„Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An“
von Kerascoët

Nach ihrem niedlich-schockierenden „Jenseits“ ist die Erwartung an ihre neue Reihe groß. „Jenseits“ war mit nichts vergleichbar, die Kombination aus süßen Zeichnungen und grausamem Sozialdarwinismus unter märchenhaften Figuren verstörend … Zwar hat das Künstlerduo Kerascoët, bestehend aus Marie Pommepuy und Sébastien Cosset, für die Serie „Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An“ nur die Zeichnungen beigesteuert, doch bereits die verwirren wieder mit ihrer Mischung aus Komik und Schrecken: In kräftigen Farben illustrieren sie das abgründige Szenario. Die Figuren sind mitunter freundlich-puppig, ein anderes Mal sehen sie aus wie wild gewordene Bestien. Dieser psychologisch bedingte extreme Wechsel der Physiognomie erinnert an Manga, wenngleich der Zeichenstil natürlich ganz und gar westlich ist.

In den 1930er Jahren muss Blanche in Paris mitansehen, wie ihre Schwester ermordet wird, weil sie Zeugin eines Verbrechens wurde. Fortan ist die brave Blanche besessen von dem Gedanken, ihre Schwester zu rächen. Dafür muss sich das zarte, jungfräuliche Wesen in ein Bordell begeben. Weil sie als Jungfrau eine Rarität ist, wird sie dort zur Domina, die man nicht anrühren darf. Zwischen SM-Sitzung und Kaffeeklatsch mit ihren Kolleginnen versucht sie nun, die Mörder ihrer Schwester zu finden.

Die Hauptfigur ist in ihrer kecken Naivität äußerst charmant, der Kontrast zu ihrer Umgebung im Rotlichtmilieu um so reizvoller. Doch führt dies nicht zu groben Karikaturen. Die Psychologie der Figuren bleibt immer nachvollziehbar. Daneben weiß die Geschichte auch mit ihren Spannungsmomenten und actionreichen Szenen zu fesseln. Eine nahezu perfekte Erzählung, deren Verfilmung wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit ist. Die ersten beiden Bände „Die Jungfrau im Freudenhaus“ und „Blut an den Händen“ dieses tollkühnen Thrillers mit seiner liebenswerten Protagonistin sind bereits im letzten Jahr erschienen, der dritte Band „Der Märchenprinz“, in dem Blanche ausnahmsweise ein wenig das Glück winkt und die Hoffnung auf ein normales Leben aufkeimt, folgte Anfang dieses Jahres. Aber das Glück hält nicht lange an: Just am Tag ihrer Verlobung verschwindet Blanches Zukünftiger spurlos. Der vierte und abschließende Band „Bis das der Tod uns scheidet“ wird vom Verlag mit einem „überraschenden und wahrlich schockierenden Ende angekündigt“. Nach den bisherigen Ereignissen gibt keinen Grund, das in Frage zu stellen …

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