort kreist die Story der beiden Videospiel-Kritiker um die Themen Medien und Konsum, und stößt des öfteren humorvoll an philosophische Grundfragen. Auch hier zündet nicht jede Pointe (trotz fortlaufender Story im Heft ist jede Seite kunstvoll wie ein einzelner Comicstrip mit Pointe arrangiert), aber wie Trondheim z.B. auf einer Seite eine komplette Fernsehkritik ausbreitet um sie dann in nur einer Sprechblase ganz im Sinne von Bourdieus These von der Absorbtion/Affirmation der Kritik durch das Medium platt zu walzen, ist schon eindrucksvoll. So etwas bekommt man in einem Funny-Comic sonst nur noch bei Fil (beide Carlsen).

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Seine Serie „Die Kosmonauten der Zukunft“ (Zeichnungen von Manu Larcenet) ist ein Science Fiction um zwei naseweise 11Jährige, die sich plötzlich in ihrer eigenen Fantasiewelt wiederfinden. Ab der Mitte des ersten Bandes wird’s richtig skurril, wobei die absurd erscheinende Logik – sowohl die der Story als auch die der Rotzlöffel – zunehmend für metaphysische Begeisterung sorgt. Im zweiten Band bricht der Wahnsinn komplett aus (beide Ehapa).

Zuerst erschienen in De:Bug 05/03