Fünf Filme von Jean Luc Godard auf DVD

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Er hat die Möglichkeiten des Kinos mehr als jeder andere ausgelotet: Jean Luc Godard, einer der bedeutendsten Regisseure und verantwortlich für die gewagtesten Experimente innerhalb der Nouvelle Vague, hat das Kino von den Fesseln der Konvention befreit …Er hat Kino neu gedacht, immer wieder, stets aufs Neue, narrativ wie visuell. Und dies immer selbstreflexiv und mit dem Bewusstsein um das Verhältnis von Kino und Wirklichkeit und wie beide einander beeinflussen können. Schon in den frühen sechziger Jahren, hat Godard mit den Regeln des Kinos gespielt und dessen Illusionsmechanismen attackiert. So hat er gleich zu Beginn seiner Karriere den Jump-Cut erfunden, der heute in keinem Videoclip fehlt. Er hat die ökonomischen Produktionsbedingungen von Kino ebenso transparent gemacht wie seine ästhetischen Entscheidungen für Bild und Ton. Er hat zitathaft Material unterschiedlichster Herkunft in die zunehmend nebensächlicheren Stories eingewoben.

„Der kleine Soldat“, noch klassischer Spielfilm, ist 1960 ein erster explizit politischer Film, der aufgrund seines eindeutigen Bezugs zum Algerienkrieg erst drei Jahre nach Fertigstellung von der Regierung freigegeben wurde. „Eine Frau ist eine Frau“, Godards wunderbar verspielte Hommage an das Musical, ist im konkreten Alltag angesiedelt und mit kulturellen Zitaten versetzt. „Pierrot le Fou“, stylish bis zum Anschlag, ist vielleicht der letzte noch annähernd als Erzählkino zu bezeichnende Film seiner frühen Phase. Danach dringt die Brüchigkeit der Wirklichkeit, die Godard ebenso als Konstruktion betrachtet wie seine Filme, immer mehr in seine zunehmend essayistische Filme ein. Ende der 60er Jahre löst er sich als Autoreneinheit schließlich im Kollektiv „Gruppe Dziga Vertov“ auf. Es folgt in den 70er Jahren die Arbeit mit Video, bevor Godard in den 80ern noch mal ins Kino zurückkehrt. „Vorname Carmen“ wird 1983 einer seiner wenigen kommerziellen Erfolge, zwei Jahre später dreht er „Detective“, ein ähnlich ironisches Genrestück. Nur die viele Nacktheit junger Frauen lässt erstmals aber eigentlich unbegründet Altherrenkino befürchten.
Godards Erbe, Kino neu zu denken, sich selbst zu revidieren, zu korrigieren, zu widersprechen – und das alles mit viel Humor, hat inzwischen wohl Lars von Trier angetreten. Doch Godards Vermächtnis hat noch lange nicht an Wirkung und Kraft verloren. Das beweisen seine jüngeren ebenso wie seine ältesten Filme immer wieder.

Jean Luc Godard: „Der kleine Soldat“, „Eine Frau ist eine Frau“, „Pierrot le Fou“, „Vorname Carmen“, „Détective“.
(4.September, Universal)

Zuerst erschienen in intro 164, 9/08