„Der Attentäter – Die Welt des Gavrilo Princip“ von Henrik Rehr

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In diesem Jahr wurde aller Orten dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 gedacht. Im Juni geschah das auch auf dem Comicsalon in Erlangen – exemplarisch an Neuerscheinungen von Jacques Tardi und Joe Sacco, die beide eigens angereist waren und in Werkstattgesprächen über ihre Arbeit mit Kriegsthemen sprachen. Nun erscheint im deutschsprachigen Raum mit Henrik Rehrs prämierter Graphic Novel „Der Attentäter – Die Welt des Gavrilo Princip“ eine Biografie über den 19-jährigen Mörder von Franz Ferdinand. Das Attentat auf den Thronfolger von Österreich-Ungarn hatte die sogenannte Julikrise zur Folge, die direkt in den Ersten Weltkrieg mündete. Der Däne Henrik Rehr thematisiert die Folgen der Tat kaum, sondern skizziert sie in nur wenigen apokalyptischen Bildern am Ende des Buchs. Ihn interessiert, wie und warum sich ein junger Erwachsener radikalisiert und schließlich zum Terrorist wird. Damit ist „Der Attentäter“ hochaktuell:
In düsteren Schwarzweisszeichnungen schildert Rehr den sozialen und politischen Hintergrund des bosnisch-serbischen Gavrilo Prinzip, der zwischen aufkeimenden Ideen von Anarchie und Nationalismus schließlich glaubt, mit Gewalt die sozialen und kulturellen Benachteiligungen seiner Landsleute überwinden zu können. In relativer Armut aufgewachsen, ist bald klar, dass der Feind in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie zu finden ist, die Bosnien-Herzegowina 1911 annektiert hatte. In Sarajevo macht er erste Bekanntschaft mit radikalen Gruppierungen. Schnell sind Sympathisanten und Helfer gefunden. Am Ende reicht die Mitwisserschaft der Tat bis in die höchsten Kreise der serbischen Politik.

Rehrs in bemerkenswerten, mitunter an Stiche oder historische Grafiken erinnernden Zeichnungen illustrierte Biografie umkreist die politischen Hintergründe anschaulich und liefert zugleich einen allgemeinen Blick in das Entstehen von Terrorismus. Einer von Princips Mittätern sagte während des Prozesses, er wolle, das man sie versteht und nicht für Kriminelle hält, und erklärt: „Unser Volk schreit, es lebt im Elend, es hat keine Schulen, keine Kultur. Das tut uns weh“. Tatsächlich entschuldigt das nichts, aber es erklärt einiges (Stuart & Jacoby).