„Kongo“ von Christian Perrissin & Tom Tirabosco

Kongo

Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ wurde vielfach adaptiert. Am bekanntesten ist sicherlich Francis Ford Coppolas Übertragung des Stoffs von der Zeit der Kolonialisierung auf den Vietnamkrieg in „Apocalypse Now“. Zuletzt nutzte Ulrich Köhler den Stoff, um in seinem Film „Schlafkrankheit“ einen Entwicklungshelfer dabei zu beobachten, wie er sich in der Fremde wandelt und sich schließlich in ihr verliert. Christian Perrissin und Tom Tirabosco erzählen nun von Conrads Reise in den Kongo, ohne Handlungsort oder -zeit zu wechseln. „Kongo“ ist keine Allegorie, sondern eine echte Adaption von Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ aus dem Jahr 1902, in dem er von seiner Reise in den Kongo im Jahr 1890 berichtet. Mit den besten Absichten kam er dorthin, um die Situation der schwarzen Bevölkerung zu verbessern. Steckten in diesem Ansatz zwar ein paar kolonialistische Fehleinschätzungen, so sind diese im Vergleich zu den von den Weißen dort verübten Schandtaten, die Conrad dort erleben muss, zu vernachlässigen und zeithistorisch entschuldbar. Conrad zerbricht fast an dem Unrecht, dass er dort mit ansehen muss. Und er leidet auch darunter, zu spät erkannt zu haben, teil des Problems zu sein. Nach der Reise wird Conrad Schriftsteller und widmet sich vor allem dem Kampf gegen den Kolonialismus.

 

Tirabosco hat in den Bänden „Im Dunkeln“ und „Das Ende der Welt“ zusammen mit Pierre Wazem fantastische Endzeitszenarien kreiert. Seine Bilder für „Kongo“ sind stilistisch ähnlich, im Vergleich aber viel weniger apokalyptisch. Dabei verlangt der Stoff gerade zu nach irrlichternden Trips. Immerhin: Wenn Conrad im Malariafieber liegt klingen solche freieren Erzählformen an. Im Gegenzug vermag das Künstlerduo allerdings mit seinem nüchternen Realismus die Greueltaten der Kolonialisten wirkungsvoll anzudeuten. Für das tatsächliche Ausmaß des Grauens hingegen gibt es wahrscheinlich keine adäquaten Bilder.

(erschienen im Avant Verlag)