Johnny Cash: At Folsom Prison / At San Quentin

Das ist nicht nur ein Versuch, über den Johnny Cash Film “Walk the Line” noch einmal ein bisschen mit zu verdienen ( das auch, klar!), sondern eine sinnvolle Zusammenfassung der beiden Knast-Konzerte, die Cash 1968 und 1969 aufnahm, und die für ihn nach Jahren des gemäßigten Erfolgs wieder Aufwind brachten.

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Neben unzähligen seiner Hits wie I walk the Line, Ring of Fire, San Quentin, Folsom Prisom Blues, I got stripes, Wreck of the old 97) ist vor allem die Kommunikation mit seinem Publikum (und den ihn nervenden Fernsehteams) spannend. Und sorgte dafür, dass die Fernsehausstrahlung wegen seiner Gesellschaftskritik damals gecancelt wurde (beide CDs natürlich in den inzwischen erschienenen kompletten Versionen der Konzerte).
(Sony BMG, VÖ: 06)

Next Life: Electric Violence

Cock Rock Disco von Jason Forrest ist zur Zeit eh eines der besten Labels, Next Life ist aber auch unter den bislang dort erschienenen acht CDs etwas besonderes: das norwegische Duo serviert auf „Electric Violence“ eine umwerfende Mischung aus Speed-Metal, Breakcore und Art-Rock, die höchstens noch an John Zorn denken lässt.

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Der Metal äußert sich mittels brutal Schneller Double-Bassdrum (elektronisch) und Metal-Chords auf der Gitarre. Der Breakcore kommt ebenfalls über die Beats, die gerne gebrochen und abgehackt durch die Stücke irren, und der Art-Rock mischt sich über minimalistische Synthesizer-Parts, dissonante Kompliziertheiten und pathetisches Aufbäumen ein und erinnert an die so genannte Canterbury-Szene um Henry Cow, Art Bears oder auch King Crimson. Dass zwischendurch auch Kreischen und andere Formen außergewöhnlicher verbaler Äußerungen einen Platz finden, macht diese unglaubliche Veröffentlichung noch einen Tick… unglaublicher. Grandios und wirklich Mindblasting.
(Cock Rock Disco / Cargo, VÖ: 20.2.2006)

So kann man’s aber auch sehen! Armer Kerl …

Made in Sheffield – The Birth of Electronic Pop (DVD)

Die elektronische New Wave-Musik in der nordenglischen Industriestadt Sheffield stand immer im Zeichen der Stahlwerke. Dass von dort die frühen Soundcollagen von Cabaret Voltaire oder die Tanzmusik von Human League („Being Boiled“) mit ihren Industriesounds kommt, kann nicht verwundern.

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Der Film von Eve Wood beleuchtet das Entstehen der Szene aus der urbanen Umwelt und dem Interesse an Kraftwerk, zunächst durch die Sheffield-Pioniere Cabaret Voltaire, die schon seit 1974 experimentierten, dann durch die Protagonisten der aufkommenden Punkbewegung, die neuer Musik erst einen Raum bot. Interviews und Live-Material von Human League, Cabaret Voltaire, Heaven 17, ABC, Artery, der nordenglische Akzent ist allerdings eine Herausforderung bei der nicht untertitelten DVD.
(Plexifilm, VÖ: 02/06).

Miles Davis: The Cellar Door Sessions 1970

Neu entdeckte Aufnahmen einer Jazz Legende

Während der Free Jazz nach einem Jahrzehnt langsam zur Ruhe kam, schrieb Miles Davis mit seiner Annäherung an die Rockmusik Geschichte: 1970 erschien der elektrifizierte Meilenstein „Bitches Brew“, kurz darauf trat er vor 600.000 Rockfans beim Isle of Wight Festival auf.

