„Ein Sommer am See“ von Jillian & Mariko Tamaki

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Passend zur Jahreszeit hat der Berliner Verlag Reprodukt im Sommer die Coming of Age- Geschichte „Ein Sommer am See“ von den kanadischen Cousinen Jillian und Mariko Tamaki veröffentlicht: Rose fährt seit Jahren mit ihren Eltern in das selbe Ferienhaus an einem See. Dort trifft sie ebenso regelmäßig die etwas jüngere Windy. Beide sind an der Schwelle zum Teenager und beobachten ihre Umwelt und vor allem die Dorfjugend mit großen Augen. In dem örtlichen Kiosk entdecken sie bei den einheimischen Teenagern interessiert die kleinen Dramen des Erwachsenwerdens: Liebe, Frust und ungewollte Schwangershaften! Zugleich muss Rose mit einem schwelenden Konflikt ihrer Eltern zurecht kommen, und auch der hat indirekt mit Schwangerschaft zu tun. Die schlechte Laune und das Schweigen ihrer Mutter erträgt sie kaum, ihr Vater nimmt sogar ein paar Tage davor Reißaus. Heimlich auf dem Laptop verschlungene Horrorfilme vom „Texas Chainsaw Massacre“ bis zu „Nightmare on Elm Street“ – nicht gerade altersgemäß für die beiden Mädchen – und eine erste Schwärmerei für einen Jungen aus dem Dorf lenken sie ab. Doch der nahende Abschied von der Kindheit wird für Rose ernüchternd, die Versprechungen der Jugend sind zwiespältig.
Die Cousinen Tamaki fangen in ihren blaustichigen Zeichnungen die wechselhaften Stimmungen der Protagonistin rührend ein und erzählen mit scheinbar beiläufigen Gesten von den großen Gefühlen jener verwirrenden Zeit, wenn mal das Kind in einem, mal die aufkeimende Pubertät die Regie über die eigenen Gefühle übernimmt. Ihr weicher, aber dynamischer Strich bringt eine poetische Note in ihren eigentlich realistischen Zeichenstil und entfaltet eine Zärtlichkeit, die die Empathie der Künstlerinnen für ihre Figuren verrät. Das hat ihnen schon zahlreiche Preise wie den Ignatz Award 2015 für die beste Graphic Novel, den Printz Honor für herausragende Jugendliteratur, den Caldecott Honor für besondere Bilderbuchkunst und nicht zuletzt den Eisner Award für die beste Graphic Novel eingebracht (Reprodukt).

Zuerst erschienen in Strapazin Nr. 120