„König des Comics: Ralf König“
von Rosa von Praunheim (Interview)

Ralf Königs Knollennasen sind berühmt. Der Kölner Comiczeichner hat nicht nur unglaublich viele Comics – auch „abendfüllende“ – gemacht, sie wurden auch mehrfach verfilmt und in etliche Sprachen übersetzt. Dabei hat er nie seine Perspektive aus und auf die Schwulenkultur verloren. Überfällig, dass sich Schwulen-Ikone Rosa von Praunheim der Comic-Ikone annimmt. Praunheims Dokumentarfilm stellt den Künstler König vor, legt aber auch auf den persönlichen Werdegang viel Wert. Denn der ist prägend für dessen Comics, die vom Coming Out, vom Hedonismus, vom Kampf für Toleranz auch jenseits schwuler Anliegen handeln. Man sieht König durch seine Vergangenheit streifen, bei Lesungen, politischen Veranstaltungen und mit seinem Freundeskreis. Praunheim ist ein bewegendes, sehr persönliches und dennoch über die Person König hinausweisendes Portrait gelungen.

INTERVIEW MIT RALF KÖNIG:

Herr König, Rosa von Praunheims Dokumentarfilm über Sie erscheint sehr behutsam und einfühlsam. Kannten Sie den Regisseur vorher bereits persönlich?
Ralf
König: Nein, Rosa interessierte sich nie für das Medium Comic, erst durch die Filmidee hat er sich mit meinen Büchern beschäftigt und war dann sehr begeistert. Aber als ich 1977 noch einsam schwul und ungeoutet zwischen Weißkohlfeldern und Kuhwiesen auf dem katholischen Dorf lebte, kriegte ich ein Buch von Rosa von Praunheim in die Finger: „Sex und Karriere“. Schwulenpolitik und New Yorker Lederszene, das war für mich damals die dunkel lockende Welt. 35 Jahre später Rosas Film über mich: Das hat ’ne gewisse Konsequenz.

Sie sprechen in dem Film sehr offen über persönliche DingeGefühle, Freundschaften, Liebe, Sexualität. Ist Ihnen das schwer gefallen?
Mir war klar, dass ich in einer Doku von Rosa von Praunheim die Hosen ein Stück weit runterlasse, aber meine Comics haben ja im Grunde den gleichen Inhalt: das pralle Leben mit allen Leidenschaften und Peinlichkeiten. Abgesehen davon ist der Film auch ein Stück Zeitdokumentation der 70er und 80er Jahre. Da sah es mit gesellschaftlicher Akzeptanz noch finster aus.

In einem Film von Praunheim kann es nicht nur um Pointen, sondern muss es auch um Politik gehen. Auch Sie äußern sich in Ihren Comics häufig kritisch. Empfinden Sie da einen Generationskonflikt?
Rosa ist 20 Jahre älter als ich und hat noch einen anderen Kampf gekämpft. Das merkte ich auch an der Art, wie er Fragen stellte … immer dieses Schwul-Hetero-Ding. Genauso werden junge Schwule heute mit meinen Comics womöglich nicht mehr so viel anfangen können. Sicher ist das eine Generationsfrage. Ich hoffe nur, es gibt weiterhin kreativen und kämpferischen Nachwuchs und nicht nur Party und Datingprofile auf dem iPhone.

Wie sieht es mit der Freigabe des Films aus, speziell in Bayern, wo man bereits versuchte, ihre Comics zu indizieren?
Ach, Bayern ist auch nicht mehr das, was es mal war. Es wird eine zensierte Version auf Arte laufen, da gab’s auch unlängst einen Film über „Sex in the Comix“, mit einigen gezeichneten Pimmeln und Mösen. Im Netz war der Film nach Ausstrahlung eine Woche nur von 23 bis 5 Uhr online, wegen Jugendschutz … als ob es „die Jugend“ interessierte, wovor sie wie geschützt wird, gerade im Internet!

Im Film werden neue Projekte angedeutetein Realfilm und ein Animationsfilm
Die Projekte sind inzwischen bis auf weiteres in der Schublade, was ich sehr schade finde. „Hempels Sofa“ könnte ein prima Film werden, aber in der Branche braucht man Geduld und Nerven. Ich zeichne inzwischen lieber weiter Comics.

(Bundesstart: 1.3.2012)