Lewis Trondheim: Mein Freund der Rechner / Nicht ohne meine Konsole
Lewis Trondheim & M. Larcenet: Die Kosmonauten der Zukunft 1 & 2

Lewis Trondheim, Comicautor, Zeichner und Freund der absurden Wendung, hat in nur wenigen Jahren als Einzelhefte und in diversen Serien, alleine oder im Duo mit anderen Zeichnern bereits über 30 Alben veröffentlicht. Dass bei diesem mörderischen Arbeitstempo die Qualität auch mal schwankt, verwundert nicht. Das kann man auch bei seinen nur locker verbundenen Geschichten rund um Computer und Videospiele, feststellen.

Nicht ohne Konsole.jpg

Mit 1-4 Seitigen Kurzgeschichten greift Trondheim in „Mein Freund der Rechner“ die reichlich vorhandenen Absurditäten der digitalen Lebensaspekte auf – die Pointen zünden allerdings nicht immer! In der letzten Geschichte lernen sich dann die Protagonisten des zweiten Bandes „Nicht ohne meine Konsole“ kennen. Dort kreist die Story der beiden Videospiel-Kritiker um die Themen Medien und Konsum, und stößt des öfteren humorvoll an philosophische Grundfragen. Auch hier zündet nicht jede Pointe (trotz fortlaufender Story im Heft ist jede Seite kunstvoll wie ein einzelner Comicstrip mit Pointe arrangiert), aber wie Trondheim z.B. auf einer Seite eine komplette Fernsehkritik ausbreitet um sie dann in nur einer Sprechblase ganz im Sinne von Bourdieus These von der Absorbtion/Affirmation der Kritik durch das Medium platt zu walzen, ist schon eindrucksvoll. So etwas bekommt man in einem Funny-Comic sonst nur noch bei Fil (beide Carlsen).

Trondheim Kosmonauten.jpg

Seine Serie „Die Kosmonauten der Zukunft“ (Zeichnungen von Manu Larcenet) ist ein Science Fiction um zwei naseweise 11Jährige, die sich plötzlich in ihrer eigenen Fantasiewelt wiederfinden. Ab der Mitte des ersten Bandes wird’s richtig skurril, wobei die absurd erscheinende Logik – sowohl die der Story als auch die der Rotzlöffel – zunehmend für metaphysische Begeisterung sorgt. Im zweiten Band bricht der Wahnsinn komplett aus (beide Ehapa).

Zuerst erschienen in De:Bug 05/03