„Layla Fourie“ von Pia Marais (Interview)

Layla_Fourie

 

 

 

 

 

 

 

Pia Marais‘ letzter Film „Im Alter von Ellen“ war eine symbolträchtige Odyssee der Protagonistin auf der Suche nach einem Weg und vielleicht auch einem Ziel für ihr Leben. Ihr neuer Film begleitet ebenfalls eine Frau in ihren 30ern, ist aber trotz aller konstruierten Zufälle deutlich mehr dem Realismus geschuldet … Die inzwischen in Deutschland lebende Marais kehrt mit dem in Südafrika gedrehten Film in ihre Heimat zurück und thematisiert neben der psychischen Anspannung der alleinerziehenden Mutter, die sich nach dem Unfall mit Fahrerflucht immer mehr in Lügen verstrickt, auch die Unsicherheiten in einem nach Jahrzehnten der Apartheid nach Normalität strebenden Land – sowohl zwischen Weiß und Schwarz als auch zwischen Arm und Reich.

INTERVIEW MIT REGISSEURIN PIA MARAIS:

Frau Marais, Sie sind in Südafrika aufgewachsen und kehren nun mit Ihrem dritten Kinofilm dorthin zurück. Wie kam es zu dieser Entscheidung, und was bedeutete es für Sie, dort einen Film zu drehen?
Pia Marais: Ich wollte immer schon einen Film in Südafrika drehen. Es gab viele Ideen, aber ab einem bestimmten Punkt war klar, dass ich eine fiktionale Dokumentation über Menschen machen wollte, die ihre Privilegien während der Apartheid verloren haben und dann in Ungnade gefallen sind. Paranoia ist da ein wichtiges Thema, und so habe ich den Sicherheitssektor erforscht und bin auf eine Firma gestoßen, die mit Lügendetektoren Einstellungsgespräche vorbereitet und sogar vor Eheschließungen angeworben wird. So etwas konnte es nur in einer Gesellschaft geben, die stark von Misstrauen geprägt ist.

Auch Ulrich Köhler, der als Kind ebenfalls eine Zeit lang in Afrika lebte, drehte seinen letzten Film in Afrika. Bei seiner Geschichte scheint die geografische Verortung viel offensichtlicher Notwendigkeit zu sein. Warum musste Ihre Layla in Südafrika leben?
Ich glaube, die Themen Missgunst und Schuld sind sehr spezifisch für Südafrika. Ich wollte die Atmosphäre im heutigen Südafrika einfangen, wo die Menschen Seite an Seite leben, die Geschichte aber immer noch sehr präsent ist. Der Film könnte nur dort spielen, während das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn bzw. Mann und Frau universell ist.

Das, was man hierzulande wohl immer noch am meisten mit Südafrika verbindet, ist der Rassenkonflikt. In Ihrem Film scheint die Thematik kaum eine Rolle zu spielen …
Die meisten Menschen in Südafrika wollen einfach ihr Leben leben. Das heißt nicht, dass es keine Ressentiments gibt. Die gibt es, aber das ist komplexer, als wir glauben. Das Verhalten verweist oft auf die Vergangenheit, aber es hat sich im Bewusstsein, dass die Dinge jetzt anders sind, gewandelt.

Die hohe Kriminalität in Südafrika wird im Film hingegen deutlich thematisiert. Was bedeutete die dortige Sicherheitslage für die Dreharbeiten vor Ort?
Es gibt eine Art neue Apartheid in Südafrika, die mit Hilfe hoher Mauern, elektrischer Zäune und Gated Communities die Reichen von den Armen trennt. Der Dreh war aber sicher. Es gab meist Security Guards – glücklicherweise unbewaffnet und vor allem wegen des teuren Equipments.

Die Besetzung der männlichen Hauptrolle mit August Diehl anstelle eines südafrikanischen Darstellers ist wahrscheinlich der hiesigen Filmförderung geschuldet. Wie stehen Sie zu derlei Auflagen, und wie gehen Sie damit um?
Tatsächlich habe ich in Südafrika einen Darsteller mit Augusts Qualitäten gesucht. Ich wollte, dass die Rolle untypisch ist, weniger offensichtlich maskulin als der typische weiße Südafrikaner und mehr intellektuell. Irgendwann wurde klar, dass wir den Film mit europäischen Geldern finanzieren müssen und ein bis zwei Darsteller Europäer sein mussten. Das war allerdings ein großes Glück, denn es gab mir schließlich die Möglichkeit, August zu fragen.

(Bundesstart: 4.7.2013)