Hercules and Love Affair (Konzert, 14.8.2008, Gloria, Köln)

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Für das Konzert waren einige Leute angekündigt, aber Antony Hegarty von Anthony and the Johnsons, der nicht wenige der Stücke des Debütalbums von „Hercules and Love Affair“ singt, war nicht dabei. Was sollte man da erwarten … Das Debütalbum von Andrew Butler Projekt verbindet vor allem historische Musiken, die zwischen dem Ende der ’70er Jahre bis zum Ende der 80er Jahre angesiedelt sind: 70’s-Disco, New Yorker Punk-Funk und Chicago-House, und alles findet auf äußerst coole Weise zusammen. Hercules … eklektischer Sound macht ähnlich wie Morgan Geist und sein Label Environ aus historischen Elementen eine absolut zwingende zeitgenössische Variante. Was auf der Platte mitreißend ist, versetzt einen Live geradezu in einen Glückstaumel. Gott sei Dank war das Publikum im ausverkauften Saal darauf vorbereitet und feierte die Band frenetisch. Ob die Band auf die Begeisterung vorbereitet war, ist hingegen nicht ganz sicher zu sagen. Am Ende schien sie fast ein wenig überrumpelt von ihrer eigenen Wirkungskraft.
Diese Wirkungskraft ist an dem Abend nicht nur auf die Musik, sondern wohl vor allem auf die beiden Sängerinnen zurückzuführen. Die boyische Kim Ann und der Vamp Nomi gaben ein perfektes Paar der Gegensätze ab. Die eine lesbisch Jungsmäßig gestylet, die andere eine Transsexuelle mit einem perfekten Körper und ziemlich hüllenlos jeden Männertraum erfüllend, mischten sie Genderklischees hübsch durcheinander. Und auch gesanglich konnten sie Antony Hegartys Fehlen vergessen machen. Der Rest der Band (besonders imposant der stoisch tumb wie ein Irrer dreinblickende Bassist) überzeugte mit einem lebendigen Set, das ohne Pause ein Highlight an das nächste reihte, von dem Hit „Blind“ bis zur „Hercules Theme“. Letzteres zeigte auch die großartigen Bläser (als „the horny boys“ wurden sie angekündigt) mit schrägem Post-Punk Funk in Bestform. Abgesehen von einem etwas frühen und überraschenden Ende das reine Glück!