The Chap (Konzert, 26.5.2008, Tsunami, Köln)

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The Chap“ – das sagte mir gar nichts, als mir letztens ein Bekannter netterweise ein Promo von deren dritten Album „Mega Breakfast“ zusteckte. Aber meine professionelle Skepsis legte sich schnell …Ich habe lange nicht mehr eine so gelungene und unberechenbare Mischung aus Poptunes und experimentellen Momenten gehört. Das gute Songwriting mit catchy Refrains verbindet sich ganz leicht mit allerlei ungewöhnlichen Ideen. Mal machen sie arty R’n’B, mal klingen sie nach noch nicht abgegrasten New Wave-Momenten, mal nach einer überraschenden Verbindung von Elektronik und Rock, mal minimalistisch, mal opulent und immer sehr vielseitig und intelligent. Der Kollege von intro, der das „uninspiriert, zusammengestückelt, furchtbar dünn“ nennt, kann im besten Falle die Platte nicht gehört haben. Alles andere fällt auf seine Urteilskraft zurück, denn genau das trifft nicht zu (und das ist keine Geschmackssache). Wenn Vice sie als „eine außerirdische Variante von Queen als übergeschnappter Dance-Act“ bezeichnet und 8 von 10 Punkten gibt, trifft das schon eher (über Queen müsste man nochmal nachdenken …) und auch die Spex findet das Album „aufregend“ und verweist noch auf das exquisite Design der CD von Non Format.  In der Tat eine tolle Platte – und um endlich mal zum Konzert zu kommen – ich war sehr gespannt, die Londoner Band live zu erleben.     
Ok gefüllter Laden. Anstelle der schwangeren Keyboarderin Claire Hope eine nicht schwangere Freundin der Band. Der Sänger der Londoner Band spricht deutsch,weil der ursprünglich aus Bonn kommt und nicht nur Johannes von Weizsäcker heißt, sondern wirklich der Enkel von Carl Friedrich von Weizsäcker ist. Der ist ja bereits im letzten Jahr verstorben, und ob er zum Konzert gekommen wäre, ist sehr fraglich. Die Eltern des Gitarristen und Sängers waren aber tatsächlich zugegen. Der Bassist Panos Ghikas ist Halbgrieche und die Ersatzkeyborderin Berit Immig von Omo kommt aus Deutschland, wie sich später rausstellen wird (s.u.). So viel zur Herkunft.
Die musikalische Raffinesse der Band – das hier studierte Musiker am Werk sind hört man, es riecht aber nie nach Virtuositätengehabe – paart sich mit humoresker Darbietung. Ich werde jetzt nicht Frank Zappa schreiben … hm … schon passiert. Live erscheint das Material etwas noisiger, vor allem die älteren Stücke scheinen noch nicht so viel Pop geatmet zu haben wie die aktuellen Songs. Die hochtönende New Wave Gitarre verbindet sich rau mit dem eleganten, mehrstimmigen Gesang, der steif funkige Bass mit dem schwer donnernden Schlagzeug, und Keyboard und Sampler geben allerlei Geräusche von sich. Nachher lieferten sich Weizsächer am Cello und Ghikas an der Geige noch ein wildes String-Duell. Technoider Art-Rock ohne Peinlichkeiten. Das leider viel zu kleine Publikum war begeistert. Nächstes Mal hoffentlich mit größerem Publikum – vielleicht merkt vorher auch die intro noch, das Stücke wie „Fun and Interesting„, die aktuelle Single, echte Hymnen sind.

Ach ja, zur Ersatzkeyboarderin: Die kam nach dem Konzert zu mir und fragte mich, ob ich nicht der Christian aus L. bei K. sei. Tja, der war ich wohl und wir gingen vor ca. 74 Jahren mal auf die selbe Schule. So kann’s gehen, wenn man sich in dieser kleinen Welt das neue heiße Ding aus London angucken will …