Steve Reich (Konzert, 27.1.2009,
Museum Ludwig/Philharmonie, Köln)

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Eine Legende der Minimal Music kommt in persona nach Köln. Ein Pflichttermin also …

Das Konzert war gleich zweimal mit dem Kölner Museum Ludwig geerdet: Zum einen fand es anlässlich der Gerhard Richter-Ausstellung „Abstrakte Bilder“ statt, weil die beiden sich konzeptuell nahestehen (zur Einweihung von Richters Fenster des Kölner Dom gab es bereits ein Konzert von Philipp Glass, Morton Feldman und John Cage). Zum anderen gab es mit „Looking for Mushrooms“ zeitgleich im Museum eine Ausstellung zur gegenkulturellen Avantgarde im San Francisco der 50er und 60er Jahre, in der auch ein ganz frühes Werk von Steve Reich zu hören war („It’s gonna Rain“ von 1965). Daher fand das erste der beiden für diesen Abend vorgesehenen Konzerte auch tatsächlich im Museum statt. Im Eingangsbereich wurde ein Auszug aus „Drumming“ von 1971 vorgeführt. Drei Mitglieder des Ensemble Modern spielten zusammen mit dem inzwischen 72Jährigen Komponisten und ursprünglichen Schlagzeuger Steve Reich komplexe rhythmische Pattern, die sich übereinanderlegen, verschieben, gegeneinander laufen oder an- und abschwellen. Das Ganze ist natürlich in absoluter Perfektion vorgetragen. Klanglich wie rhythmisch erinnert das Stück erstaunlicher Weise an abstrakte Techno-Entwürfe der frühen 90er Jahre, vor allem Plastikmans „Spastik“. Nach dem Stück ging es kollektiv in die Philharmonie zu Aufführung von „Music for 18 Musicians“ von 1974-76. Steve Reich nimmt am Flügel Platz, drei weitere Flügel, Blasinstrumente, Xylophone und Stimmen werden vom Ensemble Modern übernommen. Es ist bereits die Minimal Music, die weniger durch Nervösität als durch Wohlklang auffällt. Aber den leiste ich mir gerne mal, wenn er sich im Nachhinein als so unglaublich wegweisend herausstellt. Reich baut langsam einen komlexen Klangteppich auf, löst diesen durch einem zweiten ab, der wiederum einem anderen Thema weicht. Zum einen erinnert die Klangfarbe der Musik mit ihren extrem kurzen repetitiven Phrasen, stehenden Tönen und einer unglaublich komplexen Rhythmik – ein kurzes Lob auf das Handwerk – wiederum an Techno. Zum anderen ist auch die Art, wie die Themen wechseln oder Elemente ein- oder ausfaden ganz klar eine Vorwegnahme von heute ganz alltäglichen Produktionstechniken der elektronischen Musik oder Mixtechniken von DJs. Permanent fallen mir während des Konzerts Technoplatten ein, die so oder sehr ähnlich wie das hier klingen. Und: Wenn man keine Furcht vor dem genannten Wohlklang hat, dann muss man diese wunderschöne, einstündige repetitive Musik schließlich lieben. Heilende Musik, denke ich, während mein seit fast zwei Monaten mich quälender chronischer Hustenreiz fast vergessen ist.

Foto: Jeffrey Herman

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Museum Ludwig/Philharmonie, Köln)“

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