Animal Collective; Panther Du Prince
(Konzert, 8.3.2009, Gloria, Köln)

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Mein drittes Erlebnis mit Animal Collective war wieder beeindruckend, auch wenn abermals etwas anders als die vorherigen. Oder gerade deswegen … Mein erstes Erlebnis mit den New Yorkern zeigte sie 2004 als Vorband von Mùm noch als lärmende Improvisateure in Tierkostümen. Das war lange vor ihrem Durchbruch zum Poppublikum. Ein großartiges Erlebnis. Als nächstes sah ich sie dann 2007 mit ihrem Sound, der sie jetzt noch auszeichnet: Beach Boys mäßige Vokalarrangements treffen auf Glam-Rock Partikel und ausladende Psychedelik-Parts. Das Ganze war live unterstrichen von eindrucksvollem Disco-Lichtspiel. Und nun, abermals in einem größeren Club, spielen sie ihren verdrehten, hauptsächlich elektronisch generierten Pop vor großem Publikum, unter das sich auch Teenie-Mädchen mit Zahnspange und Herzchen auf der Wange verirrt haben. Wie passt das zur Musik, die mich von der Bühne aus in fremde musikalische Reiche versetzt?
Zuerst rollt der Hamburger Panther Du Prince seine düster-flächigen Techno-Landschaften aus. Vielleicht etwas deplaziert – hier und jetzt – aber sicherlich atmosphärisch gelungen. Dann wird für Animal Collective wieder eine interessante Lichtkulisse aufgebaut. Nicht, dass sie die neuen alten Pink Floyd werden wollen – oder doch? Ein großer illuminierter Ballon schwebt über der Bühne, die Gerätepulte sind ebenfalls hell unterleuchtet. Die drei Musiker kommen um so unglamouröser auf die Bühne. Es beginnt mit einem atemberaubenden Acappella-Intro, in dem sich die Stimmen der beiden Sänger umkreisen. Mindestens Beach Boys, eher pastoraler angelegt. Im Folgenden hat man das Gefühl, dass die Stücke immer nur angedeutet werden, während sie dann in langen Exkursionen in ihre einzelnen Bausteine zerlegt werden. Mal fließend, mal mächtig rollend, steht man als Zuhörer davor und schnappt gierig die Pop-Momente auf, um sich im nächsten Moment wieder in minimalistischen Passagen zu verlieren oder an noisigen Ausbrüchen zu laben. Und trotzdem wirkt das Konzert über die gesamte Zeit völlig konzentriert. Es ist ein faszinierender, fremder  Kosmos, den das Trio in den letzten Jahren entworfen hat. Und so fremd es auch erscheinen mag, so logisch und selbstverständlich wirkt dieses Universum, wenn man von ihm umströmt wird. Kann ja gut sein, dass das bei 15jährigen Mädchen ebenso wirkt wie bei 55 jährigen Männern, die man zunächst für die Begleitperson der Teenager gehalten hat (ist aber unwahrscheinlich, weil eine Woche später wieder auf einem Konzert gesehen, ohne die Mädchen). Wegen meiner anhaltenden Begeisterung steht kommenden Konzertbesuchen bei den nächsten Tourneen jedenfalls nichts im Wege – und irgendwann bin ich vielleicht der 55jährige im Publikum, als entusiastische Begleitperson meiner dann pubertierenden Tochter …