„Röhner“ von Max Baitinger

roehner

Klare Linien, Geometrie, Ordnung! Max Baitinger umreißt auf den ersten Seiten in wenigen Strichen und ebenso wenigen Worten die Welt seiner Hauptfigur P.. Die Wohnung, den Alltag, das Denken: „Kocher an“, „Kanne auf“, „Tank füllen“, „Sieb drauf“, „Kaffee rein“, „Nicht drücken!“, Rand säubern“, „Kanne zu“, Herdplatte“, „Ventil zur Wand“.

In Thomas Bernhardscher Knapp- und Klarheit wird der morgendliche Kaffee bereitet, wobei sich hier nicht nur der Ordnungswahn, sondern auch schon die lauernde Paranoia zeigt: „Ventil zur Wand“. Sicher ist sicher! P. lebt in seiner perfekt eingerichteten Wohnung vor sich hin, stets darauf bedacht, dass alles seine Ordnung hat. Nur ab und an dringt seine Nachbarin in dieses Refugium ein und stört den Ablauf. Als sich jedoch P.’s alter Bekannter Röhner ankündigt, hat P. schlimmste Vorahnungen. Wie bei dem Ventil der Espressokanne. Und in der Tat: Röhner fühlt sich während seines Besuches direkt wie zuhause und will dann auch gleich ein paar Tage bleiben. Aber der zurückgezogen lebende P. ist nicht nur kein Mann der Tat, er ist auch kein Mann der Worte. Für P. beginnt eine schwierige Zeit, in der er sich innerlich über Röhner ärgert und langwierige Überlegungen anstellt, wie er ihn wieder loswerden kann, ohne zu direkt werden zu müssen.

Max Baitinger hat für seine unspektakuläre Geschichte grandiose Illustrationen gefunden. In klaren Linien zirkelt er P.’s Lebensraum ab, um mit beeindruckenden Effekten die Störung und Auflösung desselben zu zelebrieren Während wir aus P.’s Perspektive erleben, wie Röhner langsam aber sicher seine Ordnung (zer-)stört, wird dem Leser in vielen Perspektivsprüngen die Differenz wischen P’s Innenwelt und der Wirklichkeit vorgeführt. Baitinger findet für all das eine faszinierende und zugleich äußerst schöne grafische Lösung. Die Deformationen seines Alltags, die fast alle ausschließlich P’s Geist entspringen, sind berauschend schön – irgendwo zwischen Dekonstruktion und Destruktion (Rotopol).