1997, gut zehn Jahre nach Michael Moores Erstling, aber fünf Jahre vor dessen weltweiten Doku-Hits, ließ Thomas Frickel mit „Deckname Dennis“ einen nicht nur physiognomisch an Moore erinnernden US-Reporter auf die deutsche Provinz los … Scheinbar naiv, kitzelte Dennis Mascarenas aus den skurrilsten Leuten die unglaublichsten Geschichten heraus. 14 Jahre später schickt Frickel Mascarenas erneut durchs Land und lässt ihn esoterische Mondbeschwörer und antisemitische Mondverschwörer aufspüren. Die Theorien werden immer abenteuerlicher und diese Realsatire endet in so witzigen wie erschreckenden Fantasmagorien.
INTERVIEW MIT REGISSEUR THOMAS FRICKEL
Herr Frickel, vor beinahe 15 Jahren ließen sie erstmals Dennis Mascarenas auf die Deutschen los. Warum schicken sie ihn jetzt wieder in die Republik?
Thomas Frickel: Naja – in diesen Jahren hat sich doch vieles verändert. Scheinbar feste Weltbilder haben sich aufgelöst, und die Wirklichkeit erscheint immer mehr als ein schwer durchschaubares Gewirr unzusammenhängender Versatzstücke. Die Esoterik verspricht, dieses Chaos zu ordnen. Also geht Dennis diesmal zielstrebig zu Leuten, die solche Lösungen anbieten. Und das erstaunt und fasziniert ihn gleichermaßen. Denn als Journalist ist ihm der esoterisch-ganzheitliche Ansatz natürlich nicht fremd: alles hängt mit allem zusammen. Warum also nicht auch das Mondwasser und unser Personalausweis? Ich meine – rein feinstofflich gesehen.
Wie kann er so leicht über esoterische Mondbeschwörer bei faschistischen Verschwörungstheoretikern landen … ?
Im Film ist es der Endpunkt einer lange Reise durch ein Labyrinth sehr unterschiedlicher Weltbilder. Natürlich landet nicht jede esoterische Idee dort – das zu behaupten, wäre Quatsch. Aber wer auf der schiefen Ebene des Irrationalen mal ins Rutschen kommt, kann leicht den Halt und die Orientierung verlieren.
Mascarenas kommt mit seiner scheinbar naiven Art ganz nah an die Leute. Gab es nie Misstrauen gegenüber ihm und dem Team?
Warum denn? Alle Gesprächspartner haben das, was sie im Film sagen, auch schon in Büchern oder im Internet veröffentlicht, und wer die Wahrheit herausgefunden hat, will sie natürlich auch anderen mitteilen. Einer sagt ja sogar wörtlich: „Die Bevölkerung muss aufgeklärt werden“.
Den US-Sender, für den Mascarenas unterwegs ist, gibt es wirklich, und auf deren Webseite tauchen Szenen aus „Die Mondverschwörung“ auf. Wie sieht Ihre Verbindung zu dem Sender aus?
Weil Dennis mich schon lange kennt, hat er mich gefragt, ob ich für seine DDC-Reportagen in Deutschland die Aufnahmen machen kann. Als dann das Material vorlag, habe ich gesagt: Mensch, das muss unbedingt auch ein langer Film werden! Die Amerikaner fanden das gut – sicher auch deshalb, weil sie dadurch Geld sparen konnten …
Halten Sie „Die Mondverschwörung“ für einen aufklärerischen, politischen Film oder ist es eher eine schwarzhumorige Realsatire zur Unterhaltung?
Weder noch: Der Vorgänger-Film „Deckname Dennis“ ist mal „eine ethnografische Reise ins eigene Land“ genannt worden. Das trifft es noch am besten: wir werten ja nicht, wir sehen und hören staunend zu und überlassen es den Zuschauern, daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Mal ganz abgesehen von der Herausforderung, einen Dokumentarfilm mit und über Menschen zu drehen, die eine ganz andere Wirklichkeit im Kopf haben als wir.
Wollen Sie die Reihe mit Mascarenas fortsetzen, und wenn ja, mit welchen Themen?
Das ist geheim.
(Bundesstart: 21.4.2011)


