Interview mit Ulrich Köhler zu „Gavagai“ und Kurzkritik

Der Beginn Ihres neuen Spielfilms »Gavagai« zeigt die chaotischen Dreharbeiten einer weißen Regisseurin im Senegal, die »Medea« adaptiert. Sie selber haben vor 15 Jahren Ihren Film »Schlafkrankheit« in Kamerun gedreht. Gibt es da autobiografische Parallelen?

Ulrich Köhler: Ja, ich war nicht glücklich über den Dreh von »Schlafkrankheit«. Der Kontakt mit den Menschen vor Ort hatte mir bei der Recherche sehr viel Freude gemacht, aber bei den Dreharbeiten hing ich trotz des kleinen europäischen Teams komplett in einer europäischen Bubble fest. „Interview mit Ulrich Köhler zu „Gavagai“ und Kurzkritik“ weiterlesen

„Nouvelle Vague“ von Richard Linklater

Im Dokumentarfilm »Chambre 12, Hôtel de Suède« über die Entstehung von Jean-Luc Godards Nouvelle-Vague-Klassiker »Außer Atem« sitzt Regisseur Claude Ventura Anfang der 90er Jahre in dem Hotelzimmer, in dem Godard 1960 mit Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo gedreht hat, und bittet Godard am Telefon um ein Interview. »Träum weiter«, entgegnet Godard und legt auf. An Rückblicken war der radikalste Vertreter der Nouvelle Vague nie interessiert. So war »Außer Atem« zwar eine Hommage an den klassischen US-Gangsterfilm, aber zugleich ein Angriff auf das Kino der Gegenwart und ein Blick in die Zukunft des Kinos. „„Nouvelle Vague“ von Richard Linklater“ weiterlesen

„No Other Choice“ von Park Chan-wook

Man-su steht im Kreise seiner Liebsten im schönen Garten seines Eigen­heims. »Ich habe alles«, seufzt er glücklich. Wenn ein Film so beginnt, kann es von da an nur abwärts gehen. Man-sus Firma hat ihm für seine lang­jährigen Dienste Aale geschenkt — eine wertvolle Delikatesse in Asien. Noch hält er das für ein gutes Zeichen, und so steht dem gemeinsamen Grillen mit der Familie nichts im Weg. „„No Other Choice“ von Park Chan-wook“ weiterlesen

Graphic Novel „Martin Scorsese“ von Amazing Ameziane

Amazing Ameziane hat bereits Comic-Biografien über Quentin Tarantino, Francis Ford Coppola, Sergio Leone und Steven Spielberg (erscheint in 2026 auf deutsch) realisiert. Seine Scorsese-Biografie stammt aus dem Jahr 2021 und deutet Scorseses bislang letzten Film „Killers of the Flower Moon“ nur an. Dafür erzählt der Band detailliert von den vorangegangenen 80 Jahren des Regiemeisters. Er fängt sogar bei dessen Großeltern an, weil die italienische Herkunft für den Regisseur und seine Filme immer von großer Bedeutung war, ebenso wie die direkt damit verbundene Geschichte der Mafia. „Graphic Novel „Martin Scorsese“ von Amazing Ameziane“ weiterlesen

„Sentimental Value“ von Joachim Trier

Die Kamera kreist über Oslo. Zu dem wunderbar sanften Gesang von Terry Callier  fokussiert sie schließlich ein altes Holzhaus mit roten Fensterrahmen, dem sie sich langsam nähert. Die Kamera umschleicht das Haus, bevor sie ins Innere blickt. Dort ist von Magengrummeln die Rede, wenn die Schwestern die Treppe herunter poltern. Sind die Wände des Hauses kitzelig? Hat es Schmerzen, wenn etwas auf seinen Boden fällt? Was emp­findet es, wenn die Eltern »Lärm machen«? Und der Riss in der Wand — ein Zeichen dafür, dass das Haus zusammenbricht, aber in extremer Zeitlupe? „„Sentimental Value“ von Joachim Trier“ weiterlesen

Filmgespäch mit Christian Petzold zu „Mirroirs No. 3“

Regisseur Christian Petzold war schon häufig Gast bei der filmsociety. 2019 war er sogar bei unserem Rendezvous für ein intensives Werkstattgespräch. Und für seine drei letzten Filme „Undine“, „Roter Himmel“ und „Miroirs No. 3“, die zur Elemente-Trilogie gehören, machte er für uns einen Abstecher nach Köln, um im Anschluss an die Vorführungen mit uns über seinen Film und Film im Allgemeinen zu sprechen. Und so war auch das Gespräch am 14. Oktober im Weisshaus Kino nach „Miroirs No. 3“, der im Mai in Cannes Premiere gefeiert hatte, wieder viel mehr als ein Gespräch über seinen letzten Film. Petzold bezog sich auf viele Referenzen der Filmgeschichte im Gespräch über seinen neuen Film – vom Horror- über Geister- bis zum Märchen-Film, die alle in seinem Werk anklingen. Aber am Ende ist es dann doch immer wieder ein typischer Petzold, den nur er so realisieren kann.

Einführung zu „Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt“

Für die Filmreihe „Träume von Räumen – Wohnraum im Film“ des Filmforum NRW habe ich eine Einführung zu Slatan Dudows Kurzfilm „Wie der Arbeiter wohnt“ von 1930 als Vorfilm und seinen zusammen mit Bertold Brecht realisierten Langfilm „Kuhle Wampe oder wem gehört die Welt“ von 1932 gehalten. Der erste Film war komplett stumm – ein seltenes Kinoerlebnis, die Musik zum zweiten hat Hanns Eisler komponiert, inklusive der ersten Fassung des Solidaritätslieds.

