Animal Collective (Konzert: 19.10.2007, Stadtgarten, Köln)

Als ich vor ein paar Jahren das erste mal Animal Collective live gesehen habe, passte der Name der Band sehr gut zum Bild, das sich mir bot: Ein paar merkwürdige Gestalten mit fantastischen Tiermasken und -kostümen tummelte sich auf der Bühne …

 und veranstalteten einen heiligen Krach. Das ist lange her und seitdem ist aus der Gruppe fast eine Popband geworden: Mit der Mixtur ihrer letzten drei Alben aus Folk, Elektronik, Indierock, Noise und 60s-Melodien haben sie eine große Fangemeinde gefunden. Entsprechend voll war es am letzten Freitag, als sie im Rahmen der sehr schön zusammengestellten Reihe „Recontructing Song“ spielten. Vor-‚Band‘ (eine Frau an elektronischem Equipment) war Kuupuu aus Finnland mit einem sich langsam auftürmenden, halbstündigem Soundwall. Dann kam das Collective, diesmal nur zu dritt und in Zivil – ohne Kostüme. Die Stücke wurden langgestreckt und ausladend auf ihre psychedelischen Momente abgeklopft. Tatsächlich waren sie dieses mal betont rhythmisch – Gitarre gab es nur wenig – und vor allem elektronisch. So waren die ‚duften‘, bandeigenen Discolichter hinter der Bühne ein passendes Schmankerl. Was die drei aber auch dieses mal wieder beeindruckend zur Schau stellten war ihr unglaublich lockerer Umgang mit Musikgeschichte. Ihre Stücke sind Zitatensammlungen, die sich neuerdings auch bei Disco und Glam-Rock bedienen. Doch das machen sie auf eine kaum greifbare Art, die nie ein Retrogefühl aufkommen lässt. Das Animal Collective macht eine so unglaublich vielschichtige, reiche Musik, mit der sie sich nie in Klischees verlieren. Sie entwickeln mit ihrer sprunghaften, pseudonaiven Leichtigkeit eine frische Ausdruckskraft, die sie einem live mächtig laut um die Ohren hauen. Da waren die fehlenden Kostüme schnell vergessen.

4 Antworten auf „Animal Collective (Konzert: 19.10.2007, Stadtgarten, Köln)“

  1. Trifft man den Inhaber dieser schönen Seite auch am 24.11. bei Gravenhurst im Gebäude 9? Würde mich sehr freuen. Beste Grüße!

  2. Na klar! Vorausgesetzt, den Mann (also Nick Talbot) ereilt nicht das gleiche Schicksal wie soeben Zack Condon: Die verbleibenden Beirut Konzerte sind alle abgesagt – Stimme weg!

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