Archive for Mai, 2006
Mai 29, 2006 at 21:10 · Filed under Musik
Mit fünf weiteren CD-Veröffentlichungen ist die Reissue-Reihe der Kölner Band abgeschlossen
Die nicht nur in Köln, sondern weltweit legendäre Band Can hat zwischen 1968 und 1974 fünf großartige Alben und zwei Compilations veröffentlicht. Mit dem dritten Schwung der Remastered-Veröffentlichungen sind mit „Flow Motion“ (’76), „Saw Delight“ (’77), „Can“ (’79) und „Rite Time“ (’89) die letzten vier Alben der Band an die Reihe.

Ganz klar kommen die Platten nicht an die früheren Meisterwerke heran. Doch ist es nicht nur interessant, wie Can zeitgenössische Entwicklungen wie Reggae, Disco und elektronische Popmusik in ihre Musik einflochten, sondern die eigentümlichen Soundlandschaften der Band sind auch hier immer noch faszinierend. Als kleine Perle erscheint außerdem das erst 1981 erschienene Album „Delay“ mit Material, das ursprünglich für das erste Can-Album geplant war. Und das ist wahrlich – ohne wenn und aber – ein großartiges Meisterwerk (Spoon/ 23.6.06).
zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 06/06
Mai 29, 2006 at 00:12 · Filed under Film
Alleine der Titel könnte schon vom Künstler selbst stammen. Martin Kippenberger hatte durchaus etwas übrig für billigen Humor und tief fliegende Witze – mit dem Filmtitel an eine Ebene anzudocken, die man vielleicht bei „Otto – Der Film“ erwartet, passt durchaus ins Programm des Künstlers. „Krieg böse“ lautet der Titel eines Bildes aus dem Jahre 1983, 1990 kalauert er schmerzhaft: „Was ist der Unterschied zwischen Casanova und Jesus: Der Gesichtsausdruck beim Nageln“. Gerne also auch geschmacklos, oft um die Ecke, beißend sozialkritisch. Das wilde Leben dazu führte er Atemlos. „Dieses Leben kann nicht die Ausrede für das nächste sein“. So gab er in diesem alles, bis er 1997 nichts mehr geben konnte und am Raubbau seines Körpers zugrunde ging.

Der Film von Jörg Kobel versucht an Hand einiger Kommentare von Freunden und Bewunderern ein Bild von Kippenbergers Leben zu erstellen. Interviews mit seiner Galeristin Gisela Capitain, dem Direktor des Museum Ludwig, Kasper König (an Weiberfastnacht in Köln im Sträflingskostüm interviewt – das hätte auch Kippenberger gefallen), dem Popkulturkritiker Diedrich Diederichsen oder dem Kippenberger-Fan Christoph Schlingensief neben seiner letzten Lebensgefährtin, seinem besten Freund oder seinen beiden Schwestern lassen einen zwar wilden, provokanten und bissigen Menschen erkennen, ebenso aber auch eine sensible und empfindsame Person, die sicherlich besser austeilen konnte, als sie fähig war, Kritik einzustecken.
Die Interview-Beiträge sind nicht immer auf den Punkt gebracht, scheinen oft spontan, ohne große Vorbereitung entstanden zu sein. Das entspricht einerseits vielleicht der hastigen Produktivität Kippenbergers, lässt aber hier und da auch etwas Stringenz vermissen. Die Bedeutung für die Kunstwelt, dieselbe vor allem aus ihrer betulichen Selbstbezogenheit zu zerren, schimmert – vor allem durch Diederichsens ‚Kompaktseminar’ – trotzdem durch.
(Bundesstart: 15.6.2006)
Zuerst erschienen in Filmstart 06/06
Mai 17, 2006 at 21:17 · Filed under Musik

