Dialektik der Aufgeklärten (Forushande):
„The Salesman“ von Asghar Farhadi


 
Ein Schreck in der Nacht: Alle Bewohner eines Teheraner Mietshauses müssen Hals über Kopf ihre Wohnungen verlassen. Unter ihnen ist auch das Ehepaar Emad und Rana. Zunächst glauben sie, ein Erdbeben erschüttere das Wohnhaus. Doch dann stellen sie fest, dass ein Bagger, der auf dem Nachbargrundstück für das Fundament eines Neubaus gräbt, das Fundament des eigenen Hauses massiv beschädigt hat. Als man am nächsten Morgen zurückkehrt, wird klar, dass das Haus nicht mehr bewohnbar ist. Alle Mieter, auch Emad und Rana, müssen sich eine neue Bleibe suchen …
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So nah und doch so fern:
„Einfach das Ende der Welt“
von Xavier Dolan

 

Wohin die Reise geht, und wer da reist, das erzählt uns Xavier Dolan in seinem neuen Film „Einfach das Ende der Welt“ gleich mit der ersten Szene: In einer von Musik unterlegten Parallelmontage sehen wir zum Einen einen eleganten, jungen Mann Anfang Dreißig in einem Taxi. Zum Anderen fängt die Kamera ein, was sein Blick aus dem Fenster auf der Fahrt erhascht: trostlose Schaufenster, Vorortsiedlungen der unteren Mittelschicht, Brachland, Tristesse. Das Eine mag zum Anderen nicht recht passen. Und doch gehört es zusammen. „So nah und doch so fern:„Einfach das Ende der Welt“von Xavier Dolan“ weiterlesen

Strich für Strich zurück ins Leben:
„Die Leichtigkeit“ von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit – Catherine Meurisse hat sie sich mühevoll erarbeitet. Sie hat das Trauma des Anschlags auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ nicht nur überlebt, sie lebt wieder. Doch die Welt ist keine bessere geworden. Am Abend vor der Veröffentlichung der deutschen Ausgabe ihres Comics forderte in Berlin ein Anschlag zwölf Tote und knapp 50 Verletzte …
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Schatten der Vergangenheit:
„Nocturnal Animals“ von Tom Ford

 

Tom Ford scheint nach seinem gefeierten Debüt „A Single Man“ nun zugleich zwei Filme ins Kino zu bringen. Der eine Film erzählt von der latent unglücklichen Kunsthändlerin Susan (Amy Adams). Sie lebt mit ihrem Ehemann Hutton (Armie Hammer) in einer schicken Villa mit Blick über Los Angeles. Hutton scheint gerade kurz vor der Insolvenz zu stehen, aber seine Sorgen und was ihn sonst noch umtreibt teilt er nicht mit Susan. Die hat zwar Erfolg im Beruf, fühlt sich aber einsam und leer. Die gemeinsame Tochter lebt längst ihr eigenes Leben. „Schatten der Vergangenheit:„Nocturnal Animals“ von Tom Ford“ weiterlesen

Unsoziale Willkür:
„Ich, Daniel Blake“ von Ken Loach

 

Um mehr Transparenz in die Arbeit der Jobcenter zu bringen, hat die Internetplattform FragDenStaat.de im Oktober die Aktion FragDasJobcenter ins Leben gerufen. Dort können User die fragwürdigen Zielvereinbarungen und Weisungen der Jobcenter anfragen. Denn dass die Behörden vor allem die Arbeitslosenstatistiken bereinigen sollen und dabei auch noch möglichst viel Geld durch oft willkürlich vollstreckte Sanktionen sparen sollen, haben zahlreiche absurd anmutende Fallbeispiele aus der jüngeren Zeit gezeigt. Hat man Ken Loachs neuen Film gesehen, kann man davon ausgehen, dass das in England nicht besser aussieht. „Unsoziale Willkür: „Ich, Daniel Blake“ von Ken Loach“ weiterlesen

Beobachtung zweiter Ordnung:
„Paterson“ von Jim Jarmusch

 

