Berlinale Berichterstattung 2018 – Teil 3

„One for the Money, one for the Art“! Das Prinzip fährt Gus van Sant schon lange, dreht konventionelle, aber nicht bescheuerte Filme für das größere Publikum, um sich dann wieder kleinere, experimentellere Filme wie „Elephant“ oder „Paranoid Park zu gönnen. In den letzten Jahren waren es dann eher die größeren Filme, und so ist auch sein Biopic „Don‘t worry, he won‘t get far on foot““ über John Callahan, ein schwarzhumoriger Cartoonist, der durch einen Autounfall querschnittsgelähmt wird.
 
Dritter von vier Teilen meiner Berlinale-Berichterstattung für das Kaput-Magazin

Berlinale Berichterstattung 2018 – Teil 2

Das italienische Kino hat zwar einen hervorragenden Ruf, doch der baut vor allem auf den neorealistischen Filmen der Nachkriegszeit auf. Erst in den letzten Jahren haben Regisseure wie Paolo Sorrentino den guten Ruf des italienischen Films aktualisiert. Laura Bispuri steht der Tendenz mit „Figlia mia“ („Meine Tochter“) nicht im Weg.
 
Zweiter von vier Teilen meiner Berlinale-Berichterstattung für das Kaput-Magazin

Berlinale Berichterstattung 2018 – Teil 1

Wenn man von Köln aus die Berlinale besucht, dann hat man entweder gerade den Irrsinn des Karnevals hinter sich, oder fährt darauf zu, je nach kalendarischer Konstellation. In jedem Fall ist der Februar ein Double Feature mit zwei gut einwöchigen Filmen, die nun gar nicht zusammen passen wollen. Dass die Filme nicht unbedingt zusammenpassen, gilt für ein fast 400 Filme umfassendes Festival wie die Berlinale natürlich per se: Was man hier im extremen Fall im Zweistundentakt vor Augen hat, katapultiert einen durch Raum und Zeit und natürlich auch durch die unterschiedlichsten sozialen Schichten, durch alle möglichen Gattungen und Genres.
 
Erster von vier Teilen meiner Berlinale Berichterstattung für das Kaput-Magazin

Feinstofflickheit der Liebe
„Der seidene Faden“
von Paul Thomas Anderson


Was ist Kino? Was gehört ins Kino? Es sind diese Fragen, die immer wieder und vielleicht sogar immer öfter gestellt werden. Denn bei derart vielen Möglichkeiten Film, oder – um es etwas technischer auszudrücken –  Bewegtbild zu gucken, wird die Frage, was wohin gehört, wenn theoretisch alles überall gesehen werden kann, immer bedeutsamer. Zwischen Großleinwand im Kino und Handyscreen in der U-Bahn gibt es dann aber doch einen gar nicht so feinen Unterschied. Auch wenn die Idee, dass bestimmte Formate oder Ästhetiken nichts im Kino zu suchen haben, häufig nur elitär oder ökonomisch begründet wird, weil die Leinwände ob der vielen Neustarts ‚verstopfen‘, lässt sich bei einigen Filmen doch eindeutig aus ästhetischen Gründen sagen: Das gehört nicht auf einen Fernsehbildschirm und erst recht nicht auf einen Handyscreen. Der neue Film von Paul Thomas Anderson („Boogie Nights“, „Magnolia“, „There Will Be Blood“, „The Master“) ist ein solcher Film. Seine Qualitäten können sich nur im Kino auf der großen Leinwand voll entfalten.
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Weltverbesserung im Kleinen:
„Downsizing“ von Alexander Payne


 
Ein norwegisches Forscherteam hat eine absolut bizarre Lösung für die großen Probleme der Menschheit gefunden. Umweltverschmutzung, Überbevölkerung, Hungersnöte – alles abgehakt, nachdem das Team einem komplett konsterniertem Publikum die heilsbringende Lösung in Form geschrumpfter Menschen offeriert: Dem Forscherteam ist es gelungen, Menschen auf ein Zwölftel ihrer Größe zu schrumpfen und damit auch ihren Bedarf an Ressourcen und ihren Müll.
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Zwei Künstler-Dokumentationen:
„Julian Schnabel – A Private Portrait“ &
„Tony Conrad – Completely in the Present“