Dank für das tolle Foto an Werner Busch!

Gespräch mit Prof. Hannes Rall über Comics und Animationsfilme

Am 17.6.2025 habe ich mit Prof. Hannes Rall (Nanyang Technological University Singapore) über sein 2024 in zweiter, komplett überarbeiteter Auflage erschienenes Buch „Animationsfilm. Konzept und Produktion“ sowie sein neues Buch „Comics. Konzept und Gestaltung“ – beide im Herbert von Halem Verlag erschienen, im Literaturhaus Köln gesprochen.

Das Video ist spontan entstanden und daher nicht optimal in Bildausschnitt und Tonqualität.

 

„Für den Bruchteil einer Sekunde“ von Guy Delisle

Der franko-kanadische Comiczeichner Guy Delisle erzählt in „Für den Bruchteil einer Sekunde“ die Vorgeschichte des Kinos als spannende Biografie eines Quereinsteigers und Hasardeurs: Es geht um die Lebensgeschichte des Engländers Eadweard Muybridge (1830-1904), der mit seinen Versuchen, Bewegung im Bild festzuhalten, Geschichte schrieb.

Den ganzen Artikel gibt es beim Filmdienst

Werkstattgespräch mit Drebuchautor Marcus Seibert

Die filmsociety fragte am 7. Mai: „Wie entsteht ein Drehbuch? Und wie wird daraus ein Film? Und weil wir auch wissen wollten, warum Drehbuchautor*innen so selten im Rampenlicht stehen, haben wir Marcus Seibert für ein intensives Gespräch über seine Arbeit vor die Scheinwerfer unserer Bühne geholt. Im Gespräch mit filmsociety-Programmleiter Christian Meyer-Pröpstl hat Seibert von seinem unkonventionellen Werdegang erzählt „Werkstattgespräch mit Drebuchautor Marcus Seibert“ weiterlesen

Moderation für den Film „Röbi geht“

Am 23. März durfte ich im Auftrag des Filmverleihs mindjazzpictures im Anschluss an die Filmvorführung von „Röbi geht“ im Odeon Kino in Köln ein sehr bewegendes Gespräch mit den Filmemacher*innen Christian Labhart und Heidi Schmid und den Palliativ- und Trauerexpertinnen Julia Strupp sowie Golrokh Esmaili Akkus führen. Ein beeindruckender Nachmittag zum Thema Sterben und Tod, aber eben auch zu Leben und Trost!
Fotos von David Heyer

„Für immer hier“ von Walter Salles

Es erscheint wie eine kleine Idylle: Der ehemalige Abgeordnete Rubens Paiva lebt mit seiner Frau Eunice Paiva und den fünf Kindern in einem großzügigen Haus direkt an der Promenade in Rio de Janeiro. Die Eltern kümmern sich liebevoll um ihre Kinder. In ihrem Haus wird gelacht, gegessen, getrunken. Ständig sind andere Kinder zu Besuch oder Freunde der Familie aus der künstlerischen und intellektuellen Gesellschaft der Stadt. Gestört wird die Idylle von willkürlichen Straßenkontrollen, bei der die älteste Tochter mit ihren Freunden von der Polizei drangsaliert wird. Gestört wird sie auch durch Militärfahrzeuge, die im Hintergrund durch die Straßen streifen. „„Für immer hier“ von Walter Salles“ weiterlesen

Filmgespräch zu „Köln 75“ mit Vera Brandes

Im ausverkauften Odeon Kino habe ich bei der  Sondervorführung der Filmsociety von Ido Fluks Film „Köln 75“ über die Entstehung des legendären „Köln Concerts“ von Keith Jarrett  24. Januar 1975 in der Kölner Oper, durchgeführt von der damals 18-jährigen Vera Brandes, mit der heute 69-jährigen Vera Brandes, die für die Kinotour extra aus ihrer griechischen Wahlheimat angereist war, ein sehr bewegendes Gespräch geführt. Anschließend wurde sie anschließend mit Standing-Ovations gefeiert.

„Köln 75“ von Ido Fluk

Der Vergleich zu Beginn des Films irritiert: hier Keith Jarrett auf der Bühne, dort Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle. Man hätte gerne Jarrett 1975 auf der Bühne der Kölner Oper erlebt, hören wir eine Erzählerstimme, wo das meistverkaufte Jazz-Solo-Album der Geschichte – „The Köln Concert“ – aufgenommen wurde. Mindestens genauso gerne hätte man Michelangelo beobachtet, wie er auf einem wackeligen Holzgerüst steht und die Fresken malt. Nicht nur ist der Vergleich etwas gewagt. Der Film zeige zudem weder das Eine noch das Andere, so der Kommentar aus dem Off, sondern das Gerüst. „„Köln 75“ von Ido Fluk“ weiterlesen

„Mickey 17“ von Bong Joon-ho

Die Erde in der Zukunft: Mickey und Berto haben Schuldner auf den Fersen, die ihnen nach dem Leben trachten. Einziger Ausweg ist die Flucht. Glücklicherweise startet gerade eine Expedition unter der Leitung des skrupellosen Hieronymous Marshall zu einem Planeten, den er kolonialisieren will, um dort eine reine Rasse zu erschaffen. Mickey meldet sich als sogenannter Expendable an, als ein Entbehrlicher. Die schlechte Nachricht: Er ist auf der Mission für alle riskanten Aktionen zuständig, die tödlich enden könnten. Die gute Nachricht: Dank eines Gedächtnisspeichers und eines Biodruckers wird er nach seinem Tod geklont. „„Mickey 17“ von Bong Joon-ho“ weiterlesen