„Watchmen“ von Zack Snyder

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Der traut sich was: „Watchmen“ gilt als unverfilmbar(was immer das heißen mag) und der Autor Alan Moore steht mit allen bisherigen Verfilmungen seiner Comics – von „From Hell“ über „V wie Vendetta“ zu „The League of extraordinary Gentlemen“ auf Kriegsfuß. Jetzt ist das Superheldenepos von Zack Snyder fertig … „Watchmen“ erzählt von den Resten einer Superheldenliga, deren selbstgerechtes Selbstbild vom Volk längst in Frage gestellt wird: „Who watches the Watchmen“. 1985 wird die USA immer noch von Nixon regiert,der kalte Krieg wird langsam heiß und die ehemaligen Superhelden fristen ein Dasein zwischen abgewrackter Psychopath, größenwahninniger Weltverbesserer, trinksüchtiger Rambo und melancholischer Einsiedler. Der einzige Held mit wirklichen Superkräften hat sich in Angesicht der jämmerlichen Daseins der Menscheit in nebulöse Spiritualität zurückgezogen. Da wird einer der Watchmen umgebracht, auf einen zweiten wird ein Attentat verübt. Über 160 Minuten ist der Film lang. Wenn man sich die Comicvorlage aus der Mitte der 80er Jahre ansieht, erscheint das aber nicht sonderlich lang. Der Abgesang auf das Superheldengenre von Alan Moore und dem Zeichner Dave Gibbons ist nicht nur Seitenstark, sondern mit seinen vielen Subplots, popkulturellen, politischen und philosophischen Anspielungen auch äußerst komplex. Und Snyder mag ästhetische Visionen haben, dass er es mit Komplexität nicht so hat, bewieß er bereits mit seiner fragwürdigen Verfilmung von Frank Millers „300“. Sein Weg, um es sich weder bei Moore noch bei dessen zahlreichen Anhängern zu verscherzen heißt Werktreue. Ob Werktreue nun auch der geeignete Weg für eine bestmögliche Verfilmung ist, sei mal dahingestellt. Denn eine gelungene freie Interpretation bietet oft mehr als der Versuch der 1:1-Übertragung – für alle Beteiligten. Trotzdem muss man Snyder attestieren, dass er seinem Ziel nahe kommt. An der ästhetischen Oberfläche versucht er das Bild einer Verfilmung zur Zeit der Entstehung des Comics herzustellen – und das gelingt ihm von der Farbscala der Bilder bis zur gelungenen Ausstattung. Auch scheint er mehr als einmal ganze Szenen Panel für Panel in bewegte Filmbilder zu übertragen. Hier nutzt er die Hightech-Möglichkeiten des Films, dort die eigentümlichen Erzähltechniken des Comics. The best of both worlds! Dass Snyder nicht darauf verzichten kann, explizitere Gewaltszenarien zu entfalten, als es die Comicvorlage für nötig hält – geschenkt! Der Film macht fast genauso Spaß wie der Comic und lässt dessen inhaltliche Fülle erahnen. Und dieser Satz lässt auch etwas erahnen: Natürlich triggert der Film mehr Adrenalin als der Comic. Aber dessen Komplexität erreicht er nie und nimmer. Ganze Subplots wie der der Zeitungsmacher werden zur kurzen Andeutung degradiert, andere wie der parallel erzählte Abenteurcomic fehlen ganz. Snyder hechelt seinem eigenen Anspruch hinterher, auch wenn er ihm oft ganz nahe kommt. Die ganze Mühe – das soll am Ende doch gesagt werden – führt aber sicherlich zu einer unterhaltsamen und auch trickreich erzählten Verfilmung eines großen Comicromans.

(Bundesstart: 5.3.2009)