Wenn man täglich ins Kino geht, kann man ganz schön abstumpfen. Aber so etwas Weggeschossenes wie diese neoreligiöse Katastrophe kriegt man wirklich nicht alle Tage zu sehen …
Über seinen Sohn fällt dem Astrophysiker John Koestler (Nicolas Cage) ein 50 Jahre altes Schriftstück in die Hand, das in einer wilden Zahlenkette alle Katastrophen der letzten 50 Jahre vorhersieht – mit Datum, Ortsangabe per Koordinaten und Zahl der Todesopfer. Jetzt heißt es, die als nächstes angekündigten Katastrophen zu verhindern. Das führt zu einigen guten Actionszenen, Koestler-Cage kann die Ereignisse nämlich nicht verhindern. Dann merkt er, dass das EE am Ende der Zahlenreihe für Eternal End stehen könnte. Und nun ist klar, dass es der ganzen Erde an den Kragen geht. Da kann auch „Con Air“-Cage nichts mehr machen. Bis dahin ist der Film solide Ware, die sich zwar munter bei allen möglichen Klischees bedient, aber ganz unterhaltsam ist. Ein wenig Mystery schleicht sich hinein, wenn die wirklich abgedroschen in Szene gesetzten Männer in schwarzen Ledermänteln und weißen Stoppelfrisuren auftauchen und jenen Mystery-Moment einbringen, der andeutet, wohin das ganze gehen könnte. Cage sollte vielleicht auch mal mehr als seinen bedröppelten Gesiochtsausdruck auflegen, aber das könnte man nochverzeihen – als Charakterdarsteller ist er bislang ja noch nicht in Erscheinung getreten, warum also jetzt? Doch dann dreht der Film komplett ab und wird eine 50 Millionen teure Propagandaschlacht alttestamentarischer Fundamentalisten. Denn: Koestler-Cage ist vom Glauben abgefallen, seit seine Frau gestorben ist. Mit seinem Vater, einem Priester, hat er gebrochen. Und nun kommen die komischen Männer in Ledermänteln und flüstern seinem Sohn merkwürdige Sachen ins Ohr, bis schließlich ein UFO herabsegelt und den Sohn, eine Freundin und die Flüsterer, die inzwischen ihre wahres Wesen als Engel zeigen, auf einen anderen Planeten mitnimmt. Dort sieht man eine wunderschöne CGI-Wiese mit rauschenden Bächen, einen Baum (des Lebens) und die beiden Kinder, wie sie in weißen Hemdchen Hand in Hand durch die digitale Kitschlandschaft hüpfen (davon gibt es leider keine Pressebilder, weil das Ende ja nicht verraten werden soll – habe ich hiermit aber gerne getan!). Derweil fegt unten auf der Erde eine Feuerwand alles Irdische weg. Aber zuvor durfte Koestler-Cage noch mal ordentlich religiös werden, seinen Vater in letzter Sekunde wieder in die Arme schließen und in dieser Pose verbrennen. Halleluja!! Ob das nun Neo-Kreationismus, spinnerte UFO-Sekten Fantasterei oder ganz allgemein neuer christlicher Fundamentalismus ist, es ist auf jeden Fall noch durchgeknallter als Darren Aronofskys „The Fountain“. Der Gedanke, dass irgend jemand 50 Millionen Dollar dafür hinlegt, dass soetwas in 50 Millionen Hirne gepustet wird, gefällt mir nicht …
(Bundesstart: 9.4.2009)


