Neustart
„Gefühlt Mitte Zwanzig“ von Noah Baumbach

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Vor fünf Jahren schickte Regisseur Noah Baumbach in seinem Film „Greenberg“ Ben Stiller als einen desorientierten, vierzigjährigen Berufsjugendlichen nach Los Angeles, wo er mit seinem unbeholfenen Loser-Zynismus bei den Jüngeren in seiner Umgebung gar nicht landen konnte. Sein neuer Film „Gefühlt Mitte Zwanzig“ könnte eine Fortsetzung sein, denn auch hier spielt die sogenannte Midlife-Crisis eine weitere Hauptrolle neben den Protagonisten aus Fleisch und Blut: der Dokumentarfilmer Josh und seine Frau Cornelia (Naomi Watts) – beide Mitte 40 und der halb so alte Jungfilmer Jamie (Adam Driver) mit seiner Freundin Darby (Amanda Seyfried). Josh, auch hier von Ben Stiller gespielt, ist zwar weder Single, noch arbeitslos, noch hatte er gerade einen Nervenzusammenbruch wie Greenberg. Doch die Grundhaltung der beiden Charaktere ist verwandt: Sie sehen, wie die Gleichaltrigen sesshaft werden, Familien gründen und Karriere machen. Zugleich werden sie durch eine jüngere Generation daran erinnert, welche Ideale und Ziele sie einst hatten. Sie selber hängen zwischen diesen beiden Polen und gehören nirgendwo richtig dazu. Das fühlt auch Josh, doch er lässt sich von Jamie, der seine früheren Arbeiten bewundert, mitreißen und will sich noch mal auf die Seite der Mittzwanziger schlagen. Den Enthusiasmus, den er bei Jamie so bewundert, hat er selbst längst verloren. Aber warum sollte er sich nicht noch mal jung fühlen dürfen? Und so werden Josh, Cornelia, Jamie und Darby beste Freunde. Schließlich arbeiten sie sogar zusammen an einem Film. Doch das Projekt wird für sie zur Zerreißprobe…

Nicht von ungefähr gilt Noah Baumbach („Frances Ha“) vielen als Nachfolger von Woody Allen: Er hat einen Hang zu leicht neurotischen, aber im Grunde sympathischen Typen, die sich mehr schlecht als recht mit kreativen Tätigkeiten durch den Alltag schlagen. Alle stecken sie in einer Krise, an einem Wendepunkt oder vor einer Herausforderung. Alle suchen sie nach ihrem Platz im Leben oder merken nicht einmal, dass sie ihn noch nicht gefunden haben – was noch tragischer ist. Baumbach hat nichts gemein mit dem brachialen, körperbetonten Humor der Judd-Apatow-Schule (James Franco, Seth Rogan, Jason Segel), allerdings gibt es einen Link zu Apatow, der in den 90er Jahren Produzent und Autor der Ben-Stiller-Show war. Zwischen dem Dialogwitz gibt es vereinzelt Elemente der Body Comedy, vor allem, wenn Ben Stiller als Josh – angespornt von Jamies Jugendlichkeit – die körperlichen Möglichkeiten eines 45-Jährigen überschätzt.

Der sich wegen der Profession der Hauptfiguren durch den gesamten Film ziehende Diskurs über den Dokumentarfilm könnte ein Bonus für den Filmfan und Medientheoretiker sein, erzählt aber wenig Neues. Das stört aber kaum den Eindruck einer grundsympathischen, lustigen als auch nachdenklichen Komödie über eine Generation, die mit der Kluft zwischen gefühltem Alter und dem Blick in den Spiegel hadert.

(Bundesstart: 30.7.2015)