Leidenschaft ohne Reue:
„Wie ich versuchte, ein guter Mensch
zu sein“ von Ulli Lust

Ulli Lust hat mit ihrem autobiografischen Graphic Novel-Debüt „Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens“ ihre Meisterschaft im visuellen Erzählen bezeugt und mit ihrer nicht minder gelungenen Adaption von Marcel Beyers Roman „Flughunde“ bewiesen, dass sie nicht nur aus ihrem eigenen Leben schöpfen kann. Insofern kann sie sich mit ihrem neuen Werk „Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein“ wieder in aller Ausführlichkeit einer Fortsetzung ihres Debüts widmen. „Leidenschaft ohne Reue:„Wie ich versuchte, ein guter Menschzu sein“ von Ulli Lust“ weiterlesen

Zwischen Mystik, Aufklärung und Betrug
„Stupor Mundi – Das Staunen der Welt“
von Néjib

Stupor Mundi, das war schon zu seinen Lebzeiten der Zusatzname von Friedrich II von Hohenstaufen (1194-1250), König von Sizilien und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Trotz des Titels von Néjibs Comic „Stupor Mundi – Das Staunen der Welt“ ist aber nicht der König die Hauptfigur, sondern ein arabischer Gelehrter. „Zwischen Mystik, Aufklärung und Betrug„Stupor Mundi – Das Staunen der Welt“von Néjib“ weiterlesen

Comic & Pop: Lautes Papier

„Popmusik und Comic sind schon lange befreundet, aber unkompliziert ist die Sache nicht. Beide interessieren sich füreinander und erbringen auch regelmäßig Liebesbeweise. Doch der Comic tut sich damit ungleich schwerer: Das Plattencover ist aus Papier, der Comic aber hat keine Tonspur.“
Ein achtseitiges Special zum Thema Popmusik und Comic für die Septemberausgabe des Musik Express.

Schönes Monster Pubertät:
„Pssst!“ von Annette Herzog & Katrine Clante

Viola – das erkennen wir Leser sofort – steckt mitten in der Pubertät. Viola selber ist das natürlich nicht so klar. Eigentlich ist für die Fünftklässlerin im Augenblick gar nichts so richtig klar. Ihre Eltern leben getrennt. Sie wohnt zur Hälfte bei der Mutter in der Stadt, zur anderen Hälfte bei ihrem Vater auf dem Land. Für die einen ist sie eine arrogante Städterin, für die anderen ein Landei. Und das geht auf allen Ebenen so weiter: Die Mitschüler halten sie für ängstlich, die Eltern für zu waghalsig, die einen finden sie zu still, die anderen zu laut. Und dann ändert sich auch noch ihr Körper. «Wer bin ich eigentlich?», fragt sich Viola, und wundert sich sogleich über die Frage, weil sie sich ja, genau genommen, am besten kennen müsste. „Schönes Monster Pubertät:„Pssst!“ von Annette Herzog & Katrine Clante“ weiterlesen

Verheddert in Raum und Zeit:
„Patience“ von Daniel Clowes

In der Natur von Zeitreisegeschichten liegt es, dass irgendwann der Punkt kommt, an dem man entweder ständig nach dem logischen Bruch sucht oder komplett den Durchblick verliert. Vielleicht ist auch das eine die Folge des anderen, oder umgekehrt. Wenn keines von beidem passiert, obwohl die in der Zeit herumspringende Story dazu Anlass gibt, dann liegt das eventuell daran, dass man viel zu sehr mit den Figuren und ihren Schicksalen beschäftigt ist, als dass man noch Zeit hätte, sich in Zeitschlaufen zu verheddern oder Lust hätte, Logikbrüche aufzudecken. „Verheddert in Raum und Zeit:„Patience“ von Daniel Clowes“ weiterlesen

