Klara, Mina und Tanutscha sind drei 15jährige Mädchen aus Kreuzberg, die sich seit der Kindheit kennen. Sie pflegen auch untereinander einen rauen Umgangston, halten aber immer zusammen. Langzeitdoku wäre etwas hoch gegriffen, aber ein Stück weit begleiten wir die drei Mädchen, die für ihr Alter erstaunlich selbstbewusst und abgeklärt sind …
INTERVIEW mit Bettina Blümner
Wie bist Du auf die drei Mädchen aufmerksam geworden? Sie sind ja doch ungewöhnlich selbstbewusst…
Ich habe im Umfeld des Prinzenbads in Berlin recherchiert, habe Jugendclubs besucht und Bekannte gefragt. Dann lernte ich einen Jungen kennen. Er hat dann in seiner Schule, die nicht weit vom Prinzenbad ist, nachgefragt, ob jemand Lust hätte bei einem Filmprojekt mitzumachen. Klara hatte Interesse – wir waren Kaffee trinken und sie hat mir ihre Freundinnen vorgestellt: Mina und Tanutscha. Ich fand den Freundeskreis von Anfang an sehr spannend, ich mochte ihre Sprache, ihren Umgang untereinander, ihre Diskussionen und Wortwitz
Trotz des verbal rüden Umgangs gehen die Mädchen letztlich sehr nett und verantwortungsbewusst miteinander um. Die Medien beherrschen eher andere, gewaltvollere Bilder aus Kreuzberg und ähnlich problematischen Stadtteilen Berlins …
Kreuzberg ist ein sehr lebendiger und interessanter Bezirk. Ich bin gerne dort. Die drei Mädchen haben dort gelernt, dass ihre Sprache eine Art „Waffe“ ist. Sie wissen sich verbal zu wehren und sagen sehr direkt, was sie denken. Für mich ist Prinzessinnenbad ein Film, der sich mit dem Thema Erwachsenwerden beschäftigt. Klara, Mina und Tanutscha durchleben viele Dinge, die mir in diesem Alter sehr bekannt waren.
Wie hat sich der Film für die Mädchen ausgewirkt? Der Erfolg kam sicherlich für alle Beteiligten, vor allem für die Mädchen selbst, sehr überraschend?
Ich freue mich, dass der Film so positiv aufgenommen wird. Klara, Mina und Tanutscha werden in Kreuzberg manchmal angesprochen. Und natürlich ist das für die drei auch manchmal komisch. Als Zuschauer hat man nach dem Film ja das Gefühl, die drei zu kennen, während umgekehrt für sie diese Nähe manchmal befremdlich ist. Klara, Mina und Tanutscha sind sehr geerdet, wollen jetzt nicht Schauspielerinnen werden und sind stattdessen gerade dabei ihre Schulabschlüsse zu machen. Klara fährt im Sommer mit ihrem Freund Ferhat zu ihrem Vater nach Panama und Mina geht ein halbes Jahr mit George nach Thailand. George ist ja früher von seiner Reise aus Brasilien zurückgekommen – aus Liebe zu Mina. Und Tanutscha möchte nach wie vor Altenpflegerin werden und macht jetzt ein freiwilliges, soziales Jahr in diesem Bereich.
Gibt es Pläne für eine Fortsetzung des Films im Sinne der Langzeitdokus von Volker Koepp? Die Frage, wie es weitergeht, gerade an diesem Punkt des Umbruchs, der Berufswahl, des Erwachsenwerdens allgemein, schwebt am Ende des Films sehr drängend im Raum …
Nein, es gibt noch keine konkreten Fortsetzungspläne. Klara, Mina und Tanutscha haben auch gesagt, dass sie große Lust hätten einen zweiten Teil zu drehen. Aber mit dieser Entscheidung können wir uns alle Zeit lassen.
(Bundesstart: 31.5.2007)
zuerst erschienen in choices 7/07



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