Max Andersson & Lars Sjunnesson: Bosnian Flat Dog

Das Cover macht schon mal deutlich: es ist kein gewöhnlicher Comic, den uns die beiden schwedischen Comiczeichner Max Andersson und Lars Sjunnesson hier auftischen: ein grobpixeliges Foto eines verwesten Kopfes mit einem Augapfel und Militärmütze lädt den Leser auf eine surrealistische Reise ins Bosnien der Kriegswirren ein. Andersson und Sjunnesson werden auf einem Comic-Kongress von einem alten slowenischen Studienkollegen kontaktiert, der ihnen seine brisanten Kriegstagebücher zum Verkauf anbietet. Im Folgenden irren unsere Helden durch das zerbröselte ehemalige Jugoslawien und begegnen der verwesten Leiche Titos, unterirdischen Eisfabriken, militanten Srebrenicafrauen, Tito-Zombies und den titelgebenden, mutierten Hunden.

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Wer sich da an Chester Browns ersten großen Comic-Roman, „Ed the happy Clown“, erinnert fühlt, liegt nicht falsch: auch die Geschichte um die beiden schwedischen Zeichner im ehemaligen Jugoslawien ist voller absurder Wendungen, oft von solider Geschmacklosigkeit und hangelt sich alptraumhaft von einem wilden Szenario in das nächste, noch wildere. Politische Zusammenhänge werden hier bewusst fahrlässig in eine stürmische Odyssee überführt, die den tatsächlichen Alptraum und die Logik des Krieges sicherlich adäquater Umsetzen als es eine ‚realistische’ Darstellung könnte, die einen objektiven, verstehenden Standpunkt behauptet, wo es keinen gibt.

Andersson und Sjunnesson fungieren gleichermaßen als Autoren und Zeichner und verlassen dabei die herkömmliche Arbeitsaufteilung so sehr, „dass sie selber nicht mehr wissen, wer was gemacht hat“, wie der Klappentext verrät. Das führt zu sprunghaften Orts- und Ereigniswechseln und wohl auch zu den extrem vielteiligen und durch viele Schraffuren extrem düsteren Zeichnungen. Eine visuelle Unübersichtlichkeit, mit der die nicht minder verwirrenden Geschehnisse treffend dargestellt werden.

Der Band mit der vierteiligen Geschichte „Bosnien Flat Dog“, einem One-Pager, der die Autoren direkt zu Wort kommen lässt und einem nicht minder absurden, aber auch scharfsichtigen Glossar wird ergänzt durch die Kurzgeschichten „Onkel Skledar – Der Kotzfilm“ und „Traktor-Girl und das Haustier“. Eine Geschichte, die den großen Humanismus hinter all der Perversion der beiden Schweden durchscheinen lässt.
(Reprodukt, 86 Seiten; S/W, Softcover, 17 Euro)

Zuerst erschienen in Strapazin # 78, 03/05