Der gute Ruf der Firma
„El Club“ von Pablo Larraín

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In einem kleinen Dorf an der Küste Chiles steht ein Haus. Darin wohnen vier ältere Männer. In ihrer Mitte ist eine Frau, die den Haushalt besorgt und den korrekten Tagesablauf überwacht. Denn das Leben derer, die hier wohnen, läuft nach strengen Regeln ab: Frühstück, Mittag- und Abendessen, Freizeit, Verhaltensregeln außerhalb des Hauses – all das ist streng geregelt. Auch die Gebete, der Gesang und die Messe. Denn in diesem Haus wohnen Priester. Es ist ein Ort des Rückzugs. Doch freiwillig ist niemand von ihnen hier. „Der gute Ruf der Firma„El Club“ von Pablo Larraín“ weiterlesen

Fremd im eigenen Land
„Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume

Die Heimatlosen / Fritz Bauer (AT)Regie: Lars KraumeKamera: Je

 

„Wenn ich mein Dienstzimmer verlasse, betrete ich feindliches Ausland“, hat der jüdische Jurist Fritz Bauer einmal gesagt. Er hat diesen Satz nicht in den späten 20er oder frühen 30er Jahren ausgesprochen, nachdem er zum jüngsten Amtsrichter im Deutschen Reich aufgestiegen war. Er hat ihn in der Nachkriegszeit gesagt. „Fremd im eigenen Land„Der Staat gegen Fritz Bauer“ von Lars Kraume“ weiterlesen

Neustart
„Gefühlt Mitte Zwanzig“ von Noah Baumbach

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Vor fünf Jahren schickte Regisseur Noah Baumbach in seinem Film „Greenberg“ Ben Stiller als einen desorientierten, vierzigjährigen Berufsjugendlichen nach Los Angeles, wo er mit seinem unbeholfenen Loser-Zynismus bei den Jüngeren in seiner Umgebung gar nicht landen konnte. Sein neuer Film „Gefühlt Mitte Zwanzig“ könnte eine Fortsetzung sein, denn auch hier spielt die sogenannte Midlife-Crisis eine weitere Hauptrolle neben den Protagonisten aus Fleisch und Blut „Neustart„Gefühlt Mitte Zwanzig“ von Noah Baumbach“ weiterlesen

In den eigenen vier Türen
„Taxi Teheran“ von Jafar Panahi

 

Taxi Teheran

 

 

 

 

 

 

 

Das Prinzip des Films ähnelt dem Film „Ten“ (2002) von Abbas Kiarostami, dem Landsmann und Lehrer von Jafar Panahi: Panahi sitzt am Steuer eines Taxis und fährt durch Teheran. Es steigen Gäste ein und wieder aus, zuweilen fahren mehrere Gäste mit, die sich untereinander nicht kennen. Sie teilen sich ein Stück weit das Taxi, so wie es in vielen Entwicklungsländern üblich ist. „In den eigenen vier Türen„Taxi Teheran“ von Jafar Panahi“ weiterlesen

Mutanten-Stadl
„Men & Chicken“ von Anders Thomas Jensen

Mænd og Høns Nikolaj Lie Kaas & Mads Mikkelsen Directed by Anders Thomas Jensen Produced by Tivi & Kim Magnusson M&M Production Photo Credit Rolf Konow

 

Einer schräger als der andere! Aber zunächst sind da nur die beiden Brüder Gabriel und Elias, deren Vater ihnen auf dem Sterbebett eine Videoaufzeichnung mitgibt, auf der er ihnen ein Geheimnis von großer Tragweite mitteilt: Ihre Eltern waren nicht ihre biologischen Eltern und außerdem haben sie unterschiedliche Mütter. „Mutanten-Stadl„Men & Chicken“ von Anders Thomas Jensen“ weiterlesen

Verqueres Genie
„Love & Mercy“ von Bill Pohlad

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Der Mythos vom Künstler zwischen Genie und Wahnsinn – Brian Wilson scheint ihn perfekt zu verkörpern. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre komponiert er für die Beach Boys einen Hit nach dem anderen. Mitte der 1960er erweitert er die Formensprache der Popmusik maßgeblich und verliert sich schließlich – von Drogen und Psychosen zerrüttet – in den Weiten seiner Klangexperimente. Weiterlesen

Bundesstart: 11.6.2015)

„Eden“ von Mia Hansen-Løve

Eden

 

Die Menge jubelt! Hunderte Hände recken sich in die Höhe. Der euphorische Housetrack verfehlt weder in dem überfüllten Pariser Club seine Wirkung, noch im Kinosaal. Am liebsten würde man jetzt aufspringen und zwischen den Kinosesseln tanzen, wie in einer der vielen anderen Partyszenen von Eden … weiterlesen

(Bundesstart: 30.4.2015)

„Mülheim – Texas: Helge Schneider hier und dort“
von Andrea Roggon (Interview)