 
Was für ein Auftritt: Ein älterer Mann Mitte 60 schultert ein Kleinkind, stolziert über die Terrasse zur Steilklippe und stürzt sich – das Kind hat er inzwischen abgesetzt – aus Schwindel erregender Höhe elegant in die Tiefen des Meeres. Der Mann ist der Maler Julian Schnabel, das etwa zweijährige Kind sein jüngster Sohn und das Anwesen Schnabels Villa an der Küste Spaniens. Wenn ein antiquierter Begriff wie Malerfürst noch in die heutige Zeit passt, dann zu Schnabel und wie ihn die Eröffnungsszene des Dokumentarfilms Julian Schnabel – A Private Portrait des Regisseurs Pappi Corsicato präsentiert…
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Leidenschaft ohne Reue:
„Wie ich versuchte, ein guter Mensch
zu sein“ von Ulli Lust

Ulli Lust hat mit ihrem autobiografischen Graphic Novel-Debüt „Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens“ ihre Meisterschaft im visuellen Erzählen bezeugt und mit ihrer nicht minder gelungenen Adaption von Marcel Beyers Roman „Flughunde“ bewiesen, dass sie nicht nur aus ihrem eigenen Leben schöpfen kann. Insofern kann sie sich mit ihrem neuen Werk „Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein“ wieder in aller Ausführlichkeit einer Fortsetzung ihres Debüts widmen. „Leidenschaft ohne Reue:„Wie ich versuchte, ein guter Menschzu sein“ von Ulli Lust“ weiterlesen

Die Anmut der Vergänglichkeit:
„Leaning into the Wind – Andy Golsworthy“
von Thomas Ridelsheimer


 
Im Jahr 2001 arbeiteten der Dokumentarfilmer Thomas Riedelsheimer und der britische Land-Art-Künstler Andy Goldsworthy erstmals zusammen. Entstanden ist der Film „Rivers and Tides“. Das war lange vor den vielen ins Kino strömenden Naturdokus und zahlreichen „…von oben“-Erdoberfläche-Abfilmungen, die den Zuschauer mit bester Technik und neuen Kameraperspektiven ins Staunen versetzten. Was vielen dieser Filme ein wenig abging, war – abgesehen von einer Jetzt-mal-von-oben- oder Ganz-nah-dran-Überwältigungsästhetik – eine individuelle Erzählperspektive. Um die muss sich auch Regisseur Riedelsheimer nicht kümmern. Er kriegt sie von seinem Protagonisten frei Haus geliefert. Denn Andy Goldsworthy nimmt uns mit in die Natur und zugleich in seine Lebensphilosophie.
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Zwischen Mystik, Aufklärung und Betrug
„Stupor Mundi – Das Staunen der Welt“
von Néjib

Stupor Mundi, das war schon zu seinen Lebzeiten der Zusatzname von Friedrich II von Hohenstaufen (1194-1250), König von Sizilien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Trotz des Titels von Néjibs Comic „Stupor Mundi – Das Staunen der Welt“ ist aber nicht der König die Hauptfigur, sondern ein arabischer Gelehrter. „Zwischen Mystik, Aufklärung und Betrug„Stupor Mundi – Das Staunen der Welt“von Néjib“ weiterlesen

Willkür und Hilflosigkeit:
„Detroit“ von Kathryn Bigelow


 
Kathryn Bigelow ist von den bislang rund 90 mit einem Oscar geehrten Regisseuren die einzige Frau. Und sie ist eine der wenigen Regisseurinnen, die für ihre Actionfilme bekannt ist. Aber nicht nur das macht sie zu einer Ausnahmeerscheinung in Hollywood und insgesamt im Filmbusiness. Es sind auch ihre Filme, die sich zunehmend einer Einordnung entziehen.
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Girlfriend im Coma:
„The Big Sick“ von Michael Showalter


 
Mit 18 Jahren ist der in Pakistan geborene Kumail Nanjiani mit seiner Familie in die USA gekommen. Neben seinem Studium hat er sich mit zunehmendem Erfolg als Stand-up-Comedian versucht. Nach einigen Auftritten und einer eigenen Show war er ab 2014 in der HBO-Serie „Silicon Valley“ zu sehen. Seine pakistanische Herkunft humorvoll zu thematisieren, war nach eigenen Angaben spätestens seit 9/11 unumgänglich. Dass das auch in seinem ersten Spielfilm nicht anders ist, liegt unter anderem daran, dass sich Kumail Nanjiani dort selbst spielt.
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Integrität und Vertrauen:
„The Square“ von Ruben Östlund