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Zum Ende des Jahres ist er zwar wieder in einem kleinen Jazz Club angelangt, die Musik ist aber nach wie vor weit von den Jazzstandards entfernt: Zusammen mit Keith Jarrett, Jack DeJohnette, Gary Bartz, Michael Henderson und Airto Moreira und stellenweise John McLaughlin, also wieder einer fast komplett neuen Besetzung mit fast komplett neuen Stücken nach „Bitches Brew“, spielt er an vier Tagen in dem kleinen Club in Washington. Vom Rock- und Funk-Groove getragen und weit entfernt von späterem Fusion-Gedaddel, improvisieren die Musiker auf einzigartig lockere Art. Die Box mit sechs CDs kommt in edler Verpackung und einem 96Seitigen Booklet mit aktuellen Texten der Bandmitglieder. Die bislang unveröffentlichten Aufnahmen klingen mindestens genauso gut, wie diese opulente Veröffentlichung aussieht.
(Sony BMG, VÖ: 3.2.06)

Klaus Sander/ Jan St. Werner : Vorgemischte Welt

Die Kölner Jan St. Werner (Mouse on Mars) und Klaus Sander (Supposé Audioverlag) unterhalten sich in „Vorgemischte Welt“ (Suhrkamp, 230 S., 12 €) über das Musik machen mit Maschinen. Dabei gehen sie von einem klaren Schöpfer- und Kunstideal aus, das genuin Neues hervorbringt.

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Im Dialog reflektieren sie die Möglichkeiten der Kreativität in Zeiten vorprogrammierter Musikapparaturen und laden immer wieder Gäste in ihren Diskurs ein: Klaus Theleweit, Oswald Wiener, F.X. Randomiz oder Dietmar Dath. Viel Richtiges wird da gesagt über Input, Output, technische Hintergründe, das Pop- und das Kunstsystem, auch wenn der aufgeklärt bildungsbürgerliche Ansatz und Anspruch – bei aller Freundschaft der beiden Autoren zum Experiment – zuweilen etwas antiquiert wirkt in dieser Welt. Aber auch das wird reflektiert.
(Suhrkamp, 230 Seiten plus CD mit Hörbeispielen, 12 Euro)

Nick Cave and the Bad Seeds: The Road to God knows where / Live at the Paradiso (DVD)

Hier werden zwei VHS-Veröffentlichungen auf DVD zusammengefasst. Uli M. Schueppels Konzertfilm „The Road to God knows where“ begleitet die Band Anfang ’89 auf ihrer US-Tour.

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Impressionen vom Backstage-Bereich, von Hotelaufenthalten, Busfahrten, Interviews und Fototerminen zeigen einen reservierten, manchmal vom Rummel auch deutlich genervten Cave. Die zweite DVD enthält ein Konzert „Live at the Paradiso“ von 1992. Die Qualität hält sich in Grenzen und der Film ist ein wenig überambitioniert geschnitten, dank der tollen Setliste (u.a. Mercy Seat, Tupelo, From her to Eternity) ist’s aber trotzdem ein Vergnügen. Bonus: Der Kurzfilm „The Song“ zeigt die Band im Studio, „City of Refuge“ sind weitere Tourimpressionen.
(Mute)

V/A: Go Commando with James F!@#$%´` Friedman

Der aktuelle Rockhype hat auch dazu geführt, dass wieder massiv zu Rockmusik getanzt wird. Unter anderem, weil man sich in Erinnerung an den Punk-Funk der frühen 80er Jahre dessen Mittel bedient, perkussive Elemente in den Vordergrund zu rücken.

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Dahin geht auch der Mix von James F!Q#$%´` Friedman, der Dance-Remixe von Rockbands wie Bloc Party, WhoMadeWho oder Tom Vek neben Punk-Funk von Out Hud und ausgewiesener elektronischer Tanzmusik von Tiefschwarz, DJ T oder Freeform Five stellt. Der Herr, dessen Namen ich so ungerne Tippe, kann sein hohes Energieniveau tatsächlich über 70 Minuten durchhalten.
(Defend Music / Groove Attack, VÖ: 27.1.2006)

Bauhaus: Shadow of light / Archive (DVD)

Die britische Band Bauhaus könnte man zur dritten Generation der New Wave zählen. Diejenige Generation, die eigentlich erst Alben veröffentlichte, als die Welle schon abflaute. So waren sie denn auch signifikant für den Übergang zum Post-Punk und machten Wave-Rock mit Glam-Anleihen und düster-elegischen Momenten.

