„Hilda …“ von Luke Pearson

Hilda

 

Der Berliner Verlag Reprodukt hat vor einiger Zeit eine scheinbare Tautologie in ihr Programm aufgenommen: Kindercomics. Aber es ist lange her, dass man unwidersprochen Comics mit Kinderkram gleichsetzen konnte (obwohl „Kinderkram“ eh nicht negativ belegt sein sollte). Spätestens der Boom der Graphic Novel hat auch dem letzten die Augen dafür geöffnet, dass der Comic ein erwachsenes Medium ist. Da muss man fast schon wieder für Kindercomics werben, zumindest, wenn man etwas anderes als die Klassiker von Gallien bis Entenhausen meint. Luke Pearsons Hilda ist ein solcher Comic: Wunderschön gezeichnet und mit ungebändigter Fantasie erzählt Pearson in den bislang vier Bänden der Reihe von der kecken Protagonistin, die allerlei Geister und Trolle, Winzlinge und Riesen oder auch einen winzigen Riesenvogel kennenlernt. Immer siegt bei ihr die Neugierde über die Angst, wenn es im Gebüsch raschelt, im Erdreich grummelt oder hinter dem Schrank poltert. Der erste, kürzere Band Hilda und der Troll wirkt noch etwas zögerlich und harmlos, aber schon Hilda und der Mitternachtsriese spielt ungezügelt mit der Idee von Parallelwelten, durch die die tapfere kleine Hilda marschiert, als gäbe es nichts Schlechtes auf der Welt. In Hilda und die Vogelparade ist das mit seiner Mutter lebende Mädchen in die Stadt gezogen, doch auch dort warten schon die Abenteuer auf sie. Man muss eben die Augen offen halten. Hilda und der schwarze Hund, der letzte Band der überaus schön gestalteten Reihe, die Lesefrischlinge, aber auch ältere Kinder mit Genuss lesen können, wird sogar ein regelrechtes Actionabenteuer: Um Pfadfinder geht es, aber auch um Hausgeister und einen riesigen schwarzen … hm … Hund ? Hildas Abenteuer aus einer fantastischen Welt voller fabelhafter Wesen sind unglaublich reichhaltig und längst nicht nur etwas für Kinder (Reprodukt).

Zuerst erschienen in Strapazin Nr. 118