Schönes Monster Pubertät:
„Pssst!“ von Annette Herzog & Katrine Clante

Viola – das erkennen wir Leser sofort – steckt mitten in der Pubertät. Viola selber ist das natürlich nicht so klar. Eigentlich ist für die Fünftklässlerin im Augenblick gar nichts so richtig klar. Ihre Eltern leben getrennt. Sie wohnt zur Hälfte bei der Mutter in der Stadt, zur anderen Hälfte bei ihrem Vater auf dem Land. Für die einen ist sie eine arrogante Städterin, für die anderen ein Landei. Und das geht auf allen Ebenen so weiter: Die Mitschüler halten sie für ängstlich, die Eltern für zu waghalsig, die einen finden sie zu still, die anderen zu laut. Und dann ändert sich auch noch ihr Körper. «Wer bin ich eigentlich?», fragt sich Viola, und wundert sich sogleich über die Frage, weil sie sich ja, genau genommen, am besten kennen müsste. „Schönes Monster Pubertät:„Pssst!“ von Annette Herzog & Katrine Clante“ weiterlesen

Krieg in den Städten:
„Innen Leben“ von Philippe Van Leeuw


 
Oum Yazan (Hiam Abbass) hat Haus und Familie fest im Griff. Das resolute Familienoberhaupt dirigiert und kommandiert die Mitbewohner mit strengem Ton. Dass ihr das gelingt, ist umso unglaublicher, da außerhalb der Wohnung das reinste Chaos herrscht. In der gutbürgerlichen Wohnung in Damaskus lebt sie eigentlich mit ihrem Mann und den drei Kindern Yara, Aliya und Yazan sowie ihrem Schwiegervater. Doch vor der Tür tobt der Bürgerkrieg …
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Verheddert in Raum und Zeit:
„Patience“ von Daniel Clowes

In der Natur von Zeitreisegeschichten liegt es, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem man entweder ständig nach dem logischen Bruch sucht oder komplett den Durchblick verliert. Vielleicht ist auch das eine die Folge des anderen, oder umgekehrt. Wenn keines von beidem passiert, obwohl die in der Zeit herumspringende Story dazu Anlass gibt, dann liegt das eventuell daran, dass man viel zu sehr mit den Figuren und ihren Schicksalen beschäftigt ist, als dass man noch Zeit hätte, sich in Zeitschlaufen zu verheddern oder Lust hätte, Logikbrüche aufzudecken. „Verheddert in Raum und Zeit:„Patience“ von Daniel Clowes“ weiterlesen

Dreieck der Standpunktbestimmung:
„Jahrhundertfrauen“ von Mike Mills


 
Hört die Kindheit endgültig auf, wenn der Wagen, mit dem man als Neugeborener von der Klinik nach Hause gefahren wurde, in Flammen aufgeht? Fast hat es den Anschein, denn als der 15-jährige Jamie (Lucas Jade Zumann) an diesem Tag auf dem Parkplatz den alten Ford seiner Mutter Dorothy (Annette Bening) in Flammen aufgehen sieht und sie daraufhin die netten Männer von der Feuerwehr zum Dinner einlädt, keimt in ihr ein Plan: Jamie soll ein guter, moderner, einfühlsamer Mann werden. Doch einen Vater als Vorbild gibt es nicht, und sie selber hat in letzter Zeit das Gefühl, den Kontakt zu ihrem pubertierenden Sohn zu verlieren. Also wendet sich Dorothy an die Frauen, die Jamie am nächsten stehen …
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„Denk ich an Deutschland in der Nacht“
von Romuald Karmakar


 
Die Szenerie erinnert an ein in die Jahre gekommenes Raumschiff: Im Hintergrund steht ein riesiges Rack mit blinkenden elektronischen Geräten in einem unüberschaubaren Kabelgewirr, im Vordergrund noch mehr Technik und Kabelsalat. Dazwischen sitzt Ricardo Villalobos lässig auf einem Drehstuhl neben imposanten Lautsprechern, die wie riesige weiße Megaphone aussehen und Kubricks A Space Odyssee entstammen könnten …
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„Gimme Danger“ von Jim Jarmusch


