Integrität und Vertrauen:
„The Square“ von Ruben Östlund


 
Christian liegt ziemlich zerstört auf einem Sofa. Zwar trägt er einen eleganten Anzug, doch die Spuren der letzten Nacht sind ihm deutlich anzusehen. Es ist sein Büro, in dem er liegt, in einem Museum in Stockholm, dessen Direktor er ist. Von der Stimme seiner Assistentin wird er ruhig, aber bestimmt daran erinnert, dass jetzt ein Interview mit einer amerikanischen Journalistin ansteht. Wenige Minuten später sieht er wieder ganz manierlich aus und erzählt der Journalistin eloquent von kunsttheoretischen Ansätzen und moralischen Maximen. Ein Mensch, zwei Räume, zwei Rollen …
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Bröckelnde Fassade:
„Happy End“ von Michael Haneke


 
Es wirkt zunächst wie ein Videotagebuch: Ein Mädchen filmt in der eigenen Wohnung die Mutter und hält deren abendliches Zu-Bett-Gehen fest, zeigt sie beim Mittagsschlaf oder in der Küche. Schon bald wird klar, das hier kein Familienidyll zu sehen ist. Die Mutter ist schwer depressiv und medikamentenabhängig, das Mädchen Eva (Fantine Harduin) füttert den eigenen Hamster mit Antidepressiva – dysfunktional ist gar kein Ausdruck dafür.
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Seelenverwandte Gegensätze:
„Körper und Seele“ von Ildikó Enyedi


 
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Aseptisch schwebt Mária (Alexandra Borbély) mit ihrer hellen Haut und den sehr, sehr blonden Haaren zaghaft durch die Gänge ihres neuen Arbeitsplatzes – einer Schlachterei. Die handfeste Belegschaft beäugt die neue Fleischkontrolleurin skeptisch. Es ist offensichtlich, dass sie nicht hierher passt. Während die Mitarbeiter in den Pausen gerne Zoten reißen, nachdem sie die Rinder fachgerecht getötet und zerlegt haben, ist die Neue steif wie ein Brett und weicht allen Angeboten zur Geselligkeit aus …
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Comic & Pop: Lautes Papier

„Popmusik und Comic sind schon lange befreundet, aber unkompliziert ist die Sache nicht. Beide interessieren sich füreinander und erbringen auch regelmäßig Liebesbeweise. Doch der Comic tut sich damit ungleich schwerer: Das Plattencover ist aus Papier, der Comic aber hat keine Tonspur.“
Ein achtseitiges Special zum Thema Popmusik und Comic für die Septemberausgabe des Musik Express.

Archetypen der Männlichkeit:
„Western“ von Valeska Grisebach


 
Trocken ist es, die Hitze flirrt über den Hügeln, über die ein Trupp aus deutschen Bauarbeitern gelangweilt blickt. Die Kolonne soll hier ein Wasserkraftwerk bauen. Doch schnell stellt sich heraus, dass das Vorhaben unter keinem guten Stern steht. Es gibt kaum Wasser, und der bestellte Kies kommt auch nicht an. Also gehen die Männer im Fluss baden, chillen auf der Terrasse, wo eine Deutschlandfahne gehisst wurde, und werfen sich alberne Sprüche zu. Der Chef Vincent (Reinhardt Wetrek) steht im Mittelpunkt dieses Rudels, während sich Meinhard (Meinhard Neumann) zunehmend von der Gruppe abwendet und stattdessen Kontakt zu den Bewohnern des nahe liegenden Dorfs aufnimmt, ohne ein Wort ihrer Sprache zu verstehen. Was ihn antreibt, weiß er wohl selber nicht genau …
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Resolutes Regiment:
„Die Verführten“ von Sofia Coppola


 
Ein kleines Mädcheninternat in Virginia. Im Jahr 1864, drei Jahre nach Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs, ist die Südstaaten-Villa ein letzter Zufluchtsort, in dem vom Krieg noch nichts zu spüren ist außer hier und da leisen Kanonenschüssen und vorbeiziehenden Südstaatlern. Der Alltag im Farnsworth Seminary, einer typischen Südstaaten-Villa im klassizistischen Stil des Greek Revival mit weißen Säulen an der Frontseite, läuft in streng geordneten Bahnen zwischen Hausarbeit, Gartenarbeit, Schulstunden, Musikunterricht und den Mahlzeiten.
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Schönes Monster Pubertät:
„Pssst!“ von Annette Herzog & Katrine Clante

