Maggy ist gerade mal 18 Jahre alt und bereits Mutter der kleinen Lucy. Zusammen wohnen sie bei Maggys ebenfalls noch junger Mutter. Als Maggy Gordon kennen lernt, ziehen sie zusammen. Aber der Alltag holt sie schnell ein. „„Lucy“ von Henner Winkler“ weiterlesen
Niobe: White Hats
Mit Niobes Platten weht immer ein Hauch Nostalgie ins Haus. Allerdings sind ihre Platten frei von allen problematischen Aspekten der Nostalgie. Yvonne Cornelius, wie sich die Künstlerin im richtigen Leben nennt, will nicht eine alte, vermeintlich bessere Zeit heraufbeschwören, indem sie historisches nachstellt. Ihren Stücken haftet stattdessen immer etwas Zerrissenes an.

So wie auf dem Cover durch eine Collage mit ausgerissenen Motiven eine ungewöhnliche Spannung entsteht, so entsteht unter ähnlichen Bedingungen ein ganz eigentümliches changieren zwischen gestern und heute in ihren Songs. Verstaubte Platten von alten (Blues)-Sängerinnen sind das Gestern, elektronische Produktionsweisen und dekonstruktive Momente sind das Heute. „White Hats“, mit zahlreichen Gästen wie Wechsel Garland, liefert eine ungemein reiche Verbindung von beidem.
(Tomlab / Hausmusik, VÖ: 23.6.06)
zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 07/06
TV on the Radio: Return to Cookie Mountain
“Hoppla, jetzt kommen wir!” Soundwände türmt das inzwischen zum Quintett erweiterte Trio aus Brooklyn auf, dass einem fast hören und sehen vergeht. Aber hinhören sollte man auf jeden Fall, denn der Sound der Band, die gerne in einen Topf mit all den jungen Rock-Bands geschmissen wird, ist äußerst vielschichtig.

Ein wenig erinnert ihre Experimentierfreude an die Liars. Doch wo jene sich gerade zunehmend von der Rockmusik verabschieden, nähern sie TV on the Radio mit ihrem neuen Album den rockigen Sounds enthusiastisch an. Das klingt dann stellenweise tatsächlich nach unbefangenem Glam-Rock (ach ja: David Bowie ist hier als Gast zu hören). Und wenn man stutzt, dass man zwischendurch auch The Sisters of Mercy rauszuhören glaubt, dann passt auch das, war doch der Post-Punk von Bands wie Bauhaus, Virgin Prunes oder eben den Sisters of Mercy stark vom Glam Rock beeinflusst.
(4 AD, VÖ: 30.6.06)
zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 07/06
The Nova Dream Sequence: Interpretations – A King Britt Project

King Britts Hommage an die Erfinder von Techno
Für so einen wie King Britt gibt es im Deutschen schöne Ausdrücke: Tausendsassa etwa, oder noch illustrativer: Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Die Gassen des King Britt reichen von der HipHop-Road über die House-Street zur Techno-Alley. Letzteres ist sein jüngstes, eher untypisches Operationsgebiet.
Der aus Philadelphia stammende DJ und Produzent steht eigentlich vor allem für einen Sound zwischen HipHop, House, Soul und Funk. Angefangen hat er in den frühen 90er Jahren, als er zusammen mit seinem Freund Josh Wink Platten veröffentlichte und 1993 als E-Culture mit „Tribal Confusion“ sogar einen weltweiten Hit hatte. Für die inzwischen legendäre, jazzige HipHop-Formation Digable Planets war er außerdem zwei Jahre lang als Live-DJ unterwegs. Zuletzt erschien vor drei Jahren sein viel gefeiertes HipHop-Album „Adventures in Lo-Fi“. Und nun also Techno.
„The Nova Dream Sequence (Interpretations)“ riecht ein wenig – wie so gerne bei King Britt – nach Konzeptalbum. Alleine die Titel machen das schon klar: Dream 1 bis 15 findet man hier. Aber keine Angst. Es ist kein Ambient-Trance-Walgesänge-Trip, auf dem Britt hier wandelt. Vielmehr regiert ein knackiger 4/4-Beat, und auch die an- und abschellenden Sounds haben einige Kanten aufzuweisen. „Dream“ heißen die Stücke, weil sie angeblich Vertonungen und Interpretationen von Britts Träumen sind. Und auch musikalisch weisen sie durch ihren wogenden Aufbau trotz aller Stringenz und Schärfe eine verträumte, warme Qualität auf. Musikalisch rekuriert King Britt, der neben seiner Liebe für Soul, Funk und HipHop auch eine lange gehegte Vorliebe für elektronische Musik – von Kraftwerk zu Techno – hat, eindeutig auf Detroit und den dort entstandenen, stoisch maschinellen Maschinensound und Black Music vereinenden Techno. Derrick May, erklärtermaßen ein großes Vorbild für den Mann aus Philadelphia, darf dann auch gleich die Platte auf dem Frontcover mit seinen lobenden Worten schmücken. Und der Münchner Michael Reinboth darf sich freuen, das Werk auf seinem Compost Label veröffentlichen zu dürfen.
(Compost, VÖ: 30.6.06)
zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 07/06
Four Tet: DJ Kicks
Querfeldein-Mixe sind zwar auch nicht mehr so einzigartig, aber oft genug unterhaltsamer als Label- oder Genre-Sampler, und in der Ausführung eines Kieran Hebden aka Four Tet tatsächlich etwas ganz besonderes.

Alleine die Mixtechnik ist jenseits des guten Handwerks, denn neben gemixten Übergängen finden sich hier häufig kleine eingespielte Synthie-Miniaturen von Hebden, dievon Individualismus (ganz zu schweigen von dem großartigen, exklusiv angefertigten Four Tet-Track „Pockets“) zeugen. Für die Auswahl gilt das sowieso: der großartige David Behrman leitet beinahe akademisch ein, während im Folgenden Cut-up-House, Free-Jazz, Soul, HipHop und vieles mehr sich die Hände reicht. Mit u.a. Curtis Mayfield, Akufen, Gong, Cabaret Voltaire, Autechre, Group Home, Animal Collective, So Solid Crew, Madvillain.
(!K7 / Rough Trade, VÖ: 23.6.06)
zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 06/06