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Klar gibt es inzwischen an allen Ecken und Enden des Internets biografische Informationen über Helge Schneider, auch wenn dieser mindestens so gerne wie Stefan Raab auf seine Privatsphäre achtet. 1992 hat er sogar schon mal eine Autobiografie – zumindest den 1. Teil davon – mit dem schönen Titel „Guten Tach. Auf Wiedersehen.“ veröffentlicht. Viel spannender ist aber doch, was der Mann über Kunst im Allgemeinen und seine Kunst im Speziellen zu sagen hätte. Das hat sich auch die Regisseurin Andrea Roggon gedacht „„Mülheim – Texas: Helge Schneider hier und dort“ von Andrea Roggon (Interview)“ weiterlesen

„Leviathan“ von Andrey Zvyagintsev

Leviathan

 

 

 

 

 

 

 

Der Leviathan ist ein mächtiges Seeungeheuer, das sich Gott als Spielgefährten geschaffen hat. Im Buch Hiob wird Leviathan als Gleichnis verwendet, um Hiob vor Augen zu führen, wie sinnlos seine Versuche sind, gegen sein Schicksal aufzubegehren. Gott nimmt ihm alles, um seinen Glauben zu testen, Hiob erduldet es, bis ihm nichts mehr bleibt. Der 140-minütige Film ist schon weit fortgeschritten, und die hiobsche Talfahrt des Protagonisten Kolia scheint unaufhaltsam, da entgegnet ihm ein Priester ein Bibelzitat „„Leviathan“ von Andrey Zvyagintsev“ weiterlesen

„Frau Müller muss weg“ von Sönke Wortmann (Interview)

Projekt: "Frau Mueller Muss Weg"

 

 

 

 

 

 

 

„Der Film kommt aus dem „Ghetto“ des Kammerspiels heraus“

Herr Wortmann, bei „Frau Müller…“ haben sie zuvor auch Regie am Theater geführt. Wie verhält sich ihre Theaterversion zur Vorlage von Lutz Hübner, und wie verhält sich ihre Theaterversion zu ihrer Filmadaption?
Sönke Wortmann: Für mich sind die Dialoge eine große Stärke des Theaterstücks. „„Frau Müller muss weg“ von Sönke Wortmann (Interview)“ weiterlesen

„Mommy“ von Xavier Dolon

Mommy

 

 

 

 

 

 

 

Die Kinoleinwand ist rechteckig. Wenn man diese Fläche mit den gängigen Breitbildformaten füllt, hat man viel Raum links und rechts vom Bildzentrum. Man kann damit wunderbare Totalen von weiten Landschaften abbilden. In Jean-Luc Godards „Die Verachtung“ von 1963 sagt der Regisseur Fritz Lang aber abschätzig, das Format sei nicht für Menschen, sondern nur für Schlangen und Begräbnisse geeignet. „„Mommy“ von Xavier Dolon“ weiterlesen

„20.000 Days on Earth“ von Iain Forsyth & Jane Pollard

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Der Wecker klingelt und der zwanzigtausendste Tag im Leben von Nick Cave beginnt. Er steht auf, blickt in den Badezimmerspiegel und sieht: einen Kannibalen, der alles um sich herum verspeist, die zerkauten Momente des Alltags mit seinem Mythenspeichel versetzt und als Songs, Gedichte, Romane und Filme zurück in die Welt spuckt. Weiterlesen

(Zuerst erschienen in Zeit-Online)

Interview mit Fatih Akin zu „The Cut“

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„Ich will ja keinen Propagandafilm machen“

Herr Akin, „The Cut“ erzählt von dem Armenier Nazaret, der in den Wirren des Ersten Weltkriegs und des Völkermords in Armenien eine Odyssee durchlebt. Sie erzählen die Geschichte ausschließlich aus der Perspektive des Protagonisten und lassen größere historische und politische Hintergründe außen vor. Warum haben sie sich für diese Perspektive entschieden?
Fatih Akin: Gerade weil es ein so komplexer, unüberschaubarer Zusammenhang ist, wollte ich das streng aus der Perspektive eines Einzelschicksals erzählen, möglichst viele Augenzeugenberichte, Ereignisse und historische Zusammenhänge in den Blickwinkel dieses Einzelschicksals legen und auch mit der Kamera so umgehen, dass immer diese Person die Dinge sieht. „Interview mit Fatih Akin zu „The Cut““ weiterlesen

„Die unerschütterliche Liebe der Suzanne“
von Katell Quillévéré

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Man kennt ähnliche Biografien, und in jüngerer Zeit wurden sie auch im Kino des Öfteren erzählt: Eine junge Frau lässt alles hinter sich, um sich einem Mann anzuschließen, der – unabhängig von den Beweggründen und den moralischen Implikationen – auf die ein oder andere Art als Outlaw gelten kann, der mit Gewalt Gesetze bricht. „„Die unerschütterliche Liebe der Suzanne“ von Katell Quillévéré“ weiterlesen