Will man das: So heißen wie die Stadt, in der man wohnt? Das ist in etwa so, als stünde man mit einem rotbraunen Anzug vor einer Backsteinmauer. Genau so unscheinbar ist Paterson (Adam Driver /„Star Wars“, „Frances Ha“), der Protagonist des neuen Films von Jim Jarmusch. Der heißt nicht nur wie der Film, sondern eben auch wie die Stadt, in der er wohnt und durch die er sich unauffällig bewegt. Den Ort gibt es wirklich: 150.000 Einwohner leben hier. Mit den Great Falls des Passaic River gibt es einen beachtlichen Wasserfall, den aber angesichts der trostlosen Umgebung nur wenige Touristen aufsuchen dürften. „Beobachtung zweiter Ordnung:„Paterson“ von Jim Jarmusch“ weiterlesen

Zwischen Wut und Trauer:
„Die Ökonomie der Liebe“
von Joachim Lafosse

 

Es gibt Regeln und die müssen eingehalten werden. Zum Beispiel, an welchem Tag man für die Kinder, die Zwillinge Jade und Margaux, da zu sein hat. Heute ist Marie zuständig, aber plötzlich platzt Boris herein und bringt alles durcheinander. Der Ablauf gerät aus den Fugen: Die Kinder freuen sich über Papa, machen aber nicht mehr, was Mama sagt. Marie ist genervt, es kommt zum Streit. Die beiden sind seit 15 Jahren verheiratet und leben mit ihren Töchtern in einer schicken Eigentumswohnung mit pittoreskem Kopfsteinpflasterhof. Nun haben sich Boris und Marie für eine Trennung entschieden. Dass sie immer noch zusammen wohnen, liegt daran, dass die gemeinsame Wohnung Marie gehört und Boris sich keine eigene Wohnung leisten kann. „Zwischen Wut und Trauer:„Die Ökonomie der Liebe“von Joachim Lafosse“ weiterlesen

Fragmentierte Körper der Liebe:
„Swiss Army Man“
von Daniel Kwan & Daniel Scheinert

 

Splatterkomödie? Buddy-Movie oder Body-Movie? Vielleicht auch tragikomische Fantasy? Man sollte erst gar nicht versuchen, „Swiss Army Man“ zu kategorisieren. Einen Film wie diesen, über den vorab nicht allzu viel verraten werden darf, hat man bestimmt noch nicht gesehen: Hank (Paul Dano) sieht mit seinen langen Haaren, dem Bart und den ramponierten Klamotten ein wenig aus wie ein moderner Robinson Crusoe. Und in der Tat: Er scheint auf einer kleinen, einsamen Insel gestrandet zu sein. Seit Tagen schickt er Plastikflaschen mit Botschaften auf das weite Meer. Doch dann verliert er die Hoffnung auf Rettung und versucht, sich zu erhängen. Als er schon baumelt, sieht er jemanden am Strand liegen. Hank kann seinen Hals gerade noch aus der Schlinge ziehen. „Fragmentierte Körper der Liebe:„Swiss Army Man“von Daniel Kwan & Daniel Scheinert“ weiterlesen

„Röhner“ von Max Baitinger

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Klare Linien, Geometrie, Ordnung! Max Baitinger umreißt auf den ersten Seiten in wenigen Strichen und ebenso wenigen Worten die Welt seiner Hauptfigur P.. Die Wohnung, den Alltag, das Denken: „Kocher an“, „Kanne auf“, „Tank füllen“, „Sieb drauf“, „Kaffee rein“, „Nicht drücken!“, Rand säubern“, „Kanne zu“, Herdplatte“, „Ventil zur Wand“. „„Röhner“ von Max Baitinger“ weiterlesen

„Eight Days a Week: The touring Years“
von Ron Howard

Washington Coliseum, Washington D.C. February 1964

Mehrere tausend kreischende Mädchen kurz vor der Ohnmacht, auf einer kleinen Bühne davor vier adrett gekleidete Jungs mit ihren Instrumenten, charmant lächelnd: Die Bilder der Beatlemania sind allseits bekannt und sitzen fest in unserem kollektiven Gedächtnis. Auch die nur gut zehnjährige Bandgeschichte mit ihren vielen pophistorischen Meilensteinen ist ausgiebig beleuchtet. Was kann einem eine Dokumentation über die vier Pilzköpfe nach Hunderten von Büchern, Spiel- und Dokumentarfilmen, akribisch editierten Plattenveröffentlichungen und sogar mehreren Comics noch Neues erzählen?
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„Hubert“ von Ben Gijsemans

hubertDer Belgier Ben Gijsemans schlägt ganz stille Töne an – zeichnerisch und narrativ. Und das passt perfekt zu seiner Hauptfigur, dem titelgebenden Hubert: Hubert ist ein stiller, zurückgezogener Zeitgenosse. Mit lebenden Menschen hat er es nicht so. Stattdessen geht der gebildete Mann mittleren Alters gerne ins Museum und betrachtet lange seine Lieblingsbilder und Skulpturen. „„Hubert“ von Ben Gijsemans“ weiterlesen