Viola – das erkennen wir Leser sofort – steckt mitten in der Pubertät. Viola selber ist das natürlich nicht so klar. Eigentlich ist für die Fünftklässlerin im Augenblick gar nichts so richtig klar. Ihre Eltern leben getrennt. Sie wohnt zur Hälfte bei der Mutter in der Stadt, zur anderen Hälfte bei ihrem Vater auf dem Land. Für die einen ist sie eine arrogante Städterin, für die anderen ein Landei. Und das geht auf allen Ebenen so weiter: Die Mitschüler halten sie für ängstlich, die Eltern für zu waghalsig, die einen finden sie zu still, die anderen zu laut. Und dann ändert sich auch noch ihr Körper. «Wer bin ich eigentlich?», fragt sich Viola, und wundert sich sogleich über die Frage, weil sie sich ja, genau genommen, am besten kennen müsste. „Schönes Monster Pubertät:„Pssst!“ von Annette Herzog & Katrine Clante“ weiterlesen

Krieg in den Städten:
„Innen Leben“ von Philippe Van Leeuw


 
Oum Yazan (Hiam Abbass) hat Haus und Familie fest im Griff. Das resolute Familienoberhaupt dirigiert und kommandiert die Mitbewohner mit strengem Ton. Dass ihr das gelingt, ist umso unglaublicher, da außerhalb der Wohnung das reinste Chaos herrscht. In der gutbürgerlichen Wohnung in Damaskus lebt sie eigentlich mit ihrem Mann und den drei Kindern Yara, Aliya und Yazan sowie ihrem Schwiegervater. Doch vor der Tür tobt der Bürgerkrieg …
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Verheddert in Raum und Zeit:
„Patience“ von Daniel Clowes

In der Natur von Zeitreisegeschichten liegt es, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem man entweder ständig nach dem logischen Bruch sucht oder komplett den Durchblick verliert. Vielleicht ist auch das eine die Folge des anderen, oder umgekehrt. Wenn keines von beidem passiert, obwohl die in der Zeit herumspringende Story dazu Anlass gibt, dann liegt das eventuell daran, dass man viel zu sehr mit den Figuren und ihren Schicksalen beschäftigt ist, als dass man noch Zeit hätte, sich in Zeitschlaufen zu verheddern oder Lust hätte, Logikbrüche aufzudecken. „Verheddert in Raum und Zeit:„Patience“ von Daniel Clowes“ weiterlesen

Dreieck der Standpunktbestimmung:
„Jahrhundertfrauen“ von Mike Mills


 
Hört die Kindheit endgültig auf, wenn der Wagen, mit dem man als Neugeborener von der Klinik nach Hause gefahren wurde, in Flammen aufgeht? Fast hat es den Anschein, denn als der 15-jährige Jamie (Lucas Jade Zumann) an diesem Tag auf dem Parkplatz den alten Ford seiner Mutter Dorothy (Annette Bening) in Flammen aufgehen sieht und sie daraufhin die netten Männer von der Feuerwehr zum Dinner einlädt, keimt in ihr ein Plan: Jamie soll ein guter, moderner, einfühlsamer Mann werden. Doch einen Vater als Vorbild gibt es nicht, und sie selber hat in letzter Zeit das Gefühl, den Kontakt zu ihrem pubertierenden Sohn zu verlieren. Also wendet sich Dorothy an die Frauen, die Jamie am nächsten stehen …
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„Denk ich an Deutschland in der Nacht“
von Romuald Karmakar


 
Die Szenerie erinnert an ein in die Jahre gekommenes Raumschiff: Im Hintergrund steht ein riesiges Rack mit blinkenden elektronischen Geräten in einem unüberschaubaren Kabelgewirr, im Vordergrund noch mehr Technik und Kabelsalat. Dazwischen sitzt Ricardo Villalobos lässig auf einem Drehstuhl neben imposanten Lautsprechern, die wie riesige weiße Megaphone aussehen und Kubricks A Space Odyssee entstammen könnten …
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„Gimme Danger“ von Jim Jarmusch


