„Hubert“ von Ben Gijsemans

hubertDer Belgier Ben Gijsemans schlägt ganz stille Töne an – zeichnerisch und narrativ. Und das passt perfekt zu seiner Hauptfigur, dem titelgebenden Hubert: Hubert ist ein stiller, zurückgezogener Zeitgenosse. Mit lebenden Menschen hat er es nicht so. Stattdessen geht der gebildete Mann mittleren Alters gerne ins Museum und betrachtet lange seine Lieblingsbilder und Skulpturen. Das sind vor allem die Frauenporträts. Zuhause kopiert er die Kunstwerke mittels Bildern aus dem Internet. Hubert genießt in Distanz, fühlt sich wohler zwischen Kopie (Kunstwerk), Kopie der Kopie (Internetbild des Kunstwerks) und Kopie der Kopie der Kopie (seine gemalten Kopien) als unter echten Menschen. Denen und vor allem den Frauen – der Dame aus dem Erdgeschoss, der Frau von Gegenüber – geht der schüchterne Junggeselle jedoch möglichst aus dem Weg. Wenn das nicht ganz gelingt, hält er sich zumindest sehr zurück in der ihm meist unangenehmen Begegnung. Aber zumindest eine der komplexen Distanzierungsebenen, die er zwischen sich und den Frauen aufbaut, wird er im Laufe der Geschichte langsam überwinden.
Gijsemans schildert den in seiner Isolation gefangenen Protagonisten mit feiner Akribie. Die in gedeckten Tönen gehaltenen Zeichnungen haben selber die unauffällige Erscheinung des Protagonisten, der sich vor dem Hintergrund farblich kaum absetzt, angenommen. Eine frühe Doppelseite in der Geschichte zeigt in einer unruhigen Collage, wie Hubert die Hektik und Unordnung der Wirklichkeit wohl wahrnimmt. Ihr zieht er die Ruhe des Museum vor. Auch Ben Gijsemans scheint dieser Ruhe zu erliegen und man hat immer wieder Sorge, dass er sich wie sein Protagonist in seinem leisen Ästhetizismus verlieren könnte. Die Bilder sind tatsächlich von ausgesuchter Schönheit, stehen aber immer im Dienst der Geschichte und entfalten in ihrer strenge eine Konzentration, die wahrscheinlich die für diese Geschichte einzig adäquate ist. Gijesemans ist ein großes Talent und man kann mit großer Hoffnung auf eine etwas längere und komplexere Geschichte von ihm warten (Jacoby & Stuart).