„Alles was kommt“ von Mia Hansen-Løve

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Nathalie hat eine erstaunliche Energie. Das merkt man in jedem Augenblick. Ob sie sich Zutritt zu der von politisierten Schülern verbarrikadierten Schule verschafft, um ihren Unterricht durchzuführen, ob sie mit ihrem Verlag verhandelt, der gerade eine ‚jüngere Linie‘ anstelle ihrer etwas angestaubten Lehrbücher ins Programm nehmen will, oder mit ihrem Mann und den erwachsenen Kindern den Alltag bewältigt – Schwäche zeigt Nathalie selten. „„Alles was kommt“ von Mia Hansen-Løve“ weiterlesen

„Captain Fantastic –
Einmal Wildnis und zurück“
von Matt Ross

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Ben und Leslie leben mit ihren sechs Kindern fernab jeglicher Zivilisation in den Wäldern Oregons. Dort erhalten sei ein hartes Survivaltraining, werden zivilisationskritisch erzogen, aber bekommen auch eine vorzügliche Allgemeinbildung. Die drei Jungen und drei Mädchen zwischen 6 und 18 werden jeden Morgen durch den Wald gescheucht, müssen Krafttraining ebenso machen wie Felsklettern für Fortgeschrittene. Dass sie die Pflanzen und Tiere in ihrer Umgebung in- und auswendig kennen, versteht sich von selber. „„Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“ von Matt Ross“ weiterlesen

„In God we trust“ von Winshluss

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Die Mohammed-Karikaturen, das Attentat auf Charlie Hebdo – es gibt derzeit viele gute Gründe, um über Religion und Karikaturen zu sprechen. Auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen wurde im Mai die Ausstellung „Juckpulver für Scheinheilige“ gezeigt, Vorträge erörterten die Geschichte von Blasphemie und Karikaturen in Frankreich. Die Karikatur, war dort zu hören, war immer ein Aufstand der Unterdrückten, und die Furcht der Mächtigen vor dem Lachen die Angst vor der Relativierung ihrer Macht und religiösen Wahrheiten …
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„1001 Nacht“ von Miguel Gomez

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Der Jubel über die EM ist noch nicht verklungen, da startet die EU ein Strafverfahren gegen die „Defizitsünder“ Portugal, die sich gerade ganz langsam vom wirtschaftlichen Tiefpunkt erholt haben. Der EU geht das aber nicht schnell genug, sie will mit einer absurden Logik Geldstrafen verhängen. Zum Lachen? Zum Weinen? Im Jahr 2013, dem Tiefpunkt der Krise in Portugal, will der portugiesische Regisseur Miguel Gomes die Lage in seinem Land porträtieren und gerät dadurch selber in eine Krise. „„1001 Nacht“ von Miguel Gomez“ weiterlesen

„Tangerine L.A.“ von Sean Baker

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Jetzt ist Sin-Dee (Kitana Kiki Rodriguez) stocksauer! Eben noch war sie bester Laune: Es ist Heiligabend, und gerade wurde sie aus dem Knast entlassen. Da erfährt sie von ihrer besten Freundin Alexandra (Mya Taylor), dass ihr Freund Chester sie während ihres Gefängnisaufenthalts mit einer Anderen betrogen hat. Das ist schon übel genug, aber das Schlimmste: Chester hat sie mit einer ganz normalen Frau betrogen. „„Tangerine L.A.“ von Sean Baker“ weiterlesen

„Mister Wonderful“ von Daniel Clowes

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Daniel Clowes widmet sich seit langem den nerdigen Außenseitern an der amerikanischen Westküste. Mal driften seine Stories ins Surreale und hangeln sich von einem Genre zum nächsten wie in „David Boring“ oder „Der Todesstrahl“, mal verschreibt er sich einem sachlichen Realismus wie in „Ghost World“, „Wilson“ oder nun „Mister Wonderful“. „„Mister Wonderful“ von Daniel Clowes“ weiterlesen