„Treibsand“ von Mönch, Lahl & Kahane

Treibsand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahn der Zeit

Nach ihrer Doku-Fiction „17. Juni. Die Geschichte von Armin und Eva“, die sich auf halb fiktionalem Weg dem gescheiterten Aufstand am 17. Juni 1953 in der DDR annähert, haben sich Alexander Lahl, Max Mönch und die Zeichnerin Kitty Kahane ebenfalls auf fiktionalem Weg an das Jahr 1989 und den Mauerfall gewagt: Der amerikanische Journalist Tom ist als Korrespondent in Berlin. Wenn welthistorische Ereignisse anstehen, bekommt er regelmäßig Zahnschmerzen. Gerade war er noch in Peking auf dem Tiananmen-Platz, um das dortige Gemetzel zu dokumentieren – nun ist er in Berlin, weil dort die nächsten historischen Umwälzungen anstehen. Und tatsächlich: Gerade erst ist er angekommen, schon bekommt er Zahnschmerzen. Und sie werden in den kommenden Wochen immer unerträglicher. Zugleich lernt er eine ehemalige Ostberlinerin kennen und verliebt sich in sie. Doch die hat ihre Geheimnisse …

Kitty Kahane hat ihren kantigen Zeichnungen, die man so ähnlich in schwarzweiss schon aus „17. Juni“ kennt, einen deutlichen surrealen und popigen Ton verliehen. Und dennoch entsteht mit all dem Zeitkolorit und den vielen angerissenen Biografien der Nebenfiguren ein komplexes und auch realistisches Bild jener Zeit des Umbruchs – wenngleich stark komprimiert und mit Genremitteln überzeichnet. Zwischen Liebe, Politik und Zahnarztstuhl gerät der Erzähler Tom in einen surrealen Strudel der Ereignisse. Der Erzählansatz birgt einige Überraschungen und Turbulenzen und ist trotz aller Tragik voller hahnebüchener und sehr lustiger Ideen.

(Max Mönch, Alexander Lahl u. Kitty Kahane: „Treibsand“, Metrolit)