Michael Husmann: Rama

Da bestellt man ahnungslos bei dem kleinen Schweizer Comic-Verlag Arrache Coeur ein Rezensionsexemplar ihrer neuesten Veröffentlichung – und was bekommt man? Nicht weniger als eine kleine Revolution des Mediums! Genau das ist Michael Husmanns Adaption der Indischen Sage Rama. Huismann fast zunächst auf zwei Seiten den Plot der Legende in einer Kurzerzählung zusammen, um uns im Folgenden mit seiner quietschbunten, in der Gegenwart angesiedelten Comicversion sprachlos zu machen.

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Alleine die Verknappung der Story mittels Untertiteln hat es in sich: „…brachte eine seiner drei Frauen ein Pferdeopfer dar…“ wird zu „Pferd: Wieher!; Revolver: Peng!; Pferd: +++“ und „… versuchte, sie durch betörende Reden zu gewinnen“ wird zu „Hallo… Ich will Sex mit Dir!“ Die Bilder sprechen eine genau so deutliche Sprache: in indisch-knallbunt lümmeln sich die Protagonisten wie Medienhipster in schicken Interieurs, müssen sich allerdings nicht mit Mac & Co. sondern mit allerhand Dämonen rumschlagen. Panels im klassischen Sinn gibt es auf den Seiten nicht, Sprechblasen schon gar nicht! Stattdessen gilt es auch für den Comic erfahrenen Leser erst ein mal die Handlungsabfolge zu erforschen, und die Auslassungen sind sogar für ein auf dem Prinzip der Auslassung (zwischen den Panels) basierendes Medium wie den Comic etwas zuviel des guten. Und so ist das Lesen der Sage nicht nur ein Differenzentdeckungsspaß, sondern zum Verständnis der Handlung ziemlich unerlässlich. Ein dreifaches Hoch auf diesen das Leseverhalten irritierenden Medienzwitter!