Groteske Politparabel:
„Hier selbst“ von Jacques Tardi

Der französische Comiczeichner Jacques Tardi hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten zunehmend den Gräueln der Weltkriege gewidmet. Aber auch Romanadaptionen – gerne Krimis – gehören zu seinem Spätwerk. Mitunter arbeitet er aber auch exklusiv mit Autoren zusammen, um eine neue Geschichte zu erzählen. Ein frühes Beispiel für eine solche Zusammenarbeit ist „Hier selbst“ aus dem Jahr 1979, das zum 35-jährigen Jubiläums des Verlags Edition Moderne nach 27 (!) Jahren in einer zweiten Auflage erscheint und somit nun endlich wieder lieferbar ist. Es wurde Zeit: Das mit 200 Seiten opulente, großformatige Werk – ursprünglich in der Tradition des Fortsetzungsromans in einzelnen Kapiteln erschienen und ohne Gesamtkonzept genau so Kapitel für Kapitel entwickelt – besticht durch seine surreale Kapitalismuskritik von Jean-Claude Forest und Tardis wunderbar eigenwillige Schwarzweiss-Zeichnungen, die ihn schon hier unverwechselbar machen. „Groteske Politparabel:„Hier selbst“ von Jacques Tardi“ weiterlesen

Spiel mit den Regeln:
„Nimona“ von Noelle Stevenson

Auf „Nimona“ können sich alle einigen: Das funny Superhelden-Fantasy-Ritter-Epos der jungen Amerikanerin Noelle Stevenson spielt klug mit den Regeln der Genres: moralisch Fragen nach Gut und Böse sowie Figurenzeichnung und Erzählform werden hier unorthodox verhandelt bzw. auf den Kopf gestellt, und das mit einer entwaffnenden Spielfreude und Fabulierkunst. „Spiel mit den Regeln:„Nimona“ von Noelle Stevenson“ weiterlesen

Strich für Strich zurück ins Leben:
„Die Leichtigkeit“ von Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit – Catherine Meurisse hat sie sich mühevoll erarbeitet. Sie hat das Trauma des Anschlags auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ nicht nur überlebt, sie lebt wieder. Doch die Welt ist keine bessere geworden. Am Abend vor der Veröffentlichung der deutschen Ausgabe ihres Comics forderte in Berlin ein Anschlag zwölf Tote und knapp 50 Verletzte …
Hier geht es zum vollständigen Text für den Tagesspiegel

„Röhner“ von Max Baitinger

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Klare Linien, Geometrie, Ordnung! Max Baitinger umreißt auf den ersten Seiten in wenigen Strichen und ebenso wenigen Worten die Welt seiner Hauptfigur P.. Die Wohnung, den Alltag, das Denken: „Kocher an“, „Kanne auf“, „Tank füllen“, „Sieb drauf“, „Kaffee rein“, „Nicht drücken!“, Rand säubern“, „Kanne zu“, Herdplatte“, „Ventil zur Wand“. „„Röhner“ von Max Baitinger“ weiterlesen

„Hubert“ von Ben Gijsemans

hubertDer Belgier Ben Gijsemans schlägt ganz stille Töne an – zeichnerisch und narrativ. Und das passt perfekt zu seiner Hauptfigur, dem titelgebenden Hubert: Hubert ist ein stiller, zurückgezogener Zeitgenosse. Mit lebenden Menschen hat er es nicht so. Stattdessen geht der gebildete Mann mittleren Alters gerne ins Museum und betrachtet lange seine Lieblingsbilder und Skulpturen. „„Hubert“ von Ben Gijsemans“ weiterlesen

„In God we trust“ von Winshluss

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Die Mohammed-Karikaturen, das Attentat auf Charlie Hebdo – es gibt derzeit viele gute Gründe, um über Religion und Karikaturen zu sprechen. Auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen wurde im Mai die Ausstellung „Juckpulver für Scheinheilige“ gezeigt, Vorträge erörterten die Geschichte von Blasphemie und Karikaturen in Frankreich. Die Karikatur, war dort zu hören, war immer ein Aufstand der Unterdrückten, und die Furcht der Mächtigen vor dem Lachen die Angst vor der Relativierung ihrer Macht und religiösen Wahrheiten …
Hier geht es zum vollständigen Artikel auf tagesspiegel.de

