Katz und Goldt

1997 hat der Graphiker und Zeichner Stephan Katz auf gut Glück einige von Max Goldt geschriebene Geschichten illustriert und dem Autor zugesandt. Dem gefiel’s und man entschloss sich zu einer Zusammenarbeit.
Seitdem gibt es neben Büchern, Platten und Hörspielen auch Comics von Max Goldt. Inzwischen steht der vierte Band in den Regalen.

Als erstes legten Stephan Katz und Max Goldt der Öffentlichkeit das beim Berliner Comic-Verlag Jochen Enterprises erschienene Heft „Wenn Adoptierte den Tod ins Haus bringen“ vor. Dort sind auch die Nachfolgebände „Koksen um die Mäuse zu vergessen“ und „Ich Ratten“ erschienen, die Zahlreiche Comic-Strips und Cartoons versammeln, von denen einige zuvor in diversen Magazinen erschienen waren. Als sich Katz und Goldt entschlossen, einen vierten Band zusammenzustellen, hatte ihr ehemaliger Verlag aber leider schon das Zeitliche gesegnet. Man musste also einen neuen Partner finden und fand ihn auch schnell im Carlsen Verlag. Dem jedoch gefiel anscheinend nicht nur der neu vorgelegte farbige Band „Oh, Schlagsahne! Hier müssen Menschen sein“, sondern auch die früheren. Und da die ersten drei s/w-Bände bereits vergriffen waren, verlegte man gleich noch die alten Titel aufs Neue, und zwar als schicke Hardcover-Ausgaben, teilweise mit Bonusmaterial versehen. Das hat zur Folge, dass nun ein völlig überforderter Rezensent vor 4 Comic-Alben mit höchst merkwürdigen Titeln und schlacksig-naiven Zeichnung mit viel Rastermuster-Hintergründen sitzt, und versucht, das alles irgendwie anschaulich zu machen, oder zumindest in den ominösen Humor-Kosmos von Max Goldt einzuordnen.

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Versuchen wir also ersteres durch letzteres: Max Goldt fiel wahrscheinlich zuerst einem größeren Publikum mit dem ´82er Foyer des Arts-Hit „Wissenswertes über Erlangen“ auf. Die dort beschriebene kleinbürgerliche Spießigkeit mit all ihren Klischées, Vorurteilen, Gemeinheiten und unfreiwilligem Humor zieht sich seitdem durch Goldts Schaffen: Etliche Platten zusammen mit Gerd Pasemann als Foyer des Arts, zahlreiche Bücher mit Kurzgeschichten und Kolumnen, Hörspielkassetten und seit 1997 eben auch Comics. Bei den Comics reicht die thematische Palette von oben genannten Beschreibungen (‚Erlangen’ gibt es im Bielefeld-Remix) über die Verarbeitung von Schwulen-Klischées (mit der Serie „Die beiden netten Homos“), pseudo-analytischen Diskursen (‚Pilze sind Jazz’) bis zu haarsträubenden Wort/Bild-Spielen und derben Zoten.

Auf beeindruckende Art zeigt sich schon nach den ersten Seiten der Lektüre, dass weder eine Orientierung an linearen Handlungssträngen noch das warten auf Pointen viel Sinn macht. Beides kann man hin und wieder vorfinden, die Regel ist es aber keinesfalls. Somit siedeln sie sich zwischen ihren ehemaligen Berliner Verlagskollegen OL (thematisiert kleinbürgerliche Spießigkeit extrem bösartig) und Phil/Fil (Meister im sinnentleerten Abschweifen von der zentralen Handlung einer Geschichte, nachzuprüfen an seinem Epos „Didi & Stulle“) an. Strips, die gekonnt ins leere laufen und jeglicher Pointe entbehren, dafür aber zwischendurch mit zahlreichen Bonmots aufwahrten wechseln sich ab mit Cartoons, die auch nach längerem Studium äußerst rätselhaft bleiben und vielleicht einfach nur zu zu später Stunde am Tresen entstanden sind. Aber: auch wenn man sich hin und wieder sehr an der Leichtigkeit des Un-Sinns ergötzen kann findet der aufmerksame Leser doch immer wieder äußerst treffend beobachtete hässliche Kleinigkeiten und schöne Großartigkeiten des Alltags zwischen provinziellem Mief und großstädtischer Hipness-Arroganz charmant beschrieben.

Zuerst erschienen in De:Bug 12/01