 
Wie ein hysterisches Äffchen hüpft er rum, windet sich dann auf dem Boden wie angeschossen, lutscht und saugt am Mikrophon und wandert schließlich mit nacktem Oberkörper, silbernen Handschuhen und rotem Hundehalsband über ein Meer aus Leibern. James Osterberg mutiert auf der Bühne zu einem ekstatischen Wesen, halb in Trance, aber mit sensationeller Körperbeherrschung.. .
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Wortkarge Hilfsbereitschaft:
„Auf der anderen Seite der Hoffnung“
von Aki Kaurismäki


 
Wie ein schwarzes Gespenst taucht Khaled (Sherwan Haji) zu Beginn des Films auf: Der junge Syrer ist mit einem Frachtschiff nicht ganz freiwillig im Hafen der finnischen Hauptstadt Helsinki gelandet. Nachdem er sich auf dem Schiff aus einem Kohleberg befreit hat, schleicht er nachts über die leeren Straßen der Stadt und wird dabei fast von Wikström (Sakari Kuosmanen) angefahren. Der Vertreter für Hemden hat gerade sein Lager geräumt und seine alkoholsüchtige Frau verlassen, um einen Neuanfang als Restaurantbesitzer zu wagen. Später werden die beiden ungleichen Männer dann wirklich handfest aufeinanderprallen …
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Groteske Politparabel:
„Hier selbst“ von Jacques Tardi

Der französische Comiczeichner Jacques Tardi hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten zunehmend den Gräueln der Weltkriege gewidmet. Aber auch Romanadaptionen – gerne Krimis – gehören zu seinem Spätwerk. Mitunter arbeitet er aber auch exklusiv mit Autoren zusammen, um eine neue Geschichte zu erzählen. Ein frühes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit ist „Hier selbst“ aus dem Jahr 1979, das zum 35-jährigen Jubiläums des Verlags Edition Moderne nach 27 (!) Jahren in einer zweiten Auflage erscheint und somit nun endlich wieder lieferbar ist. Es wurde Zeit: Das mit 200 Seiten opulente, großformatige Werk – ursprünglich in der Tradition des Fortsetzungsromans in einzelnen Kapiteln erschienen und ohne Gesamtkonzept genau so Kapitel für Kapitel entwickelt – besticht durch seine surreale Kapitalismuskritik von Jean-Claude Forest und Tardis wunderbar eigenwillige Schwarzweiss-Zeichnungen, die ihn schon hier unverwechselbar machen. „Groteske Politparabel:„Hier selbst“ von Jacques Tardi“ weiterlesen

Dunkler als Blau:
„Moonlight“ von Barry Jenkins


 
Seit dem vergangenen Jahr kommen zunehmend amerikanische Filme in die deutschen Kinos, die vom Schicksal der Schwarzen in den USA erzählen – im Allgemeinen und im Speziellen. Und das häufig mit einem all-black Cast. Anders als z.B. in türkischen Filmen, die regelmäßig in den Multiplexen laufen, sieht man das selten in unseren Kinos, weil dafür aus demografischen Gründen kein Markt gesehen wird …
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Spiel mit den Regeln:
„Nimona“ von Noelle Stevenson

Auf „Nimona“ können sich alle einigen: Das funny Superhelden-Fantasy-Ritter-Epos der jungen Amerikanerin Noelle Stevenson spielt klug mit den Regeln der Genres: moralisch Fragen nach Gut und Böse sowie Figurenzeichnung und Erzählform werden hier unorthodox verhandelt bzw. auf den Kopf gestellt, und das mit einer entwaffnenden Spielfreude und Fabulierkunst. „Spiel mit den Regeln:„Nimona“ von Noelle Stevenson“ weiterlesen

Sentimentale Action:
T2 – Trainspotting“ von Danny Boyle (Berlinale 2017)


 
Das kann richtig schiefgehen! Einen Kultfilm mit einer Fortsetzung wiederzubeleben, ist ein großes Risiko. Danny Boyle hat 1996 mit der Verfilmung von Irvine Welshs gleichnamigem Junkie-Roman aus dem Jahr 1993 einen Hit gelandet. Seinen Darstellern, allen voran Ewan McGregor, bescherte der Film Ruhm. Und auch für ihn selber bedeutete der Erfolg von „Trainspotting“ nach seinem ersten Achtungserfolg „Kleine Morde unter Freunden“ den Durchbruch und Beginn einer großen Karriere. Der Film selber ist schnell zum Kultfilm avanciert …
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Dialektik der Aufgeklärten (Forushande):
„The Salesman“ von Asghar Farhadi