„Mister Wonderful“ von Daniel Clowes

Mister_Wonderful

 

Daniel Clowes widmet sich seit langem den nerdigen Außenseitern an der amerikanischen Westküste. Mal driften seine Stories ins Surreale und hangeln sich von einem Genre zum nächsten wie in „David Boring“ oder „Der Todesstrahl“, mal verschreibt er sich einem sachlichen Realismus wie in „Ghost World“, „Wilson“ oder nun „Mister Wonderful“. „„Mister Wonderful“ von Daniel Clowes“ weiterlesen

„Die Mauer“ von Céline Fraiponts und Pierre Baillys

Die_Mauer

Trotz der Thematik ist kaum zu erwarten, dass mit Céline Fraiponts und Pierre Baillys (Autoren der Kindercomic-Reihe „Kleiner Strubbel“) Graphic Novel „Die Mauer“ ein jugendliches Publikum bzw. Leserinnen im Alter der Protagonistin anvisiert werden. Zu düster, zu traurig für Dreizehnjährige, denkt man spontan. Die 13-jährige Rosie ist mir den Gefühlswirren der Pubertät völlig allein gelassen – und das darf man durchaus wörtlich nehmen, denn Rosie lebt tatsächlich so gut wie alleine „„Die Mauer“ von Céline Fraiponts und Pierre Baillys“ weiterlesen

Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie

Zuckerschaedel

Zehn Jahre lang hat Charles Burns an seinem Opus Magnum „Black Hole“ gearbeitet. Das über 300-seitige Werk ist eine sowohl bedrückende wie berauschende Allegorie auf die Wirren der Pubertät, angesiedelt im Californien der 70er Jahre. Die Körperveränderungen werden bei Burns zu monströsen Deformationen, das Teenagerdasein gleicht einer Krankheit, die einen zu einem Leben als Aussätzigen verdammt. Auch zehn Jahre nach „Black Hole“ sind Pubertät und Teenage Angst Charles Burns‘ Themenschwerpunkt: Seine neue Trilogie führt uns in ein ähnliches Szenario wie in „Black Hole“ „Charles Burns: „X“ / „Die Kolonie“ / „Zuckerschädel“ – Trilogie“ weiterlesen

„Ein Sommer am See“ von Jillian & Mariko Tamaki

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Passend zur Jahreszeit hat der Berliner Verlag Reprodukt im Sommer die Coming of Age- Geschichte „Ein Sommer am See“ von den kanadischen Cousinen Jillian und Mariko Tamaki veröffentlicht: Rose fährt seit Jahren mit ihren Eltern in das selbe Ferienhaus an einem See. Dort trifft sie ebenso regelmäßig die etwas jüngere Windy. Beide sind an der Schwelle zum Teenager und beobachten ihre Umwelt und vor allem die Dorfjugend mit großen Augen. „„Ein Sommer am See“ von Jillian & Mariko Tamaki“ weiterlesen

„Der Bildhauer“ von Scott McCloud

Der_Bildhauer

Scott McCloud, weltbekannt für seine in Comicform verfassten Theoriebände „Comics richtig lesen“ (1993) und „Comics neu erfinden“ (2000), dem Praxisband „Comics machen“ (2006) und die Erfindung des 24-Stunden-Comics im Jahr 1990, ist bislang weniger mit längeren erzählenden Werken in Erscheinung getreten. Um so erstaunlicher, dass er nun seine erste Graphic Novel mit gleich 500 Seiten vorlegt.

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„Treibsand“ von Mönch, Lahl & Kahane

Treibsand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahn der Zeit

Nach ihrer Doku-Fiction „17. Juni. Die Geschichte von Armin und Eva“, die sich auf halb fiktionalem Weg dem gescheiterten Aufstand am 17. Juni 1953 in der DDR annähert, haben sich Alexander Lahl, Max Mönch und die Zeichnerin Kitty Kahane ebenfalls auf fiktionalem Weg an das Jahr 1989 und den Mauerfall gewagt „„Treibsand“ von Mönch, Lahl & Kahane“ weiterlesen