Filmverlag der Autoren Edition
Arthaus Close-Up: Werner Herzog
„Fitzcaraldo“ Arthaus Premium

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Materialschlacht: Arthaus, das Kinowelt Sublabel startet eine große Veröffentlichungsoffensive, die vor allem den Neuen Deutschen Film im Visier hat … Zu aller erst wäre da die umfangreiche Limitierte „Filmverlag der Autoren Edition“ mit sage und schreibe 50 DVDs mit Filmen von 1967 bis 1986. Darunter sind knapp die Hälfte bislang nicht auf DVD erhältliche Werke, außerdem enthalt die Box ein 160seitiges Buch mit einem grundlegenden Text zu Entstehung, Wirkung und Ende dieses selbstverwalteten Filmverlages. Ohne ihn hätte es einen unabhängigen Film jenseits von Heimatfilm, albernem Paukerfilm und Sexklamotte in Deutschland so noch lange nicht geben können. Hier kann man neben bekannteren Werken von Wenders, Fassbinder oder Herzog unglaublich experimentierfreudige Filme wie Thomas Shamonis „Ein grosser graublauer Vogel“, Uwe Brandners konsequente Dekonstruktion des Heimatfilms mit „Ich liebe dich, ich töte dich“ inklusive schwuler Liebe, Hark Bohms „Tschetan, der Indianerjunge“, einem in Bayern gedrehten Autoren-Western, den Kollektivfilm „Der Kandidat“ von 1980 über Franz Josef Strauss oder „40 qm Deutschland“ von Tevfik Başer, einer der wenigen in Deutschland gedrehten Migrantenfilme, entdecken. Die limitierte Edition kostet über 400 Euro, wird also nicht allzu viele Käufer finden. Man kann aber davon ausgehen, dass die bislang unveröffentlichten Filme in absehbarer Zeit auch als Einzel-DVDs erscheinen werden.
Daneben startet Arthaus die Reihe „Arthaus Close-Up“, die jeweils einen herausragenden Regisseur vorstellt. Mit drei von Werner Herzogs Filmen aus den 70er Jahren startet das Projekt: Sie sind allesamt Außenseiter – „Aguirre“, „Kaspar Hauser“ und „Nosferatu“. Mal gutherzig, mal gierig, mal beides zugleich. Vom Bildgewaltigen Historiendrama bis zum tragikomischen Vampirfilm reich Herzogs Palette.
Auch gut ausgestattete Einzeltitel aus der Epoche veröffentlicht das Label weiterhin: Werner Herzogs fiebriger Amazonas-Traum „Fitzcarraldo“ erscheint dort als Doppelpack zusammen mit der Dokumentation „Die Last der Träume“ von Les Blank, der die dramatischen Dreharbeiten im Dschungel begleitet hat. Darin zeigt sich, dass Kinskis-Rolle von der Person Herzogs eigentlich kaum zu trennen ist. Was ist verrückter: Für einen Opernbau im Dschungel ein Schiff durch den Dschungel zu schleifen oder für einen Film über einen Opernbau im Dschungel ein Schiff durch den Dschungel zu schleifen? Eben!
(alle Kinowelt)

Zuerst erschienen in engels 03/09