Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie

Zuckerschaedel

Zehn Jahre lang hat Charles Burns an seinem Opus Magnum „Black Hole“ gearbeitet. Das über 300-seitige Werk ist eine sowohl bedrückende wie berauschende Allegorie auf die Wirren der Pubertät, angesiedelt im Californien der 70er Jahre. Die Körperveränderungen werden bei Burns zu monströsen Deformationen, das Teenagerdasein gleicht einer Krankheit, die einen zu einem Leben als Aussätzigen verdammt. Auch zehn Jahre nach „Black Hole“ sind Pubertät und Teenage Angst Charles Burns‘ Themenschwerpunkt: Seine neue Trilogie führt uns in ein ähnliches Szenario wie in „Black Hole“: Mit „Zuckerschädel“ erscheint nun der dritte Band um die Geschichte des heranwachsenden Doug, die bereits mit „X“ und „Die Kolonie“ in eine abgründige Welt aus mutierten Wesen und sozialen Abnormitäten führte – einerseits. Denn auf der ersten Handlungsebene handelt die Geschichte von einem ganz normalen Jugendlichen, der Ende der 70er Jahre zwischen Kunstambitionen, Liebesleid und dem Soundtrack von Postpunk in Kalifornien heranwächst. Zu Beginn der Geschichte ist er unglücklich liiert und sucht seinen Platz in der Musik- und Kunstszene seiner Stadt: Mit einer Art Tintin-Maske vor dem Gesicht und einem Kassettenrekorder vor der Brust tritt er mit einer Performance aus Geräuschen und rezitierten Texten auf. Dann lernt er die mysteriöse Sarah kennen, die ebenfalls künstlerische Ambitionen hat, aber auch ein düsteres Geheimnis mit sich herum trägt.

Ehe sich Doug versieht, gerät er in einen Strudel von Gewalt. Er müsste nun handeln und Verantwortung zeigen. Doch so wie er sich bei seinen Auftritten mit der Maske schützt, entzieht er sich den Realitäten, denen er sich nicht gewachsen fühlt. Wie Doug in den kommenden Jahren mit seiner Vergangenheit umgeht und wie ihn auch die Geschichte seiner Eltern begleitet beziehungsweise prägt schildert Burns in komplex verwobenenen Erzählebenen, die immer wieder in Dougs Alpträumen gespiegelt werden. Die neue Trilogie steht seinem Meisterwerk „Black Hole“ außer im Umfang in nichts nach. Sie ist aber im Gegensatz zu „Black Hole“ nicht in schwarzweiss, sondern in kräftigen Farben gehalten. Das ermöglicht Burns mit einer weiteren Ebene zu spielen (Reprodukt).