 
Ein Schreck in der Nacht: Alle Bewohner eines Teheraner Mietshauses müssen Hals über Kopf ihre Wohnungen verlassen. Unter ihnen ist auch das Ehepaar Emad und Rana. Zunächst glauben sie, ein Erdbeben erschüttere das Wohnhaus. Doch dann stellen sie fest, dass ein Bagger, der auf dem Nachbargrundstück für das Fundament eines Neubaus gräbt, das Fundament des eigenen Hauses massiv beschädigt hat. Als man am nächsten Morgen zurückkehrt, wird klar, dass das Haus nicht mehr bewohnbar ist. Alle Mieter, auch Emad und Rana, müssen sich eine neue Bleibe suchen …
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So nah und doch so fern:
„Einfach das Ende der Welt“
von Xavier Dolan

 

Wohin die Reise geht, und wer da reist, das erzählt uns Xavier Dolan in seinem neuen Film „Einfach das Ende der Welt“ gleich mit der ersten Szene: In einer von Musik unterlegten Parallelmontage sehen wir zum Einen einen eleganten, jungen Mann Anfang Dreißig in einem Taxi. Zum Anderen fängt die Kamera ein, was sein Blick aus dem Fenster auf der Fahrt erhascht: trostlose Schaufenster, Vorortsiedlungen der unteren Mittelschicht, Brachland, Tristesse. Das Eine mag zum Anderen nicht recht passen. Und doch gehört es zusammen. „So nah und doch so fern:„Einfach das Ende der Welt“von Xavier Dolan“ weiterlesen

Strich für Strich zurück ins Leben:
„Die Leichtigkeit“ von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit – Catherine Meurisse hat sie sich mühevoll erarbeitet. Sie hat das Trauma des Anschlags auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ nicht nur überlebt, sie lebt wieder. Doch die Welt ist keine bessere geworden. Am Abend vor der Veröffentlichung der deutschen Ausgabe ihres Comics forderte in Berlin ein Anschlag zwölf Tote und knapp 50 Verletzte …
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Schatten der Vergangenheit:
„Nocturnal Animals“ von Tom Ford

 

Tom Ford scheint nach seinem gefeierten Debüt „A Single Man“ nun zugleich zwei Filme ins Kino zu bringen. Der eine Film erzählt von der latent unglücklichen Kunsthändlerin Susan (Amy Adams). Sie lebt mit ihrem Ehemann Hutton (Armie Hammer) in einer schicken Villa mit Blick über Los Angeles. Hutton scheint gerade kurz vor der Insolvenz zu stehen, aber seine Sorgen und was ihn sonst noch umtreibt teilt er nicht mit Susan. Die hat zwar Erfolg im Beruf, fühlt sich aber einsam und leer. Die gemeinsame Tochter lebt längst ihr eigenes Leben. „Schatten der Vergangenheit:„Nocturnal Animals“ von Tom Ford“ weiterlesen

Unsoziale Willkür:
„Ich, Daniel Blake“ von Ken Loach

 

Um mehr Transparenz in die Arbeit der Jobcenter zu bringen, hat die Internetplattform FragDenStaat.de im Oktober die Aktion FragDasJobcenter ins Leben gerufen. Dort können User die fragwürdigen Zielvereinbarungen und Weisungen der Jobcenter anfragen. Denn dass die Behörden vor allem die Arbeitslosenstatistiken bereinigen sollen und dabei auch noch möglichst viel Geld durch oft willkürlich vollstreckte Sanktionen sparen sollen, haben zahlreiche absurd anmutende Fallbeispiele aus der jüngeren Zeit gezeigt. Hat man Ken Loachs neuen Film gesehen, kann man davon ausgehen, dass das in England nicht besser aussieht. „Unsoziale Willkür: „Ich, Daniel Blake“ von Ken Loach“ weiterlesen