Leben mit Bowie auf dem Mars

Die Kleinserie „Life on Mars“ ist am Wochenende zu Ende gegangen und die große Frage – ist unser Held Sam Tyler im Koma und fantasiert, hat er eine Zeitreise gemacht oder ist er komplett verrückt – wird mit dem Off-Kommentar beantwortet: „…erfahren sie im Herbst bei der zweiten Staffel“. Auf sowas wartet man natürlich und genau dafür wurde die Serien-DVD-Box-Schwemme losgetreten: Dass man die Werbeblöcke spart und den Sendetermin bestimmen kann …  

Aber egal, was gab es denn bisher? Das Grundprinzip der Serie klang sehr verlockend: Polizist verunglückt und landet im Jahr 1973, weil er gerade im Autoradio Bowies „Life on Mars“ aus demselben Jahr gehört hat. Nun muss er sich mit dem Leben von vor 35 Jahren rumschlagen, was vor allem bei seinen neuen Polizeikollegen zu ernsthaften Konflikten führt. Die sind nämlich in bester French Connection Manier gewalttätige, sprücheklopfene Dumpfbacken, Chauvinisten, Rassisten und Sexisten, die von moderner Polizeiarbeit natürlich keinen blassen Schimmer haben. Das ist gut gemacht, führt zu einigen komischen wie erschreckenden Momenten, hat aber auch den etwas unangenehmen Nebeneffekt, dass man im Gegenzug den Polizisten (ganz allgemein) der Gegenwart total nett, verständnisvoll, gerechtigkeitsliebend und klug finden muss. Ein weiteres unangenehmes Klischee wird mit der Figur des schwarzen Kellenrs in der Stammkneipe der Polizisten bedient: Der sendet weise Sprüche aus, die unserem Helden immer doppeldeutig auf sein eigenes Schicksal weisen. Magie und Voodoo? Und ein dritter Schwachpunkt ist, dass neben der Grundhandlung jede Folge einen klassischen Kriminalfall als dramaturgisches Vehikel aufweist, das doch einige Male etwas gewöhnlich ist und deutlich hinter der außergewöhnlichen Rahmenhandlung zurückfällt.
Womit wir zum gelungenen Teil der Serie kommen: Die Momente, in denen Sam Signale einer anderen Welt, seiner alten Welt, empfängt, sind wirklich gelungen. Wenn Arztgespräche aus dem Radio dringen, Unterhaltungen von Besuchern über seinen Gesundheitszustand an sein Ohr dringen oder jemand ankündigt, er wird von den Geräten abgeschaltet, passiert wirklich etwas in der Serie. Oder wenn sich in Dialogen Doppeldeutigkeiten ergeben, Sam atemnot kriegt, und dann Schwesternstimmen hört, die den Arzt rufen, stärkt das nicht nur die Koma-Theorie, sondern bringt auch außergewöhnliche, gespenstische Momente in die Serie. Diese Reflexivität scheint aber zu selten durch, ist nur Beiwerk und gegenüber dem gewöhnlichen Krimiformat der Serie zu sehr im Hintergrund. Das Aufeinanderprallen der Welten, die Schizophrenie, das Gespenstische kommt nicht in den Vordergrund und erscheint wie ein eingestreuter Gimmik. Etwas schade, aber sympathischer Hauptdarsteller. Mal sehen, was der Herbst bringt.