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Archive for Juli, 2006

Lambchop: Damaged

Gediegen kann man das schon nennen, was Lambchop seit Jahren im Bereich zwischen Indie-Rock und Nashville-Country betreiben. Fans hingegen beschwören, Sänger und Bandleader Kurt Wagner könnte sogar aus dem Telefonbuch herzzerreißend vorsingen.

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Der Titel des neuen Albums deutet darauf hin, dass vielleicht tatsächlich ein Herz zerrissen ist. Schlimme Rückschläge musste Wagner im letzten Jahr hinnehmen, doch außer dem Titel klingt nichts an „Damaged“ tragisch. Langsam wie eh und je nähern sie sich weiterhin den langsamsten ‚Americanan’ – den unvergessenen Souled American – an. Mit Klavier, Rührbesen, weich gefederten Saiteninstrumenten und der butterweichen Stimme von Wagner klingen sie sehr zart und, doch, auch sehr gediegen.
(City Slang, VÖ: 11.8.06)

zuerst erschienen in Kölner illustrierte 08/06

Kante: Die Tiere sind unruhig

Klassenbester? Kante geben sich als die Rowdies der Hamburger Schule

„Die Konkurrenz ist unruhig“. So wurde das vierte Album der Hamburger Band Kante unlängst angekündigt, und mit Konkurrenz waren natürlich die Freunde von Blumfeld und den Sternen gemeint. „Was der Altherrenriege fehlt, liefern Kante… den Biss“, wird da großmäulig verkündet. Schade eigentlich, waren die ausladenden Exkursionen zwischen Art-Rock à la Robert Wyatt oder der späten Talk Talk, die Jazzeinflüsse und sogar Afro-Beats in ihrer Musik doch immer sehr spannend. Hier wird also wieder gerockt. Wenn das der Fall ist, wie in „Die Wahrheit“ oder „Ich hab’s gesehen“, dann zeigen Kante den „zahnlosen Blumfelds und Sternen“, so der Werbetext weiter, wie sie selbst früher geklungen haben, und das nicht nur, weil Sänger Peter Thiessen mit seinem Tonfall so sehr den von Jochen Distelmeyer trifft. Aber schließlich war Thiessen selbst mal Mitglied bei Blumfeld, und so darf das nicht verwundern.

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Die Stärken des Albums liegen aber doch wieder in den vielen musikalischen Kunstgriffen und einer tiefen Emotionalität. Manchmal muss man Kante mögen, um das gut zu finden. Wenn Thiessen mit seiner weichen, ruhigen Stimme im wunderschönen Opener singt „Das Fieber steigt / Die Stadt vibriert / Meine Nerven pulsieren“, dann klingt das schon sehr absurd, denn von Unruhe ist da nichts zu hören. Aber schön ist’s. Musikalisch liefern sie trotz aller anders lautenden Ankündigungen getragene Arrangements, Orchestereinlagen und Jazz-Exkursionen. Aber auch sich langsam, aber stetig in den Himmel schraubende Gitarrenparts. Na, vielleicht liegen die Stärken dieses uneinheitlichen Albums vor allem darin, zwischen den kunstvollen Arrangements und dem ungestümem Rocken zu vermitteln. Erfrischend ist das Hin und Her auf jeden Fall. Und der Hinweis auf dem Cover „This record should be played loud“, der ist sowohl für die rockigen als auch für die orchestralen Momente des Albums sinnvoll. Wenn die Gitarrenwände dann anschwellen wie bei Mogwai, dreht man gerne den Regler noch etwas höher.
(Labels / EMI, VÖ: 4.8.2006)

zuerst erschienen in Kölner Illustrierte 07/06

“Battle in Heaven” von Carlos Reygadas

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Marcos hat ein Kind entführt – nun ist es gestorben. Ein virtuoser Film über Schuld und Sühne, aber auch ein Film über Klassenunterschiede im Mexiko der Gegenwart … lesen »