Neil Young (Konzert, 19.6.2009, Tanzbrunnen, Köln)

neil-young-2.JPG

Hier liegen noch ca. 20 Konzertberichte auf Halde, aber bei einer solchen Legende habe ich mich mal zusammengerissen und gleich geschrieben… Neil Young hat nicht nur bei mir alle möglichen Interessekurven heil überstanden. Über den großen Bruder Ende der 70er Jahre entdeckt, als er Johnny Rotten seinen Tribut zollte, war er kurz uncool, als ich alters- und provinzbedingt etwas zeitversetzt die New Wave entdeckte. Aber schon 1987 war er als positive Referenz für Dinosaur jr. wiederentdeckt. Kurz darauf folgte auch allgemein Youngs würdevolle Rückkehr in die Rockmusik – nachdem ihn die 80er mit skurilem Synthiepop sahen (im Nachhinein zumindest interessant und lustig): Rockin‘ in the Free World war sein Credo, kurz bevor er durch Kurt Cobain und dessen Zitat einer seiner Textzeilen in seinem Abschiedsbrief noch mal auf ganz unvorhersehbare Art in die Musikgeschichte einging. 1995 habe ich dann im Urlaub mehr aus Langeweile (Regenwetter) sein Album „Sleeps with Angels“ gekauft und für fantastisch befunden. Dennoch folgte kein weiterer Kauf eines seiner neuen Alben – die Sammlung blieb in den 70er Jahren stecken. Warum ich mir dennoch so sicher war, dass Neil Young auch im Jahr 2009 – mit 65 Jahren – noch richtig toll sein könnte – keine Ahnung. Ich wollte es wohl so. Und es war auch so.

Nachdem die Vorband – der Hamburger Singer/Songwriter Wolfgang Michels überstanden war – Musik ok, Texte peinlich, Ansagen sehr peinlich – kommt der alte Mann auf die Bühne. Mit dabei ein paar alte Mitstreiter: Musiker wie Gerätschaften – zwei schöne alte Pianos und vor allem den tollen, überdimensionalen Gitarrenverstärker – hat er offensichtlich aus den frühen 70er Jahren in die Jetztzeit gerettet. Wortkarg ist er bis zum Ende (als er einmal einen Satz ins Publikum fallen lässt, finden die Fans das einen Applaus Wert), er läßt lieber die …. nein Herr Meyer, schreib es nicht … Gitarre sprechen. Es geht los mit „My My Hey Hey“, der rostig-dröhnenden E-Version von“Hey Hey My My“ mit besagtem Johnny Rotten Bezug. Meine Sorge, es könnte bieder werden, ist sofort vom Tisch gefegt. Neil Youngs unnachahmlich bröckeliger Gitarrensound und die knurrigen Soli mit einerseits viel Luft und andererseits derbem Sound sind immer noch da. Dann reiht er einen Hit an den anderen:“Down by the River“, „Words“ (kalte Schauer auf dem Rücken bei der fast Dub-Reggae mäßigen Improvisation), „Cinnamon Girl“, Comes a time“, „Tonights the Night“,  „Rocking in the Free World“, das einfach nicht enden will  – und auch nicht soll. Als Zugabe gibt es „A Day in the Live“ von den Beatles, das mit all seinen Studiobasteleien live verblüffend ähnlich wiedergegeben wird und in einem furiosen Noisegewitter endet, an dem auch Sonic Youth ihren Spaß gehabt hätten: Vier Saiten hängen dann nur noch lose vom Gitarrenhals – die letzten beiden zerreißt Mr. Young schließlich  auch noch imposant hörbar.