 
Christian liegt ziemlich zerstört auf einem Sofa. Zwar trägt er einen eleganten Anzug, doch die Spuren der letzten Nacht sind ihm deutlich anzusehen. Es ist sein Büro, in dem er liegt, in einem Museum in Stockholm, dessen Direktor er ist. Von der Stimme seiner Assistentin wird er ruhig, aber bestimmt daran erinnert, dass jetzt ein Interview mit einer amerikanischen Journalistin ansteht. Wenige Minuten später sieht er wieder ganz manierlich aus und erzählt der Journalistin eloquent von kunsttheoretischen Ansätzen und moralischen Maximen. Ein Mensch, zwei Räume, zwei Rollen …
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Bröckelnde Fassade:
„Happy End“ von Michael Haneke


 
Es wirkt zunächst wie ein Videotagebuch: Ein Mädchen filmt in der eigenen Wohnung die Mutter und hält deren abendliches Zu-Bett-Gehen fest, zeigt sie beim Mittagsschlaf oder in der Küche. Schon bald wird klar, das hier kein Familienidyll zu sehen ist. Die Mutter ist schwer depressiv und medikamentenabhängig, das Mädchen Eva (Fantine Harduin) füttert den eigenen Hamster mit Antidepressiva – dysfunktional ist gar kein Ausdruck dafür.
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Seelenverwandte Gegensätze:
„Körper und Seele“ von Ildikó Enyedi


 
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Aseptisch schwebt Mária (Alexandra Borbély) mit ihrer hellen Haut und den sehr, sehr blonden Haaren zaghaft durch die Gänge ihres neuen Arbeitsplatzes – einer Schlachterei. Die handfeste Belegschaft beäugt die neue Fleischkontrolleurin skeptisch. Es ist offensichtlich, dass sie nicht hierher passt. Während die Mitarbeiter in den Pausen gerne Zoten reißen, nachdem sie die Rinder fachgerecht getötet und zerlegt haben, ist die Neue steif wie ein Brett und weicht allen Angeboten zur Geselligkeit aus …
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Comic & Pop: Lautes Papier

„Popmusik und Comic sind schon lange befreundet, aber unkompliziert ist die Sache nicht. Beide interessieren sich füreinander und erbringen auch regelmäßig Liebesbeweise. Doch der Comic tut sich damit ungleich schwerer: Das Plattencover ist aus Papier, der Comic aber hat keine Tonspur.“
Ein achtseitiges Special zum Thema Popmusik und Comic für die Septemberausgabe des Musik Express.

Archetypen der Männlichkeit:
„Western“ von Valeska Grisebach


 
Trocken ist es, die Hitze flirrt über den Hügeln, über die ein Trupp aus deutschen Bauarbeitern gelangweilt blickt. Die Kolonne soll hier ein Wasserkraftwerk bauen. Doch schnell stellt sich heraus, dass das Vorhaben unter keinem guten Stern steht. Es gibt kaum Wasser, und der bestellte Kies kommt auch nicht an. Also gehen die Männer im Fluss baden, chillen auf der Terrasse, wo eine Deutschlandfahne gehisst wurde, und werfen sich alberne Sprüche zu. Der Chef Vincent (Reinhardt Wetrek) steht im Mittelpunkt dieses Rudels, während sich Meinhard (Meinhard Neumann) zunehmend von der Gruppe abwendet und stattdessen Kontakt zu den Bewohnern des nahe liegenden Dorfs aufnimmt, ohne ein Wort ihrer Sprache zu verstehen. Was ihn antreibt, weiß er wohl selber nicht genau …
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Resolutes Regiment:
„Die Verführten“ von Sofia Coppola


 
Ein kleines Mädcheninternat in Virginia. Im Jahr 1864, drei Jahre nach Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs, ist die Südstaaten-Villa ein letzter Zufluchtsort, in dem vom Krieg noch nichts zu spüren ist außer hier und da leisen Kanonenschüssen und vorbeiziehenden Südstaatlern. Der Alltag im Farnsworth Seminary, einer typischen Südstaaten-Villa im klassizistischen Stil des Greek Revival mit weißen Säulen an der Frontseite, läuft in streng geordneten Bahnen zwischen Hausarbeit, Gartenarbeit, Schulstunden, Musikunterricht und den Mahlzeiten.
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