The Sound of Kulturamt-Förderung

Mit dem Referat für Popularmusik und dem bundesweit einzigartigen Projekt Music Export Cologne werden Kölner Musiker systematisch gefördert. Probleme mit der Stadt gibt es trotzdem hin und wieder.

In der Kölner Kulturpolitik ging es im vergangenen Jahr hoch her. Eine Hiobsbotschaft jagte die nächste, jede zweite Entscheidung wurde wieder revidiert: ein Chaos voller politischer Peinlichkeiten. Seit dem Frühling 2003 klafft das sogenannte ‚Kulturloch’ repräsentativ für die fehlgeleitete Kulturpolitik gut sichtbar inmitten der Kölner Innenstadt. Dort sollte eigentlich ein Museumskomplex entstehen, aber durch die Misswirtschaft der städtischen Kulturpolitik musste das Projekt eingefroren werden. Auf Musik-Ebene hatten die Verantwortlichen nicht minder haarsträubende Aktionen zu bieten: Ebenfalls im Frühling 2003 wurde eine Streichung des Referats für Popularmusik vorgeschlagen. Daraufhin schlug der Stadt eine Welle der Empörung entgegen: Musiker, Veranstalter und die Presse formulierten ihr Entsetzen angesichts der drohenden Streichung einer Institution des Kulturamts, die in der letzten Dekade nachweißlich viel für die Musikszene und damit auch die Stadt geleistet hat. Als dann im Sommer die Nachricht vom Weggang der Popkomm (die hatte Anfang der 90er Jahre das Referat für Popkultur – damals noch Rockbüro, von Düsseldorf nach Köln geholt) kam, trat man den Rückzug an: im Jahr der Bekanntmachung der Bewerbung Kölns zur Kulturhauptstadt 2010 konnte man sich einen derartigen Wegbruch einer ganzen Kulturschiene dann doch nicht leisten.

Wenn man sich die Geschichte des Referats für Popularkultur genauer ansieht, ist es kaum verständlich, dass man überhaupt an eine Streichung gedacht hat. Seit 1989 fördert Manfred Post Musiker und Veranstaltungen – von der Organisation von Proberäumen über die Vermittlung von Auftrittsmöglichkeiten bis zur Produktion von Kölner CD-Samplern („The Sound of Cologne“; „Underground Explosion“) – die Köln tatsächlich weltweit einen guten Ruf als Musikstadt eingebracht hat. Das ist vor allem im Bereich der elektronischen Musik zu spüren. Hört man sich bei den dienstältesten Protagonisten der Kölner Elektronik-Szene um, dann ergibt sich ein klares Bild der Arbeit des Referats für Populärkultur.

Zwar gibt es mit dem Kompakt-Umfeld eine ganze ‚Familie’, die sehr betont, ohne städtische Subventionen ganz autark zu wirtschaften – wie Wolfgang Voigt im Gespräch mitteilt. Und auch einem populären Produzenten wie Jörg Burger aka The Modernist fällt, auf Kooperationen angesprochen, nicht viel ein (obwohl natürlich indirekt Verbindungen bestehen, wenn The Modernist z.B. beim „Electrobunker“ auftritt, der ja vom Kulturamt gefördert wird). Doch weitere Gespräche zeigen, dass dies Ausnahmen sind. So findet Matthias Schaffhäuser, Technoproduzent und Betreiber des Labels ‚Ware’, nur gute Worte für die Zusammenarbeit mit Manfred Post:
„Es gab in den letzten Jahren etliche Kooperationen mit dem Kulturamt der Stadt Köln, genauer gesagt mit dem Referat für Popularmusik und dessen Leiter Manfred Post. Es ging dabei von der Unterstützung von Party-Projekten oder Auslandsreisen wie z.B. zur Sonar-Messe bis hin zu der Zusammenarbeit in Sachen CD-Compilation „Sound Of Cologne“, die Bernhard Lösener von The Kitbuilder und ich zusammen gestellt haben. Also eine Kooperation in beide Richtungen, die immer sehr positiv, angenehm und fair verlaufen ist. Das Engagement von Herrn Post kann dabei gar nicht hoch genug gelobt werden, da er immer in erster Linie die Musik im Auge hat bei seinen Aktionen und ein nicht-abgesprochenes Ausnützen gemeinsamer Aktivitäten nie stattgefunden hat!“
Alex Paulick von dem in Köln lebenden, exil-britischen Elektronik-Pop-Duo Coloma kann ebenfalls auf eine lange und erfolgreiche Zusammenarbeit zurückblicken. „Dadurch, dass es ganze Konzertreihen organisiert oder
Proberäume vermittelt, hat das Amt vielen Musikern ein Forum geschaffen.
In den letzten 8 Jahren haben wir selbst auf verschiedenen Events gespielt, die vom
Kulturamt mit unterstützt worden sind. Das war vor allem in unserer
Anfangszeit ziemlich hilfreich.“ Doch gibt es von städtischer Seite zuweilen auch Gegenwind zu spüren: „Das Ordnungsamt übernimmt dagegen oft die Rolle die Spielverderbers. Ich will zwar auch Ordnung, ¬nur bloß nicht zu viel davon! Als wir vor Jahren nach Köln kamen, war Straßenmusik unsere erste Einkommensquelle. Das Ordnungsamt hat damals nicht nur einmal versucht, uns außer Gefecht zu setzen.“