Herbert verbreitet politisch-korrekt gute Laune
„Ehrlich gesagt bin ich von mir selbst etwas angepisst. Ich wollte eine fröhliche Pop-Platte machen, aber ich habe es nicht getan. Das geht einfach nicht, wenn Dick Cheney an der Macht ist.“ Der US-Amerikanische Vize-Präsident hätte es fast geschafft, aber irgendwie ist es dann doch die fröhliche Pop-Platte geworden. Mitgeholfen haben ein Kammerorchester und diverse Hörner, einige Vokalisten, darunter wie immer Matthew Herberts Lebensgefährtin Dani Siciliano, aber auch ein Anrufbeantworter, Meteoriten, Benzinpumpen und ein Tornado-Bomber.
Letztere sind signifikant dafür, dass Herbert nicht nur erneut das Sampling fremder Musik ablehnt und alle Sounds entweder spielt bzw. spielen lässt, oder aber Umweltgeräusche sampelt. Sie verweisen auch auf den hinter dem Klang lauernden Subtext dieser Platte, die abermals von einem Grundthema beherrscht wird. War es bei dem etwas schwerverdaulichen Vorgänger „Plat du Jour“ das Thema Nahrungsmittel, so ist diesmal das Öl an der Reihe. Beides politisch aufgeladene Themen, an Hand derer man Fragen zu Globalisierung und Verteilungskämpfen stellen kann.
Musikalisch lässt Matthew Herbert auf „Scale“ einige seiner Projektabteilungen näher zusammenrücken. Sein ‚Pseudonym’ Herbert stand immer für House, und den findet man alleine schon in den Beats. Aber auch Jazz- und Big Band-Elemente, wie man sie von Matthew Herberts Big Band kennt, finden Einlass in die Musik. Und nicht zuletzt die rhythmischen Finessen von frühen Projekten wie Radio Boy und Wishmountain sorgen für Spannungsreiche Momente. Die Annäherung an Popmusik ist auf „Scale“ jedoch in seiner bislang deutlichsten Form vollzogen, ohne dass man Herbert damit Radiokompatibilität vorwerfen müsste. Auf besseren Sendern würden allerdings sowohl die balladeskeren Momente als auch die Housetracks ihren Platz finden. Denn kopfgebürtig oder grüblerisch klingt die Musik bei allem gedanklichen Unterbau keineswegs. Ehrlich gesagt, sind wir von der neuen Platte von Matthew Herbert mal wieder alles andere als angepisst.
(Accidential / !K7, VÖ: 26.5.06)
zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 06/06
Mai 11, 2006 at 21:35 · Filed under Musik

Jan St. Werner kennt man vor allem von Mouse on Mars. Neben seinem Projekt Microstoria (zusammen mit Markus Popp von Oval) veröffentlicht er außerdem solo als Lithops. „Queries“ versammelt bislang unveröffentlichtes Material aus den Jahren 1995 bis 1999 und drei vergriffene Vinyl-Veröffentlichungen aus dieser Zeit. Die kleinteiligen Stücke sind mal frei und ohne Beat organisiert, mal rhythmisch sehr komplex strukturiert und auch mal richtiggehend ravig. Und Humor kann man diesen Queries bei aller Sperrigkeit sicherlich auch nicht absprechen.
(Sonig / Rough Trade, VÖ: 2.6.06)
zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 06/06
Mai 1, 2006 at 21:39 · Filed under Musik
Sicherlich war der legendäre Auftritt von The Who in der Smothers Brothers TV-Show mit „My Generation“ eine Inspiration für die Punkbewegung.

Nicht nur Pete Townshends musikalische Gitarrenattacken waren beeindruckend, auch die Tatsache, dass die raue Mod-Band ihre Instrumente stilsicher zerlegte, war imposant. Die DVD verfolgt die Band von der Frühzeit um 1964 bis 1968, kurz bevor sie mit einer Rockoper wie „Tommy“ überkandidelt wurden. Archivmaterial und Kommentare von Zeitzeugen und Musikkritikern komplettieren das Bild.
(Chrome Dreams)
Mai 1, 2006 at 21:14 · Filed under Musik

Captain Beefheart und seine Magic Band waren eines jener seltenen musikalischen Ereignisse in der Geschichte der Popmusik, das zwar in seinen Einzelteilen auf Vorheriges zurückzuführen ist, in seiner Gesamtheit aber absolut einzigartig war: Beefhearts unnachahmliche Blues-Stimme, der hohe Abstraktionsgrad ihrer freien, von improvisierter Musik beeinflussten Rockmusik, aber auch Beefhearts Ego-Trips sind das Thema dieser gelungenen Doku, die auch Beefhearts künstlerische Tiefpunkte in der Mitte der 70er Jahre nicht verschweigt. Wie alle DVDs der Reihe erscheint auch diese nur in englischer Sprache.
(Sexy Intellectual)
Mai 1, 2006 at 18:05 · Filed under Film
Das übermächtige Hollywood-System der großen Studios ist dick und träge. Erfolgsrezepte werden hier gerne besonders lange tot geritten. Kein Wunder also, dass nun wieder kleineren Filmen, die Anderes wagen, mehr Erfolg zuteil wird.
lesen
Zuerst erschienen in Filmstart 04/06