„Wenn der Richtige kommt“ von Oliver Paulus und Stefan Hillebrand

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Das Wunder im Maisfeld


Die naive Putzfrau Paula verliebt sich auf der Arbeit in den türkischen Wachmann Mustafa. Als der von seinem Vater in die Türkei geschickt wird, entschließt sich Paula, den Mann ihres Herzens dort, in der Millionenstadt Adana, ohne Adresse zu suchen …

Oliver Paulus und Stefan Hillebrand haben mit ihrem mehrfach auf Festivals ausgezeichneten Langfilm-Debut „Wenn der Richtige kommt“ eine so frische wie intensive Liebesgeschichte gedreht. „Ausgangspunkt unserer Zusammenarbeit war die Idee, einen Spielfilm wie einen Dokumentarfilm zu drehen. Es gab weder ein Drehbuch noch einen vorgefertigten Handlungsstrang – alles wurde improvisiert… Keine einzige Szene wurde wiederholt, jede Planbarkeit für Kamera und Schauspieler ausgeschlossen“. Damit beschreiben die beiden Regisseure ihre Arbeitsweise und machen es sich zwischen einigen Ausnahme-Größen der Filmgeschichte gemütlich: dem frühen Rosa von Praunheim wie dem jungen Fassbinder, und ein wenig von Lars von Triers Dogma spielt hier auch noch rein. Wie in Praunheims „Bettwurst“ möchte man ob der gebotenen Peinlichkeiten im Kinosessel versinken, kann die unvermittelte, holprige Steifheit der Schauspieler und Laiendarsteller wie bei Fassbinder kaum ertragen und fühlt sich tatsächlich ob der unausgeleuchteten, unausgestatteten Schauplätze als heimlicher Beobachter des wirklichen Lebens. Die naive Paula, eine gutmütige Außenseiter-Heldin á la von Trier, muss allerdings nicht um ihr Leben fürchten, sondern macht in diesem Film den Schritt in ein Abenteuer, das ihr Leben verändern wird. Dass hier die Schwere eines von Trier keinen Platz hat, zeigt die Wendung im dritten Kapitel des Films. Paula kann ihren Mustafa einfach nicht finden. Kurz entschlossen glaubt sie an ein Wunder, stapft durch ein Maisfeld und findet ihn dort, mitten in der Pampa. Der Wille kann Berge versetzen – und erstaunliche Filme hervorbringen. Paulas Fazit am Ende des Films: „Also manchmal glaube ich, es ist so, dass wenn man den Richtigen sucht, findet man aber oft den Falschen. Und das merkt man aber erst, wenn man glaubt den Richtigen gefunden zu haben“. Wenn unsere unbekümmerte Heldin damit mal nicht Recht hat.
(Bundesstart: 12.8.2004)

zuerst erschienen in choices 8/04

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