Tatortin

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Ich sag’s gleich: Großartige Folge! Der Frankfurter Tatort „Waffenschwestern“ mit Komissarin Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) war gleich auf mehreren Ebenen ziemlich unglaublich … Zum einen überraschte er mit einem ziemlich kecken Humor. Dann zeigt er immer wieder eine befremdliche Ästhetik: menschenleere Straßen, Wolkenhimmel, übertriebene Posen. Und drittens ist die Story um eine weibliche Bankräuberbande im Umfeld einer Art weiblichen Geheimbundes, der Nachts im Wald illegal historische Duelle nachstellt, reichlich skurril. Irgendwann merkt man dann, dass vor allem die letzten beiden Aspekte gut zusammenspielen: Der Drehbuchautor Michael Proehl und der Regisseur Florian Schwarz, die schon öfters zusammengearbeitet haben, besetzten von Männerklisches durchzogene Rollen einfach mit Frauen und flechten subtil Western-Ästhetik ein: Die leergefegten Straßen, durch die Papierfetzen wehen, die Waldhütte als Versteck der Bankräuber, der vorrüberziehende Wolkenhimmel und natürlich der Showdown am Ende des Films – ein klassisches Duell der beiden Kontrahenten. Nur eben Kontrahentinnen – beides Frauen. Ein großartiges Zitatenspiel, das das bereits im Titel angelegte Genderhopping (bislang gab es nur Waffenbrüder) intelligent und unterhaltsam zugleich bis zum famosen Ende, dem Duell-Tod der todessehnsüchtigen Gangsterin, durchdekliniert. Sterbende: „Es wird so kalt“. Kommissarin: „Ja, der Schnee kommt bald“.

5 Antworten auf „Tatortin“

  1. Genau, Herr Meyer, da kann ich mich nur anschließen. Schön gegenderhoppt war i.Ü. auch der nachträgliche Umgang der Kommissarin mit ihrem One-Night -Stand.

    Leider hab ich ihn erst ab ca. der Hälfte gesehen, daher kann ich nicht beurteilen, ob das Gejammer in der Zeitung, die sich selbst in Gänsefüßchen setzt, berechtigt war, dass der Film sich zu sehr vom Krimi entfernt habe.

  2. … oder wenn die Komissarin ihren Kollegen zum Kaffee einladen will, und er absagt, weil in dem Moment seine Freundin ihn mit ihrem protzigen Sportwagen abholt. verkehrte Welt! Im Tatort-Forum gibt es auch viel Schelte, weil die meisten Realitätsnähe vermissen oder die totale Satire wollen. Aber dass die Grundidee nicht plakativ drübergepappt wurde, sondern subtil, macht ja die Qualitäten aus. Ein bißchen wie die beiden Folgen mit dem ersten Kottan-Darsteller aus den 70ern.

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