 
Wie ein hysterisches Äffchen hüpft er rum, windet sich dann auf dem Boden wie angeschossen, lutscht und saugt am Mikrophon und wandert schließlich mit nacktem Oberkörper, silbernen Handschuhen und rotem Hundehalsband über ein Meer aus Leibern. James Osterberg mutiert auf der Bühne zu einem ekstatischen Wesen, halb in Trance, aber mit sensationeller Körperbeherrschung.. .
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Wortkarge Hilfsbereitschaft:
„Auf der anderen Seite der Hoffnung“
von Aki Kaurismäki


 
Wie ein schwarzes Gespenst taucht Khaled (Sherwan Haji) zu Beginn des Films auf: Der junge Syrer ist mit einem Frachtschiff nicht ganz freiwillig im Hafen der finnischen Hauptstadt Helsinki gelandet. Nachdem er sich auf dem Schiff aus einem Kohleberg befreit hat, schleicht er nachts über die leeren Straßen der Stadt und wird dabei fast von Wikström (Sakari Kuosmanen) angefahren. Der Vertreter für Hemden hat gerade sein Lager geräumt und seine alkoholsüchtige Frau verlassen, um einen Neuanfang als Restaurantbesitzer zu wagen. Später werden die beiden ungleichen Männer dann wirklich handfest aufeinanderprallen …
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Groteske Politparabel:
„Hier selbst“ von Jacques Tardi

Der französische Comiczeichner Jacques Tardi hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten zunehmend den Gräueln der Weltkriege gewidmet. Aber auch Romanadaptionen – gerne Krimis – gehören zu seinem Spätwerk. Mitunter arbeitet er aber auch exklusiv mit Autoren zusammen, um eine neue Geschichte zu erzählen. Ein frühes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit ist „Hier selbst“ aus dem Jahr 1979, das zum 35-jährigen Jubiläums des Verlags Edition Moderne nach 27 (!) Jahren in einer zweiten Auflage erscheint und somit nun endlich wieder lieferbar ist. Es wurde Zeit: Das mit 200 Seiten opulente, großformatige Werk – ursprünglich in der Tradition des Fortsetzungsromans in einzelnen Kapiteln erschienen und ohne Gesamtkonzept genau so Kapitel für Kapitel entwickelt – besticht durch seine surreale Kapitalismuskritik von Jean-Claude Forest und Tardis wunderbar eigenwillige Schwarzweiss-Zeichnungen, die ihn schon hier unverwechselbar machen. „Groteske Politparabel:„Hier selbst“ von Jacques Tardi“ weiterlesen

Dunkler als Blau:
„Moonlight“ von Barry Jenkins


 
Seit dem vergangenen Jahr kommen zunehmend amerikanische Filme in die deutschen Kinos, die vom Schicksal der Schwarzen in den USA erzählen – im Allgemeinen und im Speziellen. Und das häufig mit einem all-black Cast. Anders als z.B. in türkischen Filmen, die regelmäßig in den Multiplexen laufen, sieht man das selten in unseren Kinos, weil dafür aus demografischen Gründen kein Markt gesehen wird …
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Spiel mit den Regeln:
„Nimona“ von Noelle Stevenson

Auf „Nimona“ können sich alle einigen: Das funny Superhelden-Fantasy-Ritter-Epos der jungen Amerikanerin Noelle Stevenson spielt klug mit den Regeln der Genres: moralisch Fragen nach Gut und Böse sowie Figurenzeichnung und Erzählform werden hier unorthodox verhandelt bzw. auf den Kopf gestellt, und das mit einer entwaffnenden Spielfreude und Fabulierkunst. „Spiel mit den Regeln:„Nimona“ von Noelle Stevenson“ weiterlesen

Sentimentale Action:
T2 – Trainspotting“ von Danny Boyle (Berlinale 2017)


 
Das kann richtig schiefgehen! Einen Kultfilm mit einer Fortsetzung wiederzubeleben, ist ein großes Risiko. Danny Boyle hat 1996 mit der Verfilmung von Irvine Welshs gleichnamigem Junkie-Roman aus dem Jahr 1993 einen Hit gelandet. Seinen Darstellern, allen voran Ewan McGregor, bescherte der Film Ruhm. Und auch für ihn selber bedeutete der Erfolg von „Trainspotting“ nach seinem ersten Achtungserfolg „Kleine Morde unter Freunden“ den Durchbruch und Beginn einer großen Karriere. Der Film selber ist schnell zum Kultfilm avanciert …
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