Probleme mit dem Ordnungsamt kennt man natürlich auch und vor allem im Zusammenhang mit Parties. Hans Nieswandt, DJ und ehemaliges Mitglied der Formation „Whirlpool Prod.“: „In gewisser Weise (gibt es solche Probleme) natürlich ständig, weil Köln eben so klein, eng und eingefahren ist, was die Austragungsorte des Nachtlebens angeht… Köln ist einfach vergleichsweise recht arm an Freiräumen.“ Neben dem rühmlichen Engagement von Manfred Post kann man in Köln also durchaus auch von anderen Erfahrungen berichten. Nieswandt: „Mir ist im Lauf der Jahre einfach immer wieder eine gewisse Widersprüchlichkeit aufgefallen: einerseits schmückt sich Köln ja nun wirklich gerne mit dem Attribut, eine elektronische Hauptstadt zu sein, in der schon zu Zeiten der Römer mit antiken Analogsequenzern gefrickelt wurde, dann kam Stockhausen, dann Can und dann direkt schon Mike Ink. und Jörg Burger oder so. Andererseits spiegelt sich das nicht in einem nennenswerten Nachtleben. Ich kenne sehr viele Kölnbesucher, die enttäuscht sind und den weithallenden Ruf der Stadt nicht mit dem in Übereinkunft bringen können, was sie dann tatsächlich dort erleben. Köln ist eigentlich eher eine tagsüber-Stadt. Und das Zusammenspiel von Kulturamt und Ordnungsamt erinnert in dem Zusammenhang an Konstellationen wie Umwelt- oder Gesundheitsministerium versus Finanzminister.“

Doch trotz der Interventionen des Ordnungsamtes und der meist haarsträubenden Kulturpolitik der Regierenden zeigt sich ein überwiegend positives Bild. Dr. W von Air Liquide, der mit dem Club Camouflage auch Clubbetreiber und Partyveranstalter ist, ist rundum zufrieden: „Mit fast allen Veranstaltungen arbeiten wir sehr eng mit dem Referat für Popularmusik, zusammen. Wir veranstalten ja auch gemeinsam das Kölner Elektronik-Festival „Battery Park“, welches in diesem Jahr zum siebten mal stattfinden wird. Ich kenne kaum ein anderes Kulturamt einer anderen deutschen Stadt, dass sich so für die elektronische Musikkultur in der Heimatstadt einsetzt! Das Kulturamt ist auch äußerst engagiert in der Planung und Realisation des Zentrums für elektronische Musik, Köln, ein Projekt, das in absehbarer Zeit für großes Aufsehen sorgen wird.

Doch zuvor wird mit dem Festival „c/o pop“ noch an einem Ersatz für die Popkomm gebastelt. Seit knapp einem Jahr steht mit dem Projekt „Music Export Cologne“ (MEC) dem Referat für Popularmusik ein geeignetes Instrument für derartige Projekte mit internationalem Wirkungsradius zur Verfügung. Das Festival mit Schwerpunkt auf elektronischer Musik, dass sich an das Sonar-Festival in Barcelona anlehnt und erstmals vom 6. bis zum 22. August 2004 stattfinden soll, wurde von MEC mitinitiiert. Und damit dürften alle zufrieden sein – da kann nicht einmal das Ordnungsamt die Stimmung trüben!

(unveröffentlicht)

Joel Andreas: Süchtig nach Krieg. Warum die USA nicht aufhören können, Krieg zu führen.

Es mutet an wie die Comic-Version eines Films von Michael Moore: Joel Andreas Sachcomic „Süchtig nach Krieg“ ist eine profunde Sammlung an Zahlen und Fakten zum US-amerikanischen Imperialismus seit der Gründung der Staatenunion, die an ironischen Spitzen nicht spart. Doch wo man einem Film wie „Super Size Me“ durchaus das Michael Moore Syndrom unterstellen kann, muss man bei Andreas Sachcomic vom Vorwurf des Epigonentums Abstand nehmen, da der Band bereits 1992 erstmals anlässlich des ersten Irak-Krieges erschienen ist. Zehn Jahre später wurde das Album anlässlich des Afghanistan-Krieges aktualisiert. Nach dem zweiten Irakkrieg fügte Andreas im Frühling 2004 nochmals eine Ergänzung hinzu. Auf dieser letzten Fassung basiert die erste deutsche Übersetzung.
„Süchtig nach Krieg“ ist weniger als ästhetisches Kunstwerk von Interesse, denn es handelt sich hier überwiegend um bebilderte Texte, die allerdings in Panels gegliedert sind. Die Zeichnungen sind schlicht und erinnern an Cartoons in Schulbüchern. Damit ist der didaktische Anspruch offensichtlich und das Album steht deutlich mehr in der Tradition von illustrierten Büchern oder politischen Cartoons denn von neuzeitlicher Comic-Kunst. Man will wohl über diese leicht zu konsumierende Form eine große Zahl an Lesern, vor allem Schülern erreichen – ein durchaus akzeptables Ziel.

Die Fülle an Informationen ist dennoch erschlagend: Andreas liefert zu Beginn einen fundierten Abriss der kolonialistischen Bestrebungen der USA bis in die heutige Zeit, bevor er in einzelnen Kapiteln die Verwicklungen von Politik, Militär, Wirtschaft und Medien beschreibt und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Sozialpolitik der USA. Damit macht er schnell klar, weshalb der Untertitel „Warum die USA nicht aufhören können, Krieg zu führen“ lauten muss. Nicht können statt nicht wollen! Denn die beschriebenen Strukturen lassen längst keine freie Entscheidung mehr zu: zwischen eigenem Selbstbild und kapitalistischer Notwendigkeit könnte auch ein moderater Präsident nur in Nuancen anders handeln. Das ist keine schöne Erkenntnis, zeigt aber klar und schonungslos die strukturellen Zusammenhänge der US-Politik. Vorwürfe bzgl. eines etwas einseitigen Anti-Amerikanismus bedient der Comic sicherlich. Der Verlag Zweitausendeins ist ja bekannt dafür und die Gefahr, schnell auch beim Anti-Zionismus zu landen ist groß – es ist kein Zufall, dass gerade Zweitausendeins auch Joe Saccos großartige Comic-Reportage „Palästina“ veröffentlicht hat. Nichts desto Trotz sind dies Wahrheiten, die benannt werden sollten. Die Gefahr, sich dabei auch falsche Freunde zu machen, gibt es immer. Die das fürchten, können dem ja Comics über palästinensische Terrorakte oder die Deutsche Machtpolitik entgegensetzen. Die eigene Meinung muss man sich immer aus verschiedenen Quellen zusammenbasteln.
(Zweitausendeins. 76 Seiten, S/W, Softcover, 7,50Euro)

Zuerst erschienen in Strapazin Nr. 77, 04/04

„Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner (Review & Interview)

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„Die fetten Jahre sind vorbei“ oder „Sie haben zu viel Geld“ lauten die Botschaften, die die beiden linken Aktivisten Jan und Peter bei ihren nächtlichen Streifzügen durch Villen hinterlassen. Geklaut wird jedoch nichts, sie stellen nur die Einrichtung auf den Kopf. Als Jan bei einem Streifzug mit Peters Freundin Jule auf den Besitzer trifft, gerät ihre Aktion außer Kontrolle. Zu dritt entführen sie ihn…

„„Die fetten Jahre sind vorbei“ von Hans Weingartner (Review & Interview)“ weiterlesen