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Dass sie in Sachen Style und Theatralik auch ‚Mitschuld’ an Gothic u.ä. sind, zeigt die DVD, die zwei VHS-Veröffentlichungen der 80er Jahre zusammenfasst: „Shadow of Light“ mischt die Videos der Band mit einem Auftritt von 1982, „Archive“ ist ein Film von Christopher Collins mit einer etwas ungelenken Rahmenhandlung. Das historische Material ist trotzdem nicht nur für absolute Fans spannend – und die Musik klingt beim Wiederhören überraschend frisch.
(Beggars Banquet)

The Considerate Builders Scheme: Exit to Riverside

Die Musik des Südafrikaners Justin de Nobrega kann auch Leuten gefallen, die eigentlich nichts für die üblichen, aus Funk und Fernsehen üblichen HipHop-Posen übrig haben. Denn The Considerate Builders Scheme steht für Beats ohne Rhymes.

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Die Beats hingegen sind unglaublich fett (da muss man dieses abgenutzte Wort wirklich mal verwenden) und werden von kleinen Melodien umspielt, die etwas ungelenk dazwischen umher stolpern und sich nur mit aller größter Mühe wacker auf den Beinen bzw. im Takt halten. „Exit to Riveside“ offenbart eine Musik, die mit ihrer brüchigen, manchmal naiv-kindlichen Schönheit wesentlich mehr mit ähnlich gelagerten Projekten wie Funkstörung oder Prefuse 73 als mit einem 50 Cent gemein haben und mit ihrer holprigen Sexyness trotzdem stets zum Körperwackeln einladen. Tolle Platte.
(Combination / Alive, VÖ: 27.1.2006)

Pictoplasma: Characters in Motion

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 Bewegte Kreaturen

Character Design bezeichnet die Gestaltung der Grundzüge einer Figur, die durch beispielhafte Ansichten und Bewegungsmomente in ihrer spezifischen Form wieder erkennbar bleibt. Vor allem im Bereich des Animationsfilms sind durch diese gestalterischen Vorlagen die Grundlagen für eine industrielle Arbeitsweise gegeben, ob in großen Zeichenstudios für Comics oder Filme oder in der Werbung.   „Pictoplasma: Characters in Motion“ weiterlesen

V/A: Future Folk

Ein selten blöder Titel. Es gab ja Anfang der 90er Jahre, zu Beginn der elektronischen Revolution, ständig Compilations, die Future Sound of Irgendwas hießen.

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Das hat, auch wenn logisch betrachtet unsinnig (gibt’s ja schon zu kaufen, ist also Gegenwart, nicht Zukunft), popistisch gedacht seine Berechtigung, will es doch eine Aufbruchstimmung formulieren und das eigene ‚vorne sein’ arrogant postulieren. Aber passt das zu Folk? Gibt es Avantgarde-Folk, oder ist das nicht ein Widerspruch in sich? Egal: tolle Zusammenstellung, die zarte, oft akustisch dominierte, mal auch elektronisch unterwanderte Musik von Colleen, Animal Collective, Ryuichi Sakamoto, Ana Da Silva (Raincoats) Psapp, den etwas überschätzten März oder The Books versammelt. Alles sehr zart und, obwohl eigenwillig, bestimmt auch allgemeinverständlich, also für’s Folk.
(Stereo Deluxe / Edel, VÖ: 24.2.2006)

Hype – The Movie (DVD)

Doug Pray zeigt mit seinem Dokumentarfilm, wie aus der lokalen Musikszene der abseitig gelegenen Großstadt Seattle das weltweite Phänomen des Grunge entstehen konnte.

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Von Mitte der 80er Jahre, als Bands wie The Melvins, Green River, Soundgarden u.a. anfingen, Punk bzw. Hardcore mit Metal und 70er-Jahre Rock zu verbinden über die Explosion durch den Erfolg von Nirvana und im folgenden Pearl Jam u.a. bis zum Tod von Kurt Cobain und dem kommerziellen Ausverkauf. Viele Interviews, Konzertausschnitte und ironische Kommentare machen den Film zu einem großen, lehrreichen Vergnügen.
(Attraction Movies, VÖ: 3.1.05)