„Das Spiel der Schwalben“ von Zeina Abirached

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Die libanesische Zeichnerin Zeina Abirached ist ein Kind des Kriegs. Ihre Heimatstadt Beirut befand sich von 1975 bis 1990 im Kriegszustand und war auch danach immer wieder Kampfhandlungen ausgesetzt – zuletzt im Jahr 2006. Abiracheds Kindheit ist geprägt davon. 1981 geboren, wohnte sie in unterschiedlichen Häusern, musste mit ihren Eltern in immer neue Wohnungen wechseln, weil die vorherige zerstört wurde … Ihr Comic „Das Spiel der Schwalben“ umkreist diese Lebensumstände eindrucksvoll. Auf der Ebene der erzählten Zeit auf nur einen Abend konzentriert, flechtet Abirached kunstvoll die Situation im Ganzen ein: Während sie zusammen mit ihrem kleinen Bruder auf die Eltern wartet, die zwei Straßen weiter bei der Großmutter sind, versammeln sich nach und nach alle Hausbewohner im Wohnungsflur der Abiracheds. Dieser Flur ist der sicherste Ort des Hauses und wird allabendlich von den Nachbarn aufgesucht. Er ist zugleich der letzte bewohnbare Raum der einst großen Wohnung der Abiracheds. Dort erzählt die illustre Gesellschaft von früher, vom Krieg und von ihren Plänen, während die Angst um Zeinas Eltern und der Klang der Granaten für Anspannung sorgt

So wenig wie Zeina Abirached mit ihrem lakonischen Kammerspiel inmitten eines tobenden Bürgerkriegs auf eine akkurate Abbildung der chaotischen Zustände in der libanesischen Millionenstadt abzielt, so wenig will sie das auf der Bildebene. Ihre kontrastreichen Zeichnungen umspielen die Absurditäten des Kriegs mit ornamentalen Entwürfen, die den Krieg wie ein absurdes Brettspiel anmuten lassen. Passend dazu erzählt der Comic mit trockenem Humor vom Schrecken. Dass und die Schwarzweisszeichnungen haben Abirached schon viele Vergleiche mit Marjane Satrapis „Persepolis“ eingebracht. Aber wo Satrapi den großen Bogen spannt, geht sie ins kleinste Detail. Und wo Satrapi betont kindlich zeichnet, wird Abirached symbolhaft. Beide Ansätze sind auf ihre ganz eigene Weise geprägt von der subjektiven Sicht eines jungen Menschen auf einen nur schwer begreifbaren Irrsinn (Avant Verlag).