Bobby Conn (Konzert, 23.4.2007, Gebäude 9, Köln)

Gläubig

Ich dachte, irgendwann im Leben muss sich jeder entscheiden, ob er Bobby Conn verehrt oder nicht. Folglich war ich sehr überrascht, als ich bei meiner Ankunft einen ziemlich leeren Saal vorfand. Bobby Conns Stamm-Club in Köln, das charmante, fabrikhallenartige Gebäude 9, sah gegen halb zehn noch relativ verwaist aus …  

Daran konnte auch der frühere Lokalmatador (E de Cologne) und jetzige Berliner Patric Catani aka Candie Hank (auch bekannt von EC8OR, Puppetmastaz etc.) mit seinem Polka-Hop nichts ändern. Als Bobby Conn die Bühne betritt, ist der Laden wenigstens halb gefüllt. Aber wie kann das sein? Wenn man sich irgendwann für ihn entschieden hat, wie oben beschrieben, dann sollte es für immer sein. Wo waren also all jene, die seine Konzerte in den letzten Jahren aus allen Nähten haben platzen lassen?

Auch der laue Sommerabend Ende April kann darauf keine Antwort geben. Wie dem auch sei, der zweite Schock kam gleich hinterher: Wo ist Monica Bou Bou? Die Violonistin, auch Conns Frau und Mutter des gemeinsamen Kindes, ist nicht dabei. Vor zwei Jahren waren sie tatsächlich mit Säugling auf Tour! Muss sie diesmal das Kind hüten? Große Enttäuschung. Gut hingegen ist, dass der fiese Hardrock-Gitarrist der letzten Jahre nicht mehr auf der Bühne steht. Das – gelungene – Pendant dazu ist der neue Keyborder, der aussieht wie von den Eagles, Emerson, Lake & Palmer oder Bee Gees Ende der 70er Jahre und dazu eine subtile, aber nichts desto trotz wahnsinnig irre „Ich bin ein fieser Schmiermucker“-Show abzieht. Der Bassist ist ok-lustig, aber weniger subtil. Bobby Conn selbst kommt in ordentlichen Plateau-Schuhen auf die Bühne, lässt es aber langsam angehen. „King of Today“, die melodisch-melancholische Ballade des gleichnamigen letzten Albums ist der Opener für ein Konzert, das sich dann doch permanent steigert: Mit großem Pathos, Disco-Funk, Metalleinlagen, Artrock-Passagen und der obligatorischen Befindlichkeitsrunde, in der er schmachtend durchs Publikum schreitet, arbeitet er sich mit seiner Band durchs Programm. Für die Zugabe offenbart er dann ein Geheimnis: „I’m not just an entertainer, i’m also a messenger“. Genau! Böse politische Satire darfs dann sein. Die Botschaft der großen emotionalen Geste aber auch. Und die Klage, dass er das alles, diesen elenden Rock-Zirkus, hinnimmt, nur um eins zu sein: „King for today“. So geht der intime Abend einem doch noch guten Ende entgegen. Ich hoffe nur inständig, dass das geringe Publikumsinteresse keine Tendenz anzeigt. Die Welt braucht Helden wie Bobby Conn. Leider braucht Bobby Conn auch die Welt, um sein Werk weiter verrichten zu können. Zumindest aber ein zahlendes Publikum.