Can DVD

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Die wegweisendste, einflussreichste und legendärste Kölner Rockband der Geschichte? Nein – der Name beginnt natürlich nicht mit „B“ wie Bap, Bläck Föös oder Brings! Man muss einen Buchstaben im Alphabet weiterrücken um bei „C“ wie Can zu landen …

Can wurde Ende der 60er Jahre von den vier Individualisten Michael Karoli, Holger Czukay, Jaki Liebezeit und Irmin Schmidt vor einem Hintergrund zwischen Rock, E-Musik (v.a. Stockhausen) und einem Bereich, den man heute Weltmusik nennen würde, gegründet. In den folgenden knapp zehn Jahren haben sie mit unterschiedlichen Vokalisten (darunter die charismatischen Sänger Malcolm Mooney und Damo Suzuki) zehn Alben – zunächst im Schloss Nörvenich, später in ihrem Studio in Weilerswist, aufgenommen. Nicht wenige ihrer Platten gelten heute als Meilensteine der Rockgeschichte, bereits mit ihrem Debüt „Monster Movie“ wurden sie von der englischen Presse als „die beste Gruppe…, die wir je vom Kontinent gehört haben“ bejubelt.
Zum 35. Geburtstag der Band erscheint nun die „CAN DVD“, hinter deren schlichtem Titel sich eine opulente Box mit zwei DVD’s und einer Audio-CD verbirgt. Die Bilder- und Musiksammlung liefert einen historischen Überblick über das Schaffen der Band, ohne rein nostalgisch in der guten alten Zeit zu schwelgen. Denn der Blick fällt auch auf die ‚post-Can’ Soloaktivitäten der einzelnen Bandmitglieder. Das zeigt sich in Zahlreichen Interviews, die auch die musikalischen Wege seit 1978, dem Jahr der Auflösung der Band, thematisieren. Und auch in der Stückesammlung der Audio-CD spiegelt sich dies wieder. Denn dort hört man v.a. unveröffentlichte Live-Aufnahmen verschiedener Projekte der vier ehemaligen Can-Musiker aus der jüngsten Vergangenheit. Aber natürlich geht es daneben vor allem um die Band. Im Zentrum der Box steht daher der legendäre, eigentümlich editierte Film von Peter Przygodda zum „Can-Free-Conzert“ von 1972. Die Geschichte der Band wird zudem in einer knapp 90minütigen Dokumentation von Rudi Dolezal und Hannes Rossacher rekapituliert. Dort bekommt man auch skurrile zeitgenössische Fernsehberichte des WDR zu sehen, die in ihrer Hilflosigkeit die Ausnahmestellung der Band eindrucksvoll Dokumentieren.
(Spoon, Mute, EMI)

(Zuerst erschienen in Taz-NRW